Direkt zum Inhalt
Misgender-Verbot

Misgender-Verbot Das Unternehmen des Ex-BILD-Chefredakteurs Reichelt darf die Trans-Journalistin Kluge nicht misgendern!

ms - 07.07.2023 - 11:32 Uhr
Loading audio player...

Die Pressekammer des Landgerichts Frankfurt am Main hat mit heutigem Urteil bestätigt, dass der Rome Medien Verlag von Ex-BILD-Chefredakteur Julian Reichelt die Trans-Journalistin Janka Kluge nicht misgendern darf. Kluge sowie ihr Rechtsanwalt Dr. Jasper Prigge hatten bereits Mitte Juni die grundsätzliche Entscheidung publik gemacht, nun erfolgte heute das offizielle Urteil.  

Stärkung von Trans-Rechten

Rechtsanwalt Prigge betonte dabei, dass mit dem heutigen Beschluss seitens der Richter die Rechte von Trans-Menschen in Deutschland gestärkt worden wären. „Misgendern ist ein Eingriff in Persönlichkeitsrechte. Die bewusst herabsetzende Ansprache mit dem falschen Geschlecht kann gerichtlich untersagt werden. Das Verfahren hat eine große Bedeutung, weil es zeigt, dass sich Betroffene wehren können.“

Dabei betonte Kluges Anwalt auch, dass verbale Angriffe dieser Art auf Trans-Menschen bis heute Alltag seien: „Bewusstes Misgendern ist noch immer alltäglich und es hat große Auswirkungen auf die Betroffenen. Der Kern ihrer Persönlichkeit wird mitunter permanent infrage gestellt. Im Verfahren haben wir wissenschaftliche Studien angeführt, die bestätigen, dass derartige Mikroaggressionen die grundrechtlich geschützte freie Entfaltung der Persönlichkeit beeinträchtigen.“

Unterlassung für weiteren Blogger

Das Landgericht bestätigte mit einem zweiten Urteil auch eine einstweilige Verfügung gegen den Betreiber eines Blogs. Dieser muss somit weiter unterlassen, in einem Artikel über die Journalistin die Überschrift „Totalitär tickende Transe zieht den Schwanz ein“ zu verwenden. Rechtsanwalt Prigge hierzu: „Die Bezeichnung als ´Transe´ ist klar herabwürdigend. Sie steht, wie das Landgericht betont hat, auf einer Stufe mit anderen Schimpfwörtern wie zum Beispiel ´Schwuchtel´. Derartige Angriffe haben in einer demokratischen Auseinandersetzung nichts zu suchen. Gegen Hass im Netz gehen wir konsequent vor.“

Berufungsverfahren sehr wahrscheinlich

Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig. Der Rome Medien Verlag wird gegen das Urteil mit großer Wahrscheinlichkeit Berufung einlegen, sodass der Fall erneut dann vor dem Oberlandesgericht in Frankfurt behandelt werden wird. Kommt das geplante Selbstbestimmungsgesetz 2024, soll bewusstes und verletzendes Misgendern sowie Deadnaming von Trans-Menschen mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro geahndet werden.   

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Ansage von Borja Iglesias

Homphobie im Profifußball

Starkes Statement vom spanischen Fußballprofi Borja Iglesias, der die anhaltende Homophobie im Fußball bedauert: Er wäre lieber schwul als homophob.
Bedrückender HIV-Protest

Särge gegen Trumps HIV-Politik

HIV-Aktivisten protestierten in Washington mit ihrer eigenen, symbolischen Beerdigung gegen Kürzungen bei HIV-Fördermitteln der Trump-Regierung.
Mega-Pride in London

Ausrichtung von World Pride 2032?

London will Ausrichter des World Pride 2032 werden und hat sich nun offiziell für das Mega-Event in sechs Jahren beworben.
Gesetz gegen Toilettennutzung

Fünf Jahre Haft für trans* Menschen

Fünf Jahre Haft für trans* Menschen künftig in Idaho, wenn sie eine Toilette benutzen, die nicht ihrem „biologischen Geschlecht“ entspricht.
Sparkurs bei Psychotherapie

Großes Problem für Community?

Ab April gibt es Kürzung der Psychotherapie-Honorare. Das könnte die Lage weiter verschlechtern, insbesondere für queere Patienten.
Ghanas geplantes Hass-Gesetz

Afrikagipfel verschärft Lage

Der Afrikagipfel im Mai soll das geplante extreme Anti-LGBTIQ+-Gesetz in Ghana weiter vorantreiben. Homosexualität selbst würde dadurch illegal werden
Fußball ohne Politik

Wünsche von Markus Söder

Bitte keine Politik mehr im Fußball! Getreu dem Motto hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder jetzt den DFB vor der Fußball-WM gewarnt.
Prozess um schweren Raub

Schwule von Jugendbande attackiert

Sieben junge Männer zwischen 15 und 20 Jahren sollen Schwule in eine Falle gelockt und ausgeraubt haben. In Frankfurt (Oder) startete nun der Prozess.