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Pflastersteine als Protest Dragqueen trotzt Regenbogen-Verbot in Florida

Von ms - 27.10.2026 - 11:00 Uhr
Pflastersteine als Protest
Foto: Instagram / missbouvee
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Aus einem politischen Streit um Regenbogenfarben auf Floridas Straßen ist eine sehr erfolgreiche Spendenaktion für die LGBTIQ+-Community entstanden. Die Dragqueen Miss Bouvèé hat Pflastersteine eines abgebauten Regenbogen-Zebrastreifens in Miami Beach restauriert und verkauft. Innerhalb von wenigen Tagen kamen jetzt auf diese Weise mehr als 25.000 US-Dollar zusammen, umgerechnet rund 22.500 Euro. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Erfolgreiche Spendenaktion: Die Dragqueen Miss Bouvèé hat mit dem Verkauf von 50 Pflastersteinen eines früheren Regenbogen-Zebrastreifens in Miami Beach innerhalb von vier Tagen mehr als 25.000 US-Dollar gesammelt.
  • Regenbogen-Verbot in Florida: Das Verkehrsministerium des US-Bundesstaates ließ den Übergang im Oktober 2025 entfernen. Gouverneur Ron DeSantis hatte zuvor gegen Straßenkunst mit sozialen, politischen oder ideologischen Botschaften vorgehen lassen.
  • Geld für die LGBTIQ+-Community: Der Erlös soll Pride-Veranstaltungen in Südflorida unterstützen, insbesondere die Finanzierung von Live-Unterhaltung und Sicherheitsmaßnahmen.
  • Kritik an staatlichen Eingriffen: Miss Bouvèé wirft Florida vor, die Selbstverwaltung der Städte einzuschränken und wichtige Symbole der queeren Community aus dem öffentlichen Raum zu verdrängen.
  • Weitere Regenbogen-Übergänge verschwunden: Auch in Orlando, Key West und Delray Beach wurden 2025 entsprechende Straßenmarkierungen entfernt. Besonders umstritten war die Beseitigung des Gedenk-Zebrastreifens am ehemaligen Pulse-Nachtclub.

Protest gegen DeSantis

Mit dem Geld sollen Pride-Veranstaltungen im Süden Floridas unterstützt werden. Zugleich versteht die Künstlerin ihre Aktion als Protest gegen die Politik des republikanischen Gouverneurs Ron DeSantis, unter dessen Regierung zahlreiche Regenbogen-Markierungen aus dem öffentlichen Straßenbild entfernt wurden. Die Steine stammen von einem Fußgängerüberweg, der im Oktober 2025 auf Anordnung des Verkehrsministeriums von Florida abgebaut worden war. Nun sind sie zu Erinnerungsstücken geworden, die an die Geschichte und Sichtbarkeit der queeren Community erinnern sollen. Ausgangspunkt des Konflikts war eine Anordnung des Florida Department of Transportation (FDOT). Die Behörde verpflichtete Kommunen dazu, Straßenkunst zu beseitigen, die mit „sozialen, politischen oder ideologischen Botschaften“ verbunden ist.

Davon waren insbesondere Regenbogen-Zebrastreifen betroffen, die in mehreren Städten Floridas als sichtbare Zeichen der Unterstützung für LGBTIQ+- Menschen angelegt worden waren. Die Regierung begründete ihr Vorgehen offiziell mit der Verkehrssicherheit und dem Ziel, Straßenmarkierungen landesweit zu vereinheitlichen. Die Stadt Miami Beach wollte ihren Regenbogen-Zebrastreifen erhalten und legte Einspruch gegen die Anordnung ein. Die Bemühungen blieben jedoch erfolglos. Im Oktober 2025 musste der Übergang entfernt werden.

Steine des Regenbogens

Die Entfernung bedeutete allerdings nicht, dass das gesamte Material verloren ging. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press berichtete, erklärte der Stadtrat von Miami Beach, Alex Fernandez, dass Mitarbeiter der städtischen Bauverwaltung sämtliche ausgebauten Pflastersteine eingesammelt hätten. Die Stadt wollte sich damit die Möglichkeit offenhalten, das Material später erneut zu verwenden. Ein Teil der ursprünglichen Steine wurde tatsächlich wieder eingesetzt. Andere gelangten in eine Auktion, bei der Miss Bouvèé den Zuschlag erhielt.

Die in Südflorida lebende Dragqueen entwickelte daraufhin die Idee, aus den Steinen eine Spendenaktion für die queere Community zu machen. Sie reinigte die Pflastersteine, erneuerte ihre Bemalung und stellte die Regenbogenfarben wieder her. Zusätzlich brachte sie an den Stücken Plaketten an, die an ihren ursprünglichen Standort in Miami Beach erinnern. Damit wurden aus den entfernten Straßenmarkierungen individuelle Erinnerungsstücke an einen öffentlichen Ort, der zuvor für die Sichtbarkeit homosexueller und queerer Menschen gestanden hatte.

50 Pride-Steine verkauft

Die Resonanz auf die Aktion übertraf alle Erwartungen. Innerhalb von vier Tagen verkaufte Miss Bouvèé 50 der restaurierten Pflastersteine. Die Einnahmen beliefen sich auf mehr als 25.000 US-Dollar. Im Gespräch mit der Zeitung Miami New Times berichtete die Dragqueen von der Begeisterung der Käufer. „Die Menschen waren unglaublich begeistert davon, ein Stück unserer Geschichte in den Händen zu halten, denn es ist nicht das erste Mal, dass wir Ziegelsteine für einen Protest verwenden“, sagte sie. Mit Blick auf die künftigen Besitzer fügte sie hinzu: „Ich finde es einfach wunderbar, dass diese Steine nun überall im Land ein neues Leben bekommen.“ Die Pflastersteine werden damit nicht nur als Erinnerungsstücke aufbewahrt. Sie sollen auch an die politischen Auseinandersetzungen erinnern, die zur Entfernung des Regenbogen-Zebrastreifens geführt haben.

Eingriff in kommunale Rechte

Für Miss Bouvèé geht es bei dem Streit um weit mehr als um die Gestaltung einzelner Straßen. Sie sieht in den Maßnahmen der Regierung von Florida einen problematischen Eingriff in die Entscheidungsfreiheit der Städte. „Ich glaube, das Erschreckendste daran war, dass wir mit ansehen mussten, wie Städte ihr Recht verloren, ihre eigenen Bürger selbst zu verwalten“, sagte sie weiter. Besonders kritisch bewertet sie, dass lokale Behörden ihre Entscheidungen über die Gestaltung öffentlicher Straßen nicht mehr eigenständig treffen konnten. „Sie haben rechtsstaatliche Verfahren ausgehebelt; sie haben den Städten das Recht genommen, ihre eigenen Straßen zu verwalten. So etwas beginnt an einer Stelle und endet an einer ganz anderen.“

Hilfe für Pride-Veranstaltungen

Das gesammelte Geld soll unmittelbar der LGBTIQ+-Community in Südflorida zugutekommen. Geplant ist, die Einnahmen für Pride-Veranstaltungen einzusetzen. Miss Bouvèé hofft darüber hinaus, dass ihre Aktion andere Künstler und Mitglieder der Community dazu ermutigt, neue Wege des gesellschaftlichen Engagements zu finden. Sie möchte insbesondere andere Dragqueens dazu bewegen, ihre künstlerischen Fähigkeiten auch für politische und gemeinnützige Projekte einzusetzen. „Ich hoffe, dass es andere Dragqueens dazu inspiriert, innovativ zu sein und darüber nachzudenken, wie sie genauso kreativ sein können wie bei ihrer Kunst. Schaut euch an, was ihr tun könnt, um eure Pride-Veranstaltungen zu retten“, erklärte sie.

Der Streit um den Regenbogen-Zebrastreifen in Miami Beach ist Teil einer größeren Auseinandersetzung über LGBTIQ+-Symbole im öffentlichen Raum Floridas. Bereits im August 2025 ließ das Verkehrsministerium einen Regenbogen-Zebrastreifen vor dem ehemaligen Pulse-Nachtclub in Orlando überstreichen. Der Übergang erinnerte an die 49 Menschen, die bei dem Anschlag auf den Club im Jahr 2016 ermordet wurden. Bis heute das folgenschwerste Hassverbrechen gegen die LGBTIQ+-Community in der jüngeren Geschichte der Vereinigten Staaten. Der Nachtclub war vor dem Anschlag ein wichtiger Treffpunkt für homosexuelle und queere Menschen. Im September 2025 wurden dann auch in Key West vier Regenbogen-Zebrastreifen entfernt. Im selben Monat verschwanden vier weitere entsprechende Straßenmarkierungen in Delray Beach.

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