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TikTok unter Druck Echte Veränderung oder Pink-Washing bei TikTok?

Von ms - 09.02.2022 - 12:30 Uhr
Echte Veränderung oder Pink-Washing bei TikTok?
Foto: © 5./15 WEST
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Es klingt erst einmal nach guten Nachrichten: Der chinesische Social-Media-Gigant TikTok hat seine Community-Richtlinien aktualisiert und will sich damit anscheinend für die LGBTI*-Community einsetzen. Damit soll nach Angaben des Unternehmens mehr Klarheit entstehen, welche Arten von hasserfüllten Ideologien auf ihrer Plattform verboten sind.

Im Konkreten geht es dabei an erster Stelle um das Deadnaming, also das Verwenden des alten Namens einer trans-Person. Auch die Nutzung des falschen Pronomens für einen trans-Menschen ist verboten. Zu guter Letzt soll auch jede Werbung für Konversionstherapien nicht mehr erlaubt sein. TikTok betont dabei, dass das Unternehmen sich schon seit langer Zeit gegen LGBTI*-feindliche Denkweisen einsetzen würde, wie in dieser Woche noch einmal Cormac Keenan, der Leiter für Vertrauen und Sicherheit des Unternehmens in einem Statement bekräftigte:  "Obwohl diese Ideologien seit langem auf TikTok verboten sind, haben wir von Aktivisten und zivilgesellschaftlichen Organisationen gehört, dass es wichtig ist, in unseren Community-Richtlinien explizit zu sein. Darüber hinaus hoffen wir, dass unsere neue Funktion, die es den Nutzern ermöglicht, ihre Pronomen hinzuzufügen, einen respektvollen und inklusiven Dialog auf unserer Plattform fördern wird."

Also alles wunderbar bei TikTok? Der offizielle Gesinnungswechsel darf angesichts der Tatsache, dass das Unternehmen direkt den chinesischen Behörden unterstellt ist, angezweifelt werden. So erfolgte die jetzige Aktualisierung weniger aus eigener Einsicht, sondern mehr auf massiven Druck von LGBTI*-Organisationen wie GLAAD und UltraViolet. In ihrem veröffentlichten Sicherheits-Guide für Social-Media-Unternehmen stuften die beiden gemeinnützigen Organisationen TikTok noch 2021 als „sehr unsicher für LGBTI*-Nutzer“ ein. Untermauert worden war das Statement in einem offenen Brief von UltraViolet, den mehr als 75 nationale queere Gruppen unterzeichnet hatten. Darin wurde TikTok aufgefordert, sich für besseren Schutz für LGBTI*-Menschen, Frauen und farbige Mitbürger einzusetzen.

© Teraphim
© Teraphim

TikTok selbst geriet gerade mit Hinblick auf queere Lebensweisen immer wieder massiv in die Kritik. So wurden in der Vergangenheit nicht genehme Inhalte herabgestuft und unterdrückt – das ging von politischen Statements bis hin zu Veröffentlichungen, die Menschenrechte thematisierten. Posts mit Hashtags wie #schwul, #lesbisch oder #transgender wurden konsequent getilgt, zudem wurden Videos von queeren und behinderten Menschen so codiert, dass sie wenige Zugriffszahlen bekamen. Nichtsdestotrotz gehört TikTok gerade für junge Menschen bis 19 Jahren zu den wichtigsten Plattformen im Internet – das chinesische Unternehmen ist aktuell unter den Top-5 noch vor Facebook, Twitter oder Snapchat. Binnen eines Jahres konnte TikTok bei den Jugendlichen einen Zuwachs um 13 Prozent erreichen, so die aktuelle JIM-Studie 2021. Für das Unternehmen ist es also durchaus sinnvoll, auf „Kuschelkurs“ mit jungen und gerade auch queeren Menschen und Influencern zu gehen. Da sich die grundsätzlichen Einstellungen und Machtverhältnisse im Heimatland China gegenüber LGBTI*-Menschen aber keineswegs verbessert haben, dürfte davon auszugehen sein, dass es sich bei den neuen Richtlinien des Social-Media-Anbieters eher um Pink-Washing als um einen tatsächlichen Sinneswandel handelt.

Grundsätzlich bleibt es natürlich zu begrüßen, wenn digitale Unternehmen Rücksicht auf queere Lebensweisen nehmen. LGBTI*-Personen sind in den sozialen Medien seit langem in unverhältnismäßig hohem Maße Belästigungen, Hass und Anfeindungen ausgesetzt. Eine Umfrage der Anti-Defamation League ergab 2021, dass 64 Prozent aller befragten queeren Menschen bereits Opfer von Hass und Hetze auf solchen Plattformen geworden sind. Damit führen LGBTI*-Menschen die „Hass-Rankingliste“ an, noch vor Muslimen (46 Prozent), Juden (36 Prozent) und dunkelhäutigen Amerikanern mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund.  

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