Direkt zum Inhalt

Neue Wege beim Zurich Pride Vorbildfunktion für deutsche CSDs?

Von ms - 14.02.2023 - 14:00 Uhr
Zurich Pride setzt neue Maßstäbe!
Foto: IMAGO / Geisser
ANZEIGE
Loading audio player...

Ein CSD ohne Sponsoren, ohne Werbung, ohne das Zurschaustellen von politischen Parteien oder dem Pink Washing von Unternehmen? Bereits im letzten Jahr sorgte der CSD in Kassel für Aufsehen, weil die Veranstalter keine Parteiflaggen oder Redebeiträge von Politikern zugelassen hatten. Zurück zu den Wurzeln der Demonstration – ähnliches forderte ebenso im letzten Jahr Peter Tatchell, seines Zeichens einer der berühmtesten britischen LGBTI*-Aktivisten der ersten Stunde. In diesem Jahr nun wagt der Pride in Zürich neue Schritte und hat jetzt deutlich strengere Regeln für bestehende und neue Sponsoren angekündigt – eine Vorbildfunktion auch für die CSD-Saison 2023 in Deutschland?

Das Ende des Pink Washings?

Ein Kernziel der neuen Richtlinien beim Zurich Pride im Juni 2023 ist es dabei, dass sogenannte Pink Washing zu vermeiden, sprich, Unternehmen die Möglichkeit zu geben, ihr Image positiv aufzubessern, während sie ansonsten oftmals das restliche Jahr über sehr wenig oder gar nichts für die LGBTI*-Community machen. Ein grundsätzliches Dilemma, welches allerdings zuletzt immer wieder und vermehrt auch in der Community für hitzige Debatten gesorgt hatte.

In Zürich müssen Werbepartner jetzt entweder ein anerkanntes Zertifikat vorweisen – beispielsweise das sogenannte Swiss LGBTI*-Label – , das  ihr langjähriges Engagement bestätigt, oder sie müssen firmeninterne Aktivitäten und Langzeitprojekte gezielt für die LGBTI*-Community vorweisen können. Wichtig, so das Team aus Zürich, sei dabei, dass bereits vorab und transparent damit umgegangen werde. Wer sich zu wenig oder nur punktuell einmal im Jahr für die Community einsetzt, darf künftig nicht mehr beim größten CSD der Schweiz mitmachen.

Viel Einsatz von Firmen gefordert

Die Zertifikate wie das Swiss LGBTI*-Label sind dabei nicht einfach zu bekommen. Dahinter stecken zwei LGBTI*-Business-Gruppen in Zusammenarbeit mit mehreren Non-Profit-Organisationen und Vereinen aus der LGBTI*-Community. Um das Label zu erhalten, müssen Firmen zahlreiche Bedienungen erfüllen, beispielsweise braucht es firmeninterne Richtlinien zum Schutz vor Diskriminierung, anonyme Meldestellen und Umfragen, finanzielle Unterstützung für LGBTI*-Projekte und ein Netzwerk für Schwule, Lesben und queere Menschen. Online muss sich das entsprechende Unternehmen sichtbar für LGBTI* und Diversität einsetzen – und das ganzjährig und erkennbar ernsthaft. Es muss zudem auch eine Ansprechperson im Unternehmen geben, die nur für alle LGBTI*-Mitarbeiter zuständig ist und im Falle von Problemen vermittelnd eingreifen kann. Wert wird auch auf eine geschlechtsneutrale Sprache in der Firmenstruktur gelegt. Bleibt die Frage offen: Wann ziehen die CSD-Veranstalter in Deutschland nach?

Anzeige

Auch Interessant

Messerangriff vor Bussi Bar

Zwei Helfer schwer verletzt

Vor der queerfreundlichen Bussi Bar in Berlin wurden zwei Helfer mit einem Messer verletzt. Zuvor hatte ein Trio eine Mitarbeiterin angegriffen.
Schwuler Vater kann aufatmen

Keine Anklage nach viralem Schlag

Nach der Konfrontation mit einem rechten Streamer wird David Vulin nicht angeklagt. Der schwule Vater hat eine Vereinbarung mit der Justiz erfüllt.
Queerfeindlicher Hass an der FU

Hakenkreuze nach Flaggen-Attacke

Pride-Flagge abgerissen, Hakenkreuze entdeckt: Die FU Berlin verurteilt Angriffe am Institut für Theaterwissenschaft. Die Polizei ermittelt.
Lara Heubeck lebt offen

DSC-Kommentatorin macht Mut

Lara Heubeck spricht über ihr Leben als trans Frau. Die Kommentatorin des Deggendorfer SC berichtet von großer Unterstützung nach ihrem Coming-out.
Solidarität mit Casa Kuà

Hunderte protestieren nach Razzia

Rund 500 Menschen demonstrieren in Berlin für trans* Gesundheitsversorgung. Nach der Razzia im Casa Kuà wächst der Protest gegen den Polizeieinsatz.
Schwules Paar getötet

60 Jahre Haft für Ex-Polizeichef

Polizisten töteten Eldin und Milton in Guatemala. Zwei Täter erhalten je 60 Jahre Haft. Tonaufnahmen halfen, das Verbrechen aufzuklären.
Heated Rivalry im Kino

Romanze auf großer Leinwand

„Heated Rivalry“ kommt im November in britische und US-Kinos. Zugleich erscheint ein weiterer Film mit Hauptdarsteller Connor Storrie.
Letzte Küsse in der Kutsche

Romantik auf Abschiedstour

New York hat das Ende der Pferdekutschen im Central Park beschlossen. Für schwule Paare verschwindet damit ein besonders romantisches Erlebnis.
Schwuler Volleyballstar

Japan erlebt einen Wandel

Japans Volleyballprofi Rui Takahashi spricht über sein Coming-Out, die Angst vor dem Karriereende und die Unterstützung seines Bruders Ran.