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Schwuler Schauspieler stellt sich gegen Richtlinien
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Ian McKellen gegen Wokeness im Film Wer darf künftig noch schwule Rollen spielen und wer nicht?

ms - 29.09.2022 - 14:00 Uhr
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Als Amazon Prime in diesem Frühjahr erklärte und bekräftigte, dass der Streaming-Dienst bei seinen künftigen Film- und Serienproduktionen nur noch solche Darsteller engagieren wolle, die auch mit der Lebensrealität der Rolle übereinstimmten, sorgte dies medial für viel Erheiterung. Amazon wollte damit vor allem die Position von LGBTI*-Menschen kräftigen und verstärkt homosexuelle oder queere Menschen für homosexuelle oder queere Rollen einsetzen. Auch im deutschen Kulturbetrieb löste das neue Credo aber jenseits der ursprünglichen Intension viel Diskussionsstoff aus, denn was auf einen ersten Blick vielleicht als positives Statement für mehr Chancengleichheit wahrgenommen werden könnte, entpuppte sich immer mehr als Rohrkrepierer. Wie sieht es denn dann mit Charakteren in Filmen aus, die fiktiv sind? Welche Erfahrungen muss ein Darsteller künftig mitbringen, um Vampire, Ritter, Elfen oder Hobbits spielen zu können? Dürfen alle Mörder nur noch von Alec Baldwin verkörpert werden, der letztes Jahr versehentlich durch einen, mit scharfer Munition bestückten Revolver eine Kamerafrau bei Dreharbeiten erschossen hat?

Für eine lautstarke Gruppe von Aktivisten sind die neuen Richtlinien allerdings trotzdem weiterhin das Maß aller Dinge, weswegen sich auch zuletzt Tom Hanks im Sommer dieses Jahres genötigt sah zu erklären, dass er inzwischen eine Rolle wie die des HIV-positiven Anwalts in “Philadelphia“ nicht mehr spielen würde. Die Zuschauer würden heutzutage die “fehlende Authentizität eines Heteros, der einen Schwulen spielt“ nicht mehr akzeptieren, so Hanks, der für die Darstellung des AIDS-kranken Mannes, der für Gleichberechtigung vor Gericht kämpft, einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewonnen hatte.

Nun meldet sich eine andere Hollywood-Größe zu Wort und widerspricht den woken neuen Richtlinien in Film und Fernsehen vehement – die Rede ist von Sir Ian McKellen, bekannt aus den X-Men-Filmen (Magneto) und der Herr der Ringe-Saga (Gandalf). McKellen, selbst offen homosexuell, war zu einer Gesprächsrunde anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Holocaust-Films “Bent“ nach London eingeladen. Die Geschichte, ursprünglich ein Theaterstück mit McKellen in der Hauptrolle, handelt von einer Gruppe schwuler Männer, die versuchen, der Verfolgung in Nazi-Deutschland zu entkommen, bevor sie ins Konzentrationslager Dachau geschickt werden. Eine der schwulen Rollen wird dabei von dem heterosexuellen Darsteller Clive Owen verkörpert. McKellen dazu: "Zur Klarstellung: An dieser Darbietung ist nichts auszusetzen - für diejenigen unter Ihnen, die denken, dass nur Schwule schwule Rollen spielen dürfen." Im weiteren Verlauf des Gesprächs bekräftigte der Brite, dass die Geschichte eines Films im Mittelpunkt stehen müsse, nicht die Sexualität der Darsteller. McKellen engagiert sich seit vielen Jahren für die Rechte der LGBTI*-Community, im Jahr 2006 erhielt er für sein Engagement und sein Lebenswerk auf der Berlinale den Goldenen Ehrenbären. Die Zeitung Independent listet McKellen als einen der einflussreichsten lebenden Homosexuellen weltweit auf.

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