Neue US-Studie Angst und Depressionen sind für die meisten US-Queers Alltag
Das Trevor Project, eine US-Organisation zur Suizidprävention und Krisenintervention für LGBTI*-Jugendliche und junge Erwachsene, veröffentlichte jetzt die neusten Ergebnisse ihrer jährlichen, landesweiten Umfrage zur psychischen Gesundheit von LGBTI*-Jugendlichen.
Die aktuellen Zahlen sind dabei schockierend – rund die Hälfte (45 Prozent) der jungen LGBTI*-Amerikaner hat im letzten Jahr an Selbstmord gedacht. Jeder zehnte queere Jugendliche hat auch tatsächlich einen Suizidversuch unternommen – bei den nicht-binären Jugendlichen sind es sogar doppelt so viele.
Amit Paley, Geschäftsführer des Trevor Project, dazu: „Unsere Studie zeigt eindeutig, dass die Selbstmordgedanken bei LGBTI*-Jugendlichen in den letzten Jahren tendenziell zugenommen haben. Die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie und der unerbittlichen politischen Angriffe während dieses Zeitraums dürfen dabei nicht unterschätzt werden.“
Die Umfrage belegt dabei sehr deutlich, dass die steigende Zahl von amerikanischen Anti-LGBTI*-Gesetzen sowie die Versuche, queere Jugendliche auch gesellschaftlich immer mehr an den Rand zu drängen, schreckliche Auswirkungen auf die psychische Gesundheit junger Menschen in den USA hat. Drei von vier LGBTI*-Jugendlichen leiden unter Angstsymptomen, rund 60 Prozent haben Depressionen. Fast alle trans- und nicht-binären Jugendlichen (93 Prozent) machen sich Sorgen über Verbote im Gesundheitswesen.
Verständlich, dass sich so auch eine große Mehrheit von 82 Prozent aller LGBTI*-Jugendlichen in Amerika eine psychologische Betreuung wünschen, ein Großteil von ihnen hat allerdings aus Angst vor den Eltern, eigenen Hemmungen oder dem Fehlen eines ortsnahen Angebotes bisher keine psychologischen Leistungen in Anspruch genommen.
Verstärkt werden die Bedenken zudem noch bei queeren Jugendlichen mit einem nicht-amerikanischen kulturellen Hintergrund.
Im Rahmen der Studie wurden rund 34.000 LGBTI*-Jugendliche in den USA befragt. Das Fazit von CEO Paley ist dabei eindeutig: „Queere junge Menschen sind eine Randgruppe, bei der durchweg ein deutlich erhöhtes Suizidrisiko festgestellt wurde, weil sie in der Gesellschaft schlecht behandelt und stigmatisiert werden!"
Sowohl das Team des Trevor Projects wie auch andere LGBTI*-Organisationen aus Amerika befürchten, dass sich dieser Negativ-Trend mit den fortlaufenden, politischen wie gesellschaftlichen Angriffen auf die LGBTI*-Community weiter fortsetzen wird.
Hier gibt es Hilfe
Die Berichterstattung über Suizid ist ein überaus sensibles Thema. Wir möchten es in KEINSTER Weise glorifizieren oder romantisieren. Viele Menschen die durch Suizid sterben, leiden an einer psychischen Erkrankung. Wenn es dir nicht gut geht oder du daran denkst, dir das Leben zu nehmen, versuche mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst.
Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.
Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de