Affenpocken: Epizentrum ist Berlin Über 50 Prozent der Fälle in der Hauptstadt
Die Deutsche Aidshilfe bestätigte jetzt offiziell, dass die meisten, derzeit mit den Affenpocken (MPXV) infizierten Menschen aus Berlin kommen. Weitere Erkrankungen wurden zudem in Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt festgestellt. Stand Ende letzter Woche vermeldete das Robert-Koch-Institut (RKI) insgesamt 65 Fälle – mehr als die Hälfte davon allein in Berlin. In ganz Europa gibt es laut der europäischen Gesundheitsbehörde ECDC rund 440 Fälle von MPXV-Infektionen in 18 europäischen Ländern. Weitere rund 290 Fälle wurden außerhalb Europas sowie des Ursprungslands Afrika noch in den USA, Kanada und Thailand festgestellt.
LGBTI*-Organisationen wie auch das RKI warnen vor einer Stigmatisierung von homo- und bisexuellen Menschen, trotzdem muss laut der Deutschen Aidshilfe aktuell festgehalten werden: „Wie auch in den anderen Ländern außerhalb Afrikas betreffen die Affenpocken (MPX) in Deutschland zurzeit vor allem schwule und bisexuelle Männer. Bisher wurde der Erreger hierzulande ausnahmslos bei Männern nachgewiesen, bei vielen liegt zudem die Information vor, dass sie Sex mit Männern hatten. Wie das Virus in die schwule Community gelangt ist, ist noch nicht geklärt.“
Grundsätzlich können Affenpocken jeden treffen, der Virus ist durch engen Körperkontakt übertragbar, somit auch durch sexuelle Kontakte. Laut RKI soll es bereits im April erste Fälle gegeben haben, weltweit aufmerksam wurden Mediziner allerdings erst nach der Ausbreitung der Virus-Infektion unter größtenteils schwulen Männern in London im Mai dieses Jahres. Somit ist klar, dass es bereits vor den ersten offiziellen Warnungen zur Verbreitung gekommen ist, trotzdem dürfte es laut der Deutschen Aidshilfe auf dem Maspalomas Pride auf Gran Canaria sowie dem Darklands-Fetisch-Festival in Antwerpen zu “zahlreichen Übertragungen“ gekommen sein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO blickt mit Sorge auf die kommenden CSD- und Pride-Veranstaltungen in den nächsten drei Monaten und warnt vor einer weiteren Ausbreitung.
Alle offiziellen Behörden wie auch das Gesundheitsministerium erklärten mehrfach, dass die Lage zwar besorgniserregend sei, es aber zu keiner neuen Pandemie wie bei Covid-19 kommen werde. Die Deutsche Aidshilfe fasst die aktuelle Situation so zusammen: „Der Ausbruch der Affenpocken in immer mehr Ländern ist ungewöhnlich. Die Ursachen sind noch nicht geklärt. Fakt ist: Diese Erkrankung ist bisher in Europa kaum vorgekommen. Wenn Menschen sich auf einer Reise infiziert hatten, dann hat sich die Krankheit nicht weiterverbreitet. Das ist nun offenbar anders. Es besteht ganz sicher kein Grund zur Panik. Die Fallzahlen sind insgesamt noch gering, das Risiko einer Infektion ist nicht besonders hoch. Die Krankheit kann zwar sehr unangenehm sein, heilt aber meistens von alleine aus. Wir empfehlen, sich gut zu informieren und bei Krankheitsanzeichen besonders aufmerksam zu sein“, so Holger Wicht, Sprecher der Deutschen Aidshilfe.
Auch das RKI rief abermals zu erhöhter Wachsamkeit auf: Insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, sollten sich bei Hautveränderungen wie Pusteln oder Knötchen ärztlich untersuchen lassen. Eine Impfung für Menschen mit besonders hohem Risiko wie in Großbritannien bereits angewandt, könnte noch im Juni auch in Deutschland zur Verfügung stehen. Das Bundesgesundheitsministerium hat 240.000 Dosen des Impfstoffs Imvanex bestellt, die ersten 40.000 Einheiten sollen dabei bis Mitte Juni verfügbar sein und über die Bundesländer verteilt werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) arbeitet an einer Impfempfehlung. Imvanex ist in den USA bereits gegen MPXV zugelassen, in Europa bisher nicht. Mit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission könnte das Vakzin trotzdem zeitnah zum Einsatz kommen. Für eine vollständige Impfung sind zwei Einzeldosen erforderlich.
„Im Gespräch ist dabei unter anderem, eine Impfung von Menschen, die Kontakt mit infizierten Personen haben oder kürzlich hatten. Die Reaktion des Immunsystems nach einer solchen Impfung kann eine Infektion sowie weitere Übertragungen unter Umständen noch verhindern beziehungsweise den Krankheitsverlauf mildern. Zuerst geimpft werden könnten außerdem schwule und bisexuelle Männer mit vielen engen Kontakten sowie Mitarbeiter im Gesundheitswesen, die mit MPXV-infizierten Patienten in Kontakt kommen“, so die Deutsche Aidshilfe weiter. Wem genau allerdings eine Impfung empfohlen werden soll, wird zurzeit noch diskutiert.