Großstreik bei Disney Aussagen von CEO Bob Chapek der Anlass
Am Dienstag wollen LGBTI*- und queerfreundliche Mitarbeiter von Disney gemeinsam aus Protest gegen das „Don't Say Gay"-Gesetz ihre Arbeit niederlegen. Dabei soll es zu großen Streiks sowohl im betroffenen Bundesstaat Florida wie auch in Kalifornien kommen, womit die Protestaktionen gegen den Mickey-Mouse-Konzern ihren Höhepunkt erreichen werden.
Hintergrund sind die Aussagen von CEO Bob Chapek, der trotz des mächtigen Einflusses des Konzerns auf die Politik des Bundesstaats viel zu lange schwieg und sich nicht gegen das queerfeindliche Gesetz aussprach, das LGBTI*-Themen unter Strafandrohung aus allen Grundschulen dauerhaft verbannen soll.
Erst spät und auf massiven Druck meldete sich Chapek zu Wort, wich dabei der Thematik erst halbherzig aus und gab schlussendlich ein eher nichtssagendes Statement von sich. So erklärten LGBTI*-Mitarbeiter des Disney-Konzerns gegenüber NBC News:
„Die Erklärungen der Disney-Führung über die Gesetzgebung in Florida werden dem Ausmaß der Bedrohung für die Sicherheit von LGBTI* durch diese Gesetzgebung überhaupt nicht gerecht.“
Zudem für Negativ-Schlagzeilen hatte die Tatsache geführt, dass hinter den Kulissen Vertreter aus dem Hause Disney die konservative Linie des republikanischen Gouverneurs und seines Gesetzvorhabens finanziell unterstützt hatten. Auch Chapeks späte Reue konnte die Wogen nicht glätten: "Ich habe in diesem Fall das Ziel verfehlt, aber ich bin ein Verbündeter, auf den ihr zählen könnt - und ich werde mich offen für den Schutz, die Sichtbarkeit und die Chancen einsetzen, die die LGBTI*-Community verdient."
Tatsächlich scheint der Einfluss von Disney eine der letzten realistischen Chancen zu sein, das Gesetz tatsächlich noch zu verhindern. Der Gesetzestext passierte bereits Senat und Repräsentantenhaus in Florida und liegt unterschriftsreif bei Gouverneur Ron DeSantis, der ein großer Freund des geplanten Gesetzes ist.
Der Einfluss von Walt Disney World dürfte trotzdem nicht unterschätzt werden, das Unternehmen ist der größte private Arbeitgeber des Bundesstaates mit mehr als 75.000 Mitarbeitern. Zudem zeigte sich Disney auch stets finanziell äußerst spendabel gegenüber der Regierung Floridas.
Auch Präsident Joe Biden und weitere Vertreter der Regierung hatten sich öffentlich mit scharfen Worten gegen das Gesetzesvorhaben gestellt und trafen sich zuletzt Ende dieser Woche mit LGBTI*-Schülern aus Florida. Dabei bekräftigte auch Bildungsminister Miguel Cardona die Unterstützung der Regierung für LGBTI*-Jugendliche und ihre Familien:
"Gesetze im ganzen Land, auch in Florida, haben einige unserer schwächsten Schüler und Familien ins Visier genommen und versuchen, sie zu schikanieren und unsere Schulen zu spalten. Meine Botschaft an Sie ist, dass diese Regierung Mobbing oder Diskriminierung jeglicher Art nicht dulden wird, und wir werden all unsere Befugnisse nutzen, um LGBTI*-Schüler zu schützen und zu unterstützen."