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Holger Klotzbach ist tot Der Gründer der Berliner Bar jeder Vernunft

Von ms - 26.01.2026 - 07:30 Uhr
Holger Klotzbach ist tot
Foto: IMAGO / Photopress Müller
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Abschied von einem Urgestein der Berliner Kulturszene: Der schwule Gründer der Berliner Bar jeder Vernunft und des Tipi am Kanzleramt, Holger Klotzbach, ist tot. Er starb am Freitag wenige Tage vor seinem 80. Geburtstag, wie eine Sprecherin des Tipi bestätigte.

Theater trauern um mutigen Menschen

Der gebürtige Duisburger prägte über Jahrzehnte die Berliner Kulturszene. Neben der Bar jeder Vernunft, die er 1992 ins Leben rief, eröffnete er zehn Jahre später auch das Tipi am Kanzleramt. Bereits in den 1970er Jahren war Klotzbach an der Gründung des Schwarzen Cafés an der Kantstraße beteiligt, wenig später folgte das Tempodrom.

In den 1980er Jahren gehörte Klotzbach dem Kabarett-Ensemble „Die 3 Tornados“ an, bei dem er als Pianist auf der Bühne stand – sie selbst bezeichneten sich als „Anarcho-Kabarettisten“. Seine Theater würdigten ihn als „beispiellos inspirierender, mutiger Mensch, dessen Beharrlichkeit, Großzügigkeit und Weltoffenheit ihm wie uns viele Türen geöffnet und neue Wege gezeigt haben“.

Vom Zirkus nach Berlin 

Geboren wurde Klotzbach am 30. Januar 1946 in Duisburg. Als linker politischer Aktivist erhielt er nach eigenen Angaben ein Berufsverbot als Lehrer im öffentlichen Dienst und wandte sich anschließend dem Zirkusleben zu. Dort lernte er André Heller kennen und war später in Wien an der Gründung des Circus Roncalli beteiligt. Mit den 3 Tornados trat er bis 1989 auf, bis Günter Thews aus dem Trio an Aids erkrankte und im gleichen Jahr verstarb. 

Das Team der Bar jeder Vernunft und des Tipi bezeichnen ihn als „kreativen und mutigen Menschen, großzügig, weltoffen und tolerant“. Zu den Künstlerinnen und Künstlern, die regelmäßig in seinen Häusern auftraten, zählten unter anderem die Geschwister Pfister und Irmgard Knef. „Seiner Initiative verdanken wir heute zwei wundervolle Theater in dieser Stadt, denen es seit über 30 Jahren gelingt, ohne Subventionen anspruchsvolles und originelles Entertainment zu bieten.“ 

Dabei förderte Klotzbach auch zeitlebens viele homosexuelle und queere Kreative aus Deutschland und der ganzen Welt. In Interviews habe sich Klotzbach selbst indes gerne bescheiden als „Grüßaugust“ bezeichnet. Klotzbach wird auf dem Alten St.-Matthäus-Kirchhof in Berlin-Kreuzberg beerdigt, sein Ehemann und Geschäftspartner Eric Schmidt-Mohan will zusammen mit dem Team beide Theater ganz im Sinne von Klotzbach fortführen.

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