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Ein Neujahrskuss mit Folgen

Ein Neujahrskuss mit Folgen Schwules New York Paar bekommt tausende Nachrichten

ms - 07.01.2026 - 16:00 Uhr
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Ein kurzer Kuss zum Jahreswechsel hat für ein Paar aus New York City unerwartete Aufmerksamkeit ausgelöst und eine breite Debatte über Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Menschen im Sport angestoßen. Der Physiotherapeut und Fitnesscoach Ricky Locci und sein Freund DJ Petrosino wurden an Silvester live im US-Sportfernsehen beim Küssen gezeigt – Bilder, die sich anschließend rasant in den sozialen Netzwerken verbreiteten.

Gemischte Reaktionen 

Auslöser für die virale Verbreitung waren unter anderem die sichtbare Überraschung des ESPN-Moderators Scott Van Pelt sowie Reaktionen sogenannter „Ragebait“-X-Accounts aus dem rechten politischen Spektrum. Für Locci und Petrosino, die seit etwas mehr als einem Jahr ein Paar sind, begann das Jahr 2026 damit auf ungewöhnliche Weise. „Es war eine interessante Mischung an Reaktionen!“, so Locci. „Wir haben viel Unterstützung bekommen. Viele sagten, der Kuss habe ihnen das Herz erwärmt, sie hätten sich sehr für uns gefreut oder sie hätten genau das gebraucht – gerade nach diesem letzten Jahr.“

Locci stammt aus Ohio und arbeitet als Physiotherapeut bei Broadway-Produktionen. Zudem betreibt er das Personal-Training-Unternehmen „Fitting In Fitness“, das sich auf Gesundheit und Wohlbefinden von queeren Menschen konzentriert. Petrosino kommt aus Boston und arbeitet heute im Bereich Interior Design, nachdem er viele Jahre als Schauspieler und Tänzer tätig war.

Ein Kuss geht um die Welt

Der Gang zum Times Square sei kurzfristig entschieden worden, berichten die beiden. Dort habe sie ein Produktionsassistent angesprochen und gefragt, ob sie um Mitternacht küssen würden. „Wir dachten, das würde nur auf den großen Bildschirmen zu sehen sein“, sagte Petrosino. „Wir wussten nicht, dass es im Fernsehen übertragen wird. Wir küssen uns ständig, also hielten wir das nicht für etwas Besonderes.“ Erst später, in einer nahegelegenen Bar, hätten sie die Szene im Fernsehen gesehen – während ihre Telefone bereits mit Nachrichten und Reaktionen überflutet worden seien. 

Am nächsten Morgen kursierten zahlreiche Memes, darunter Vergleiche mit bekannten TV-Formaten und Popkulturreferenzen. Es ist nach 2024 bereits das zweite Mal, dass ein schwuler TV-Kuss an Silvester für hitzige Reaktionen sorgte. „Es ist irgendwie lustig, dass es diese schwule Hockey-Serie gibt und wir viral gehen, weil wir schwul auf einem Sportsender sind“, sagte Petrosino. „Wenn man darüber nachdenkt, ist das alles irgendwie Schicksal.“ Das paar erhielt tausende Nachrichten online. 

Reaktion des Moderators 

Locci betonte, man habe die Reaktionen „mit einer gewissen Gelassenheit“ aufgenommen, sehe aber auch die ernsthafte Dimension der Diskussion. Die Reaktion von Moderator Van Pelt habe er als menschlich empfunden. „Sie sagt viel über die Gesellschaft aus, die wir geschaffen haben – dass er Angst hatte, etwas Falsches zu sagen“, so Locci. „Manche sagen: ‚Oh mein Gott, er ist angewidert!‘ Andere: ‚Er ist aufgeregt!‘ Unsere Interpretation war einfach, dass er überrascht war und nichts Falsches sagen wollte.“

Petrosino verwies darauf, dass insbesondere auf einem Sportsender Zärtlichkeiten ohnehin selten zu sehen seien. „Auf einem Sportsender sieht man ohnehin selten Menschen, die sich küssen – das ist schon überraschend an sich. Und dann kommt noch dazu, dass es zwei Männer sind. Das dreht die Schraube natürlich noch weiter.“ Beide betonen überdies, keinen Groll zu hegen. „Es ist verrückt zu sehen, wie Leute seine Reaktion nehmen und das Schlimmste daraus machen. Aber am Ende interpretieren sie es so, wie sie wollen.“

Coming-Out und Mutmacher

Sowohl Locci als auch Petrosino berichteten von unterschiedlichen Erfahrungen auf ihrem persönlichen Weg. Loccis Familie habe sein Coming-Out unterstützt, er habe jedoch Freunde verloren. „Sie sagten mir, ich käme in die Hölle, und brachen den Kontakt ab“, erinnerte er sich. „Aber meine Familie reagierte großartig, und es war unglaublich befreiend, endlich ich selbst zu sein.“

Petrosino wuchs in Boston auf, besuchte eine katholische Jungenschule und erklärte seinen Eltern Anfang 20 seine Homosexualität. „Meine Mutter – italienisch und aus Boston – war nicht glücklich darüber. Nicht, weil ich schwul bin, sondern weil ich es ihr nicht früher gesagt habe“, sagte er. „Es war ein Weg mit Höhen und Tiefen, aber nichts allzu Dramatisches.“

Der Kuss habe nur wenige Sekunden gedauert, sagen beide, wirke aber bis heute nach. „Queere Menschen gibt es seit Hunderten von Jahren – das ist nichts Neues“, so Petrosino. „Aber ich glaube, es ist wichtig, dass das genau jetzt sichtbar wurde, und wir tragen diese Fackel gerne weiter.“ Und Locci ergänzte: „Geduld ist eine Tugend, und sich selbst zu lieben ist der Schlüssel, um die eigene queere Identität wirklich anzunehmen. Dann kommt auch eine Beziehung wie unsere. Für manche ist es leicht, für andere schwer. Aber das heißt nicht, dass es unerreichbar ist.“

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