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Filmfestival Cannes Homosexuelles Drama mit 22 Minuten Applaus geehrt

Von ms - 26.05.2026 - 11:00 Uhr
Filmfestival Cannes
Foto: IMAGO / SOPA Images
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Mit der Vergabe der Goldenen Palme an den rumänischen Regisseur Cristian Mungiu sind die 79. Filmfestspiele von Cannes zu Ende gegangen. Sein Film „Fjord“ setzte sich gegen 21 weitere Beiträge im Wettbewerb durch. Das Drama erzählt von einer konservativ-katholischen rumänisch-norwegischen Familie, der der norwegische Staat mit der Herausnahme ihrer Kinder droht. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage nach Toleranz, kulturellen Unterschieden und staatlichen Eingriffen in familiäre Strukturen. Abseits davon standen auch immer wieder Filme mit queeren Themen im Fokus. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Cristian Mungiu gewinnt mit „Fjord“ die Goldene Palme.
  • Deutsche Filmschaffende gehören mehrfach zu den Preisträgern.
  • Viele Wettbewerbsfilme beschäftigen sich mit Krieg, Identität und gesellschaftlichen Konflikten.
  • Javier Ambrossi und Javier Calvo gewinnen den Regiepreis für das schwule Werk „La Bola Negra“.
  • Der Film erhält bei seiner Premiere 22 Minuten stehenden Applaus.
  • Mehrere ausgezeichnete Produktionen beschäftigen sich mit queerer Identität und Geschichte.

Empathie und deutsche Preisträger

Mungiu, der bereits vor fast zwei Jahrzehnten mit „4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage“ die Goldene Palme gewonnen hatte, greift mit „Fjord“ erneut gesellschaftspolitische Themen auf. Der Film mit Renate Reinsve in einer der Hauptrollen gilt als aktuelles Plädoyer für Empathie und gesellschaftliche Offenheit und streift dabei immer wieder auch zentrale Themen der queeren Community. 

Neben dem Hauptgewinner sorgten auch mehrere deutsche Produktionen und Filmschaffende für Aufmerksamkeit. Valeska Grisebach erhielt den Preis der Jury für „Das geträumte Abenteuer“. Der Film begleitet eine Archäologin an der bulgarischen Grenze und verbindet dokumentarische Elemente mit Motiven eines Westerns. Auch das Drama „Vaterland“ des polnischen Regisseurs Pawel Pawlikowski wurde ausgezeichnet. Die Jury verlieh Pawlikowski gemeinsam mit Javier Calvo und Javier Ambrossi den Regiepreis. „Vaterland“ erzählt von Thomas Manns Rückkehr aus dem amerikanischen Exil nach Deutschland im Jahr 1949. Hanns Zischler verkörpert den Schriftsteller, Sandra Hüller spielt dessen Tochter Erika Mann. Im Zentrum steht die Frage, wie die Familie Mann nach dem Krieg auf ein zerstörtes Deutschland blickt und wie ihr Auftreten wahrgenommen wird.

Krieg und Frieden 

Der Große Preis der Jury ging an den russischen Regisseur Andreï Zviaguintsev für „Minotaur“. Der Film verbindet eine private Beziehungsgeschichte mit politischen Entwicklungen in Russland. Zviaguintsev nutzte seine Dankesrede auch für politische Aussagen zur Situation in seiner Heimat. „Der russische Präsident ist der Einzige, der dieses Gemetzel beenden kann“, sagte der Regisseur. Inhaltlich dominierten in diesem Jahr vor allem Kriegsstoffe das Festivalprogramm. Zahlreiche Wettbewerbsfilme beschäftigten sich mit historischen oder aktuellen Konflikten – vom Ersten und Zweiten Weltkrieg bis hin zum russischen Angriffskrieg und dem Spanischen Bürgerkrieg. 

Die Jury unter Vorsitz des südkoreanischen Regisseurs Park Chan-wook vergab die Schauspielpreise jeweils an Duos. Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden für ihre Rollen in Lukas Dhonts Kriegsdrama „Cowards“ als beste Schauspieler ausgezeichnet. Den Preis als beste Schauspielerinnen erhielten Virginie Efira und Tao Okamoto für „All of a Sudden“ von Ryusuke Hamaguchi.

Queere Filmstoffe

Daneben spielte queere Liebe in mehreren Produktionen eine zentrale Rolle. Zu den großen Gewinnern der diesjährigen Filmfestspiele von Cannes zählt das spanische Regieduo Javier Ambrossi und Javier Calvo. Für ihr Drama „La Bola Negra“ wurden sie gemeinsam mit dem bereits erwähnten Pawel Pawlikowski („Vaterland“) mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Bereits die Premiere des Films hatte auf dem Festival für außergewöhnliche Aufmerksamkeit gesorgt, das Publikum feierte die Produktion mit Standing Ovations von 22 Minuten. 

„La Bola Negra“ erzählt die Geschichten dreier schwuler Männer in unterschiedlichen Zeitebenen der Jahre 1932, 1937 und 2017. Thematisch kreist der Film um Sexualität, Sehnsucht, Schmerz und die Folgen jahrzehntelanger homosexueller Unterdrückung. Im Gespräch mit „ScreenDaily“ erklärte Javier Ambrossi: „Eine der Hauptantriebskräfte war diese Frage: Ehren wir als Teil der LGBTIQ+-Community die Menschen, die ermordet wurden, die Unterdrückung erlitten und für unsere Rechte gekämpft haben, so, wie wir es sollten? Würden sie uns ansehen und stolz auf uns sein? Ich frage mich das sehr oft.“ Sein Regiepartner Javier Calvo verwies zudem auf die bis heute spürbaren Folgen gesellschaftlicher Ausgrenzung und sprach über ein fortdauerndes Erbe von Hass und Scham.

Auch abseits des Hauptwettbewerbs spielte queeres Kino in Cannes eine wichtige Rolle. Besonders viel Aufmerksamkeit erhielt „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ der nicht-binären Regisseurin Jane Schoenbrun. Der Film greift klassische Elemente des Horror- und Slasherkinos auf und verbindet sie mit Themen wie Scham, Identität und sexueller Befreiung. Zur Besetzung gehört unter anderem Gillian Anderson. Die Produktion erhielt zudem die renommierte Queer Palm, die seit 2010 besondere Filme aus der Community würdigt. 

Verbotene Liebe zwischen Soldaten

Für weitere emotionale Momente sorgte Lukas Dhonts Weltkriegsdrama „Coward“. Der Film erzählt von zwei Soldaten an der belgischen Front des Jahres 1916, die während des Krieges eine heimliche Liebesbeziehung entwickeln. Emmanuel Macchia und Valentin Campagne wurden für ihre Darstellungen gemeinsam als beste Schauspieler ausgezeichnet. Die Ehrenpalme für ihr Lebenswerk ging dann an Barbra Streisand, die wegen einer Verletzung nicht persönlich anwesend war.

Trotz einzelner Höhepunkte fiel die Gesamtbewertung des Wettbewerbs allerdings eher verhalten aus. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren wurde der diesjährige Jahrgang von vielen Beobachtern als deutlich schwächer eingeschätzt. Zum Abschluss der Preisverleihung überreichte Schauspielerin Tilda Swinton die Goldene Palme an Cristian Mungiu und rief: „Es lebe die Differenz, es lebe das Kino, es lebe die Menschheit.“

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