Joe Locke in heikler Rolle Geschichte über verbotene schwule Liebe in „Black Church Bay“
Joe Locke (22) steht vor einer neuen Phase seiner Schauspielkarriere. Nach seinem Durchbruch mit der Teenager-Serie Heartstopper übernimmt der britische Schauspieler zunehmend Rollen für ein erwachseneres Publikum. Besonders viel Aufmerksamkeit erhält derzeit der Mystery-Thriller „Black Church Bay“ – auch deswegen, weil der erste Trailer kurzzeitig im Internet auftauchte und anschließend wieder verschwand.
Das Wichtigste im Überblick
- Joe Locke übernimmt in „Black Church Bay“ die Rolle des offen schwulen Schülers Jasper.
- Im Mittelpunkt steht eine intime Beziehung zwischen Jasper und seinem Lehrer Barry, gespielt von Tom Cullen.
- Jasper verschwindet nach einem gemeinsamen Wochenende mit Barry auf einem Boot.
- Der Film thematisiert Schuld, Verdrängung, Geheimnisse und die Folgen einer verbotenen Beziehung.
- Im Internet wird die Handlung auch unter dem Gesichtspunkt des Groomings diskutiert.
- Locke ist durch „Heartstopper Forever“ international bekannt geworden und übernimmt zunehmend erwachsenere Rollen.
- Der erste Trailer zu „Black Church Bay“ erschien kurzzeitig online und wurde anschließend wieder entfernt.
- Der Film soll im Oktober beim Busan International Film Festival und beim BFI London Film Festival gezeigt werden.
- Ein Kinostart beziehungsweise eine internationale Veröffentlichung wird mit Spannung erwartet.
Lehrer und Schüler
Locke spielt in dem Film einen Schüler der Oberstufe namens Jasper. Die Geschichte spielt in einem abgelegenen walisischen Küstendorf. Dort bringt das Verschwinden eines offen schwulen Schülers das Leben der örtlichen Gemeinschaft aus dem Gleichgewicht. Der Film stammt von Autor und Regisseur Rhys Marc Jones. Im Zentrum steht neben Jasper der stellvertretende Schulleiter Barry, gespielt von Tom Cullen. Cullen ist ein walisischer Schauspieler, der unter anderem für seine Rolle in der schwulen Liebesgeschichte „Weekend“ bekannt ist.
Barry ist nicht nur irgendein Lehrer, sondern Jaspers Lehrer. Beide ziehen sich für ein Wochenende auf einem Boot zurück. Dort kommt es zu einer intimen Begegnung. Danach verschwindet Jasper. Die entscheidende Frage lautet: Ist er ins Wasser gefallen und ertrunken – oder steckt ein Verbrechen dahinter? Eine Suchaktion beginnt. Im Verlauf der Ermittlungen gerät Barry zunehmend ins Visier. Sollte er offenlegen, was er über Jasper weiß, um seine eigene Unschuld zu beweisen, könnte dies zugleich das Ende seiner beruflichen Laufbahn bedeuten. Zusätzlichen Druck erzeugt Miles, Jaspers Freund und Mitschüler. Gespielt wird er vom Nachwuchsschauspieler Dylan Michael. Miles beginnt, Barry zu verdächtigen und fragt sich, wie eng die Beziehung zwischen dem Lehrer und Jasper tatsächlich war.
Schwieriges Thema
Die Geschichte bewegt sich damit in einem moralisch problematischen Bereich. Weil Jasper als Schüler der britischen Oberstufe beschrieben wird, ist er mindestens 16 Jahre alt – damit liegt er über dem gesetzlichen Schutzalter für einvernehmlichen Geschlechtsverkehr im Vereinigten Königreich. Die Beziehung zu seinem Lehrer bleibt dennoch hochproblematisch und überschreitet zahlreiche gesellschaftliche und moralische Grenzen. Im Internet wurde deshalb schnell der Begriff Grooming verwendet.
Damit ist allerdings nicht automatisch eine Bewertung des Films als problematisch verbunden. Vielmehr kann die Geschichte als bewusst schwierige Auseinandersetzung mit einer Figur verstanden werden, deren Scham und Unterdrückung sie auf einen verhängnisvollen Weg führen. Barry wird in der Handlung ausdrücklich als derjenige dargestellt, der falsch handelt. Er dürfte sich den Konsequenzen seines Verhaltens stellen müssen. Genau diese Entwicklung soll auch im Trailer deutlich werden.
Plötzlich verschwunden
Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt derzeit allerdings nicht nur die Handlung, sondern auch der Trailer selbst. Der erste Trailer von „Black Church Bay“ wurde in diesen Tagen kurzzeitig im Internet veröffentlicht. Wenig später war er wieder verschwunden. Unter Fans löste das Rätselraten aus. Eine mögliche Erklärung wäre eine ungewöhnliche Marketingaktion gewesen, bei der das Verschwinden des Trailers die Handlung um den verschwundenen Jasper spiegeln sollte. Dafür gibt es allerdings kaum Anzeichen. Wahrscheinlicher ist, dass der Trailer versehentlich zu früh veröffentlicht wurde. Offenbar wurde irgendwo auf „Veröffentlichen“ geklickt, bevor der Film offiziell vorgestellt werden sollte. Ursprünglich war angekündigt worden, dass „Black Church Bay“ am 15. Oktober beim BFI London Film Festival seine Weltpremiere feiern soll. Inzwischen wurde der Film jedoch auch für das Busan International Film Festival (BIFF) in Südkorea angekündigt. Das Festival findet vom 6. bis 15. Oktober statt. Damit würde „Black Church Bay“ dort technisch gesehen sogar vor London seine Premiere feiern.
Weitere Projekte für Locke
Für Locke ist „Black Church Bay“ Teil einer Reihe von Projekten, mit denen er sich von seiner bisherigen Teenagerrolle weiter entfernt. Nach dem Abschluss der Geschichte von Nick Nelson und Charlie Spring in Heartstopper Forever stehen bereits weitere erwachsenere Produktionen an. So spielt Locke gemeinsam mit Andrew Scott in „Elsinore“, einem Biopic über den im Verborgenen schwulen Schauspieler Ian Charleson. Das Projekt wird bereits mit möglichen Oscar-Chancen in Verbindung gebracht. Außerdem soll Locke angeblich in dem Science-Fiction-Film „Baby“ auftreten. Darin soll er offenbar einen Sexarbeiter spielen, der von einem mysteriösen Wesen geschwängert wird. „Black Church Bay“ dürfte damit zu den ungewöhnlichsten neuen Projekten des Schauspielers gehören. Trotz des verschwundenen Trailers bleibt der Mystery-Thriller für viele Fans ein besonders erwarteter Film.