Missbrauchsrisiken eindämmen Verhaltenskodex für Mitarbeitende im Schweizer Bistum Chur
Das Bistum Chur liegt im Osten der Schweiz. Es umfasst unter anderem die Kantone Graubünden, Schwyz und Zürich. Dessen Bischof Bonnemain (73) will im April einen „Verhaltenskodex zum Umgang mit Macht“ verabschieden.
Richtlinien gegen Missbrauch
In jüngerer Zeit erschütterten zahlreiche Missbrauchsfälle die römisch-katholische Kirche – Kritik hagelte es vor allem wegen deren mangelhafter Aufarbeitung. Nicht zuletzt deswegen wenden sich immer mehr Menschen von der Kirche ab. Um dem entgegenzuwirken, arbeitete das Bistum Chur nun erstmals einen Verhaltenskodex für alle Personen aus, die in der Kirche tätig sind. Das Ziel: Missbrauchsrisiken so weit wie möglich reduzieren.
Potenzial zur Zeitwende
Der Kodex gibt laut Blick unter anderem vor, wie Mitarbeitende sich gegenüber Minderjährigen zu verhalten haben. So ist es beispielsweise verboten, dass Erwachsene und Kinder im selben Zelt schlafen. Ebenso ist es nicht gestattet, Minderjährige zu sich nach Hause einzuladen. Besonders erwähnt sind auch „intime Begegnungen (zum Beispiel Saunabesuche, Wellness, Massagen) in Abhängigkeitsverhältnissen“, die ebenfalls „nicht zulässig“ sind. Im Gegenzug verbietet der Bischof es explizit, dass Mitarbeitende nach ihrem Sexualleben und Beziehungsstatus ausgefragt werden. Religionsexperte Raphael Rauch (36) spricht dem Verhaltenskodex „das Potenzial für eine Zeitenwende innerhalb der römisch-katholischen Kirche“ zu – denn damit werde es unwichtig, ob Seelsorgende LGBTI*, geschieden oder wieder verheiratet sind.