Spanien reagiert auf LGBTI*-Verbrechen Zuletzt erschütterte Mord an 24-jährigen Schwulen das Land
Die LGBTI*-Gleichstellungsministerin Spaniens, Irene Montero, hat jetzt auf eine Reihe von queerfeindlichen Hassverbrechen reagiert, die in den letzten Monaten in Spanien für Gesprächsstoff sorgten. Zuletzt erschütterte dabei vor allem der Totschlag eines 24-jährigen Schwulen im Sommer 2021 ganz Spanien. Der junge Krankenpfleger Samuel Luiz telefonierte nachts vor einem Club im Nordwesten Spaniens mit einer Freundin, als ein heterosexuelles Paar vorbeiging und dachte, Luiz würde sie filmen. Obwohl er dies nachweislich nicht tat und dies auch erklärte, prügelten sie auf den jungen Mann ein, bis dieser zu Boden ging. Während Luiz verletzt am Boden weiter Richtung Hafen kroch, kam das Paar mit einer befreundeten Meute von rund einem Dutzend Menschen zurück, die ihn fortwährend als “Scheiß-Schwuchtel“ beschimpften und über eine Distanz von 150 Metern auf ihn mit Füßen eintraten und mit Fäusten einschlugen. Ein älterer Mann kam dem bewusstlosen Luiz schlussendlich zur Hilfe und alarmierte den Rettungsdienst, der erst eineinhalb Stunden später eintraf. Im Krankenhaus erlag der 24-jährige dann seinen schweren Verletzungen.
In ganz Spanien war es daraufhin 2021 zu zahlreichen Demonstrationen gekommen, mehrere 10.000 Menschen gingen in zahlreichen Städten auf die Straße und protestierten gegen Hassverbrechen gegenüber LGBTI*-Menschen. Der so offensichtliche Hass erschreckte auch zahlreiche Politiker Spaniens. Auf Samuels Handy hatte seine gute Freundin mithören müssen, wie die Meute schrie: „Wir töten dich, weil du schwul bist!“ Spaniens Ministerpräsident Pedro Sanchez stellte kurz darauf klar: "Spanien wird das nicht tolerieren!“ Kurz darauf verhaftete die Polizei insgesamt sechs Personen, fünf davon befinden sich in Untersuchungshaft. Keiner der Angreifer kannte Luiz vor dem Vorfall. Die Ergebnisse der Autopsie deuten darauf hin, dass der Krankenpfleger an einem Trauma durch einen Tritt gegen den Kopf gestorben ist. Sechs bis zehn Menschen sollen für die tödlichen Schläge verantwortlich gewesen sein.
Der Fall des Samuel Luiz war dabei 2021 das drastischste Hassverbrechen gegenüber eines Homosexuellen, generell gehen aber auch in Spanien ähnlich wie in anderen Ländern Europas die Zahl der Übergriffe ganz allgemein nach oben – in Deutschland allein stiegen die Übergriffe zuletzt binnen eines Jahres um rund 50 Prozent an. Während juristisch noch ermittelt wird, will Gleichstellungsministerin Montero nun mit einer kostenlosen 24-Stunden-Notfall-Hotline in einer ersten Maßnahme diesen Entwicklungen entgegentreten.
Das sogenannte Rainbow Phone soll (auch psychologische) Hilfestellungen geben, für Notfälle bereitstehen und ein breites informatives Angebot für queere Menschen in verschiedenen Sprachen bereitstellen. Geplant ist aktuell, dass die Hotline bereits im Juni oder Juli pünktlich zum Start der Pride-Saison angeboten werden kann. Montero betonte dabei, dass das Rainbow Phone vor allem auch jungen queeren Menschen auf dem Land helfen soll. Wie in vielen Ländern existiert auch in Spanien ein Stadt-Land-Gefälle in puncto Aufgeschlossenheit und Akzeptanz von LGBTI*. Wichtig sei dabei auch, so die Ministerin weiter, lokale queere Communitys aktiv mit einzubinden, die noch spezieller und gezielter vor Ort mit Rat und Tat zur Seite stehen könnten. Der Riss in der Gesellschaft wird dabei immer extremer, während noch 2021 Spanien zu den führenden Ländern Europas gehörte, in denen sich homosexuelle Jugendliche problemlos in der Familie outen können (91 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung, YouGov International), radikalisiert der ablehnende Teil der Bevölkerung seinen Hass gegenüber LGBTI* immer mehr.