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LGBTI*-Aktivisten kämpfen Russland bombardiert ununterbrochen queere Hochburg Charkiw

Von ms - 07.03.2022 - 08:53 Uhr
Russland bombardiert ununterbrochen queere Hochburg Charkiw// © IMAGO / ITAR-TASS
Foto: Russland bombardiert ununterbrochen queere Hochburg Charkiw// © IMAGO / ITAR-TASS
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Während in der Ukraine die Kampfbereitschaft der LGBTI*-Menschen von Tag zu Tag weiter ansteigt, erfahren bereits geflüchtete queere Ukrainer eine gigantische Welle der Hilfsbereitschaft in Deutschland.

Ein Überblick: In der ukrainischen Stadt Charkiw kam es die letzten Tage immer wieder zu Kampfhandlungen zwischen queeren Menschen und russischen Soldaten – bis dato obsiegten dabei wohl zumeist LGBTI*-Personen. So kam es in der Großstadt in einem Wohngebäude zu einer Prügelei, als russische Soldaten versuchten, dort einzudringen.

Die Kampfbereitschaft dokumentiert unter anderem Viktor Pylypenko, er war der erste offen schwule Soldat der ukrainischen Armee. Eigentlich ist der 35-jährige Mann bereits Veteran, doch angesichts der jetzigen Situation hat er abermals zur Waffe gegriffen und kämpft an vorderster Front mit, wie er der israelischen Zeitung Israel Hayom berichtet hat:

“Wir kämpfen gegen einen tyrannischen, homophoben Feind. Das ist unser Krieg, jener der Ukrainer, aber wir kämpfen auch als LGBTI*-Personen, und ich bin mir sicher, dass das die Kameraden in Charkiw auch verstehen.” In der zweitgrößten Stadt der Ukraine ist die Lage aktuell besonders dramatisch, sie wird laut Bürgermeister Ihor Terechow ununterbrochen bombardiert. Charkiw ist eines der wenigen LGBTI*-Hochburgen des Landes, ehemals eine junge Stadt mit 13 Hochschulen und vielen Studenten aus der ganzen Welt. Die deutschen Partnerstädte der 1,5 Millionen-Metropole sind Berlin und Nürnberg. Gegenüber der Zeitung Die Welt betonte der Bürgermeister Terechow: „Ich kann nur sagen, dass sehr viele Menschen hier getötet und verwundet werden, und dass es sich hier um friedliche Bürger handelt, die in ihrem eigenen Land leben und einfach nur ihre Ruhe haben wollen.“

 

Trotz der großen Gefahr greifen LGBTI*-Menschen auch anderweitig zu den Waffen, wie auch die queere Aktivistin Veronika Limina dem Magazin The Daily Beast erzählte.

Die junge Frau bildet andere queere Menschen in den Grundtechniken im Kampf sowie in Erster Hilfe aus. Andrii Krawchuk von der LGBTI*-Organisation Nash Svit Center bringt es folgendermaßen auf den Punkt: “Wir haben jetzt zwei Möglichkeiten: Entweder verteidigen wir unser Land und es wird Teil der freien Welt, oder es wird keine Freiheit und keine Ukraine mehr geben.“

Derweil ist die Hilfsbereitschaft für bereits geflüchtete queere Menschen enorm. Besonders in Berlin und München arbeiten zahlreiche ukrainische und LGBTI*-Organisationen tagtäglich daran, queeren Ukrainern zu helfen, queer-freundliche Unterkünfte zu finden und stehen ihnen auch anderweitig mit Rat und Tat zur Seite.

Allein beim Bündnis Queere Nothilfe Ukraine arbeiten aktuell rund 50 Menschen aus mehreren LGBTI*-Organisationen. Aktuelle Schätzungen gehen von mindestens 100.000 LGBTI*-Flüchtlingen aus der Ukraine aus, die in den nächsten Wochen ins restliche Europa kommen werden. International organisieren sich ebenso queere Vereine und versuchen gerade in Ländern wie Polen, Rumänien und Ungarn direkt Hilfe vor Ort anzubieten, so beispielsweise die Organisation Forbidden Colours.

Einen Überblick, wie man gezielt mit Spenden oder anderweitigen Aktionen queeren Ukrainern helfen kann sowie beispielsweise auch die rechtliche Situation bezüglich Asylangebote ist, stellt auch der LSVD zur Verfügung. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, eine Petition von ALL OUT zu unterschreiben:

„Wir fordern die Bundesregierung auf, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um gefährdeten Menschen aus der Ukraine mit oder ohne ukrainischer Staatsangehörigkeit, besonders LGBTI*, die in die EU beziehungsweise nach Deutschland flüchten wollen, Schutz zu gewähren. Gesellschaftlich diskriminierte Minderheiten wie LGBTI* waren bereits vor dem Angriff besonders prekarisiert, und sind jetzt noch mehr gefährdet. Wir fürchten um die Sicherheit und das Leben von LGBTI*-Menschenrechtsaktivisten vor Ort. Zusätzlich sorgen wir uns auch um die Menschenrechtssituation von geflüchteten LGBTI* aus der Ukraine in den Ländern Mitteleuropas. Die größte Fluchtbewegung ist nach Polen, Ungarn und Rumänien zu erwarten. Dort erleben Geflüchtete allgemein, und besonders schutzbedürftige Minderheiten nochmal verstärkt, Mehrfachdiskriminierung.“

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