Direkt zum Inhalt
Hasskriminalität gegen LGBTI*

Hasskriminalität gegen LGBTI* Über 1.400 Angriffe auf LGBTI*-Menschen im Jahr 2022!

ms - 09.05.2023 - 10:37 Uhr
Loading audio player...

Die Anzahl der Hassverbrechen gegenüber LGBTI*-Menschen ist auch im Jahr 2022 binnen eines Jahres abermals massiv angestiegen. Das Bundesinnenministerium verzeichnete insgesamt 1.422 Straftaten bei den Ursachen-Themenfeldern „sexuelle Orientierung“ (1.005 Straftaten, davon 227 Gewaltdelikte) und „geschlechtliche Diversität“ (417 Straftaten, davon 82 Gewaltdelikte) – das entspricht einer Zunahme von mehr als 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2021. Bereits 2021 waren die Fallzahlen dabei bereits massiv binnen eines Jahres um rund 50 Prozent angestiegen.

Jeden Tag werden LGBTI*-Menschen attackiert!

Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung, Sven Lehmann, erklärt dazu: „Die Zahlen sind erschütternd. Klar ist: Jeden Tag werden LSBTIQ* in Deutschland beleidigt, angegriffen und attackiert. Damit dürfen und werden wir uns nicht abfinden. Ziel der Bundesregierung ist es, Queerfeindlichkeit entgegenzuwirken, LSBTIQ* vor Gewalt, Übergriffen und Anfeindungen zu schützen und Opfer besser zu unterstützen.“ Als einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Situation sieht Lehmann den ressortübergreifenden Aktionsplan der Bundesregierung „Queer leben“ – das Thema „Sicherheit“ ist eins der sechs Handlungsfelder. Laut Lehmann haben Bund, Länder und zivilgesellschaftliche Organisationen bereits damit begonnen, gemeinsam Maßnahmen zu identifizieren und umzusetzen.

Härtere Strafen gegen LGBTI*-Hass

Zudem fordert Lehmann auch, dass der im vergangenen Jahr der Bundesregierung vorgelegte Gesetzesentwurf zügig verabschiedet werden solle, der Hasskriminalität gegen LGBTI*-Menschen verstärkt ahnden will. „Dieses Gesetz muss der Bundestag nun zügig verabschieden. Durch die ausdrückliche Aufnahme ´geschlechtsspezifischer´ sowie ´gegen die sexuelle Orientierung gerichteter´ Motive in die Strafgesetze zu Hasskriminalität werden diese in Gerichtsverfahren eher strafverschärfend einbezogen und damit besser geahndet. Wer Hasstaten gegen LSBTIQ* ausübt, muss mit der vollen Härte des Strafrechts rechnen.“

Innenminister sollen zeitnah handeln

Auf der anstehenden Innenministerkonferenz im Juni dieses Jahres soll im Rahmen des Abschlussberichtes ebenso die Verbesserung der Bekämpfung von Hassverbrechen gegen LGBTI*-Menschen thematisiert werden. „In dem Bericht werden zahlreiche Handlungsempfehlungen an die Innenminister*innen und Innensenator*innen aufgeführt. Die Bundesländer sind hier gefordert, diese in ihre Politik aufzunehmen und die Prävention, Erfassung und Bekämpfung queerfeindlicher Hasskriminalität konsequent weiterzuentwickeln und zu stärken. Denn jeder Mensch hat es verdient, frei, sicher und offen in dieser Gesellschaft leben zu können“, so Lehmann abschließend.

Tatsächliche Fallzahlen deutlich höher

Wie die tatsächlichen Fallzahlen in puncto Hasskriminalität gegenüber Homosexuellen und queeren Menschen aussehen, kann nur vorsichtig geschätzt werden – eine Studie der Europäischen Grundrechteagentur wie auch die Erfahrungswerte von Polizei und queeren Fachverbänden wie beispielsweise dem Lesben- und Schwulenverband Deutschland (LSVD) gehen allerdings von einer hohen Dunkelziffer aus: rund 90 Prozent aller Straftaten werden dabei gar nicht erst zur Anzeige gebracht und damit auch nicht offiziell erfasst. So könnten die tatsächlichen Fallzahlen bei weit über 10.000 Hassverbrechen pro Jahr in der Bundesrepublik liegen.

Ebenso kritisch sehen Experten wie Dr. Stefanie Lünsmann-Schmidt, Mitglied im Bundesvorstand des LSVD, deswegen auch den Anstieg der Fallzahlen generell – es wäre ebenso möglich, dass es nicht zu mehr Übergriffen kommt, sondern nur mehr homosexuelle und queere Opfer aus dem bisherigen Dunkelfeld inzwischen bereit sind, eine Anzeige bei der Polizei aufzugeben. Trotzdem bleibt klar: „Es gibt einfach unfassbar viel Gewalt gegenüber der LGBTI*-Community und wir müssen was tun!“, so Lünsmann-Schmidt.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Neue Statistik von Pornhub

Vorlieben schwuler Jungs online

Eine Auswertung zum Pride Monat 2026 zeigt, welche Kategorien und Suchbegriffe bei schwulen Pornoinhalten weltweit besonders gefragt waren.
"Patriarchat muss brennen"

Kritik an martialischer Sprache

Der Christopher Street Day (CSD) in Freiberg sorgt mit seinem Motto „Farbe bekennen – das Patriarchat muss brennen" für Aufsehen.
Dating-Masche in Indien

Festnahmen nach Erpressung

Ein Mann in Indien soll über eine Dating-App in eine Falle gelockt, misshandelt und anschließend erpresst worden sein.
Bittere Zahlen

WM und der Einsatz für LGBTIQ+

Eine neue Auswertung zeigt: Gerade einmal acht der fast 1.300 Fußballer bei der laufenden WM setzen sich aktiv für LGBTIQ+-Themen ein.
Klage gegen queeren US-Verband

US-Agenda schreitet weiter voran

Die US-Regierung verschärft ihren Kurs gegen Organisationen, die Standards für geschlechtsangleichende Behandlungen entwickeln.
Kasachstan sperrt Webseite

Vorgehen gegen queere Gruppe

Kasachstan hat im Rahmen des neuen Anti-Homosexuellen-Gesetzes eine erste Webseite mit LGBTIQ+-Themen gesperrt.
Erneute Kritik an FIFA

Sind die eigenen Regeln egal?

Der britische Menschenrechtsaktivist Peter Tatchell wirft der FIFA vor, ihre eigenen Antidiskriminierungsregeln nicht konsequent durchzusetzen.
Verbot für Deepfakes

EU votiert für neue KI-Regeln

Die EU verschärft den Kampf gegen missbräuchliche KI-Anwendungen. Die queere Community ist uneins bei der Frage, ob das gut oder schlecht ist.