Der Meister von Heated Rivalry Ist die schwule Eishockey-Serie "unrealistisch"?
Der kanadische Filmemacher Jacob Tierney hat mit seiner Serienadaption des Romans von Rachel Reid international Aufmerksamkeit erregt. Als „Heated Rivalry“ Ende 2025 bei Crave und HBO Max startete, sorgte die schwule Eishockey-Romanze für große Resonanz – sowohl innerhalb der LGBTIQ+-Community als auch weit darüber hinaus. Nun musste Tierney die Hit-Serie erstmals auch gegen Kritik verteidigen.
Serie mit Seltenheitswert
Die Serie thematisiert Homophobie im Sport, sowohl internalisierte als auch strukturelle, und zeigt schwulen Sex in Szenen, die ebenso leidenschaftlich und explizit wie intim inszeniert sind. Im Zentrum steht jedoch eine Liebesgeschichte mit einem Happy End – eine Form schwuler Erzählung, die seit Russell T Davies’ bahnbrechender Serie „Queer as Folk“ (1999) nur selten mit vergleichbarem Mainstream-Erfolg im Fernsehen zu sehen war.
Seit dem Debüt kletterte „Heated Rivalry“ an die Spitze der Streaming-Charts. In den USA führte die Produktion die meistgesehenen Serien bei HBO Max an, in Großbritannien erreichte sie Platz eins bei NOW. Für Crave ist die sechsteilige Produktion inzwischen die meistgesehene Originalserie der Plattform. Die Zuschauerzahlen steigen weiter, das Publikum umfasst neben schwulen Männern auch heterosexuelle Männer und Frauen. In Deutschland startete die Serie Anfang Februar über HBO Max.
Mega-Erfolg überraschte Filmemacher
Tierney sagte, bei der Ausstrahlung selbst habe er keine Bedenken gehabt. „Beim Versuch, das Projekt zu realisieren, war mir sehr bewusst, dass ich hier einen Felsbrocken einen Hügel hinaufrolle, bis ich die richtigen Leute finde, mit denen ich es machen kann“, erklärte er. Es sei interessant gewesen zu beobachten, wie Entscheidungsträger Gründe gegen ein Projekt nannten, ohne auszusprechen, dass es um eine schwule Geschichte gehe. Den späteren Erfolg habe er nicht erwartet. „Ich habe natürlich nicht erwartet, dass mit ‚Heated Rivalry‘ das passiert, was passiert ist, aber ich dachte zumindest, es hat eine Chance“, sagte Tierney. Er habe gehofft, Teil einer größeren Debatte zu werden, nicht jedoch mit der Intensität gerechnet, mit der die Serie diskutiert werde.
Besonders wichtig seien ihm die Episoden fünf und sechs. „Das Ende von Episode fünf ist mir unglaublich wichtig“, sagte er. Er habe zeigen wollen, „nicht nur Glück, sondern dieses überdrehte Rom-Com-Glück, das man am Ende von Episode fünf erleben darf“. Ebenso bedeutend sei „das stille Glück in Episode sechs“. Visuell setzte Tierney auf eine betont filmische Ästhetik. Er habe gemeinsam mit seinem Kameramann zahlreiche Film-Noirs analysiert. Gerade bei einer Romanze solle alles „so wunderschön wie nur möglich“ erscheinen – vom Hockeyturnier in Saskatchewan bis zu opulenten Hotelsuiten.
Statement zu Traumata
Auch in der Sportwelt fand die Serie Widerhall. Der Sportler Jesse Kortuem outete sich im Januar. Auf die Frage, ob sich weitere ungeoutete Athleten gemeldet hätten, antwortete Tierney knapp: „Ja, das haben sie.“ Der Eishockeyspieler Zach Sullivan, der sich 2020 als bisexuell outete, äußerte ambivalente Gefühle zur Serie. Sie habe alte Traumata wachgerufen, zugleich aber positive Impulse für die Sportgemeinschaft gesetzt. Tierney betonte jetzt dazu, er habe Trauma bewusst nicht in den Mittelpunkt stellen wollen. „Ich habe Trauma ganz bewusst vermieden. Das ist die Idee. Das hier ist eine Liebesgeschichte. Das ist eine Romanze. Ich wollte ein Happy End.“
Er habe nicht damit gerechnet, dass die Serie einen derart spürbaren Einfluss haben würde. „Kein Teil von mir hat sich vorgestellt, dass diese Serie die Wirkung haben würde, die sie jetzt hat“, sagte er. Eine andere Serie könne sich stärker mit den realen Belastungen offen schwuler Profisportler befassen, räumte er ein, doch dies sei nicht sein Ansatz gewesen.
Unrealistische Serie?
Als prägende Werke seiner Jugend nannte Tierney unter anderem „Mein wunderbarer Waschsalon“ von Stephen Frears, Filme von Wong Kar-Wai wie „Happy Together“ sowie Arbeiten von André Téchiné, Gus Van Sant und François Ozon. „Wenn man in den 90er-Jahren als schwuler Junge aufwächst, nimmt man, was man kriegen kann“, sagte er rückblickend.
Kritik, die Serie sei unrealistisch, könne er nachvollziehen, halte sie jedoch für fehlgeleitet. „Ja, natürlich. Sie basiert auf einem Harlequin-Roman“, sagte Tierney. Mehrere Perspektiven könnten zugleich bestehen. Er habe die Geschichte erzählt, die seiner eigenen Schnittmenge entspreche: „Mein Diagramm war schon immer schwul und Hockey.“