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Vom Porno zur Doku Kritik an „giftigen“ Kollegen von OnlyFans-Star Andy Lee

ms - 10.09.2026 - 15:00 Uhr
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Der heterosexuelle OnlyFans-Creator Andy Lee hat seine schwule Fangemeinde für deren Unterstützung während einer schwierigen Phase seines Lebens gelobt. Zudem stellte er klar: Homophobe Erotikdarsteller seien „Gift für die Branche“. Zugleich kritisierte er umstrittene Aktionen anderer Creator.

Das Wichtigste im Überblick

  • OnlyFans-Creator Andy Lee lobt seine überwiegend schwule Fangemeinde für deren Unterstützung während einer persönlichen Krise.
  • Lee begann während des Lockdowns mit OnlyFans, nachdem er seinen Job verloren und sich am Bizeps verletzt hatte.
  • Heute verdient er mit einer kostenpflichtigen Seite und mehr als 600 Videos Geld; auf TikTok folgen ihm mehr als 684.000 Menschen.
  • Lee sagt, schwule Männer hätten ihn täglich „aufgerichtet“, als es ihm schlecht ging.
  • Homophobe Erotikdarsteller bezeichnet er als „Gift für die Branche“ und wirft ihnen vor, Menschen auszunutzen.
  • Auch spektakuläre Aktionen von Bonnie Blue, Lily Phillips und Drake Von kritisiert er als schädlich für das Image der Branche.
  • Gleichzeitig betont Lee, dass Sexarbeiter und Creator durch soziale Medien, Banken und automatisierte Systeme unter Druck stünden.
  • Nach seiner Zeit vor der Kamera möchte er künftig Dokumentationen produzieren und als Mentor arbeiten.

Corona Lockdown als Tiefpunkt 

Anlass des Gesprächs war die Veröffentlichung seiner neuen Online-Serie The Porn Academy. Lee erzählt darin auch von seinen Anfängen bei OnlyFans. Zu Beginn des Lockdowns habe er sich in einer schwierigen Situation befunden. „Ich war an einem sehr dunklen Punkt. Ich hatte keinen Job. Ich hatte mir den Bizeps gerissen, deshalb konnte ich keinen Job annehmen. Ich kannte nur die Klempnerei und die Baubranche, also hatte ich eigentlich keine andere Wahl.“

Ein Freund habe ihm schließlich vorgeschlagen, OnlyFans auszuprobieren. Lee hatte bereits Jahre zuvor in der Erotikbranche gearbeitet. Sein Freund sollte die Seite betreiben, während Lee die Inhalte produzierte. „Ich habe mich darin verliebt“, so Lee. „Die Sache kam einfach immer weiter ins Rollen, und jetzt sind wir hier.“ Dann habe er immer mehr Unterstützung aus dem Internet bekommen: „Dann hatte ich diese Menschen im Internet, Fremde, hauptsächlich schwule Männer, die mich jeden einzelnen Tag aufgerichtet haben.“ Auf seiner kostenpflichtigen Seite befinden sich inzwischen mehr als 600 Videos. Daneben ist er auf Instagram und TikTok aktiv. Auf TikTok folgen ihm mehr als 684.000 Menschen.

Unterstützung aus schwuler Community

Lee veröffentlicht regelmäßig freizügige Teaser, um neue Abonnenten zu gewinnen. Gleichzeitig zeigt er in jugendfreien Beiträgen Reisen mit Freunden und anderen Content-Creatorn. „Als ich OnlyFans angefangen habe, war es einfach eine Möglichkeit, Geld zu verdienen – aber dann hat es buchstäblich mein Leben verändert“, sagt er. „Ich habe aufgehört, mir Sorgen ums Geld zu machen. Es hat mir so viele Möglichkeiten gegeben, anderen Menschen zu helfen. Ich habe so viele großartige Menschen kennengelernt. Ich habe Menschen getroffen, die ohne Perspektive aus dem Gefängnis kamen und jetzt aufblühen und es sehr gut machen. Sie haben ihr Leben verändert, und das macht mich einfach sehr glücklich.“

Einen großen Anteil an seinem Erfolg schreibt Lee seiner schwulen Fangemeinde zu. Er war unter anderem in der Channel-4-Sendung „My Massive Cock“ zu sehen. „Ich bin nie wirklich den Weg über ein heterosexuelles Publikum gegangen, weil ich nie vollständige Sexszenen gedreht hatte“, erklärt er. „Es waren immer nur Soloaufnahmen oder Aufnahmen mit meinen Freunden.“ Lee sagt, er schulde der schwulen Community viel. „Es geht nicht um den finanziellen Wert, den der Kauf meiner Inhalte hat, sondern darum, dass sie für mich da waren, als niemand sonst da war.“

Kritik an homophoben Kollegen

Vor kurzem war der Erotik-Creator Jake Andrich, bekannt als Jakipz, wegen mutmaßlich LGBTIQ+-feindlicher Äußerungen in die Kritik geraten. Er hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Lee findet deutliche Worte für solche Fälle: „Diese Darsteller sind Gift für die Branche. Sie wissen genau, was sie tun, und sie benutzen und nutzen Menschen aus, und das ist nicht fair.“ Er erinnert sich an seine eigene schwierige Zeit: „Als ich selbst an einem dunklen Punkt war, waren die Menschen, die mir geholfen haben, Fremde, die mir nichts schuldig waren, und sie waren für mich da. Ich betrachte meine Follower als Freunde, als Familie, als Menschen, mit denen ich jeden Tag spreche.“

Lee hält es außerdem für wichtig, dass Menschen zwischen unterschiedlichen Akteuren der Branche unterscheiden. „Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man einen heterosexuellen Mann trifft, der so aussieht wie ich und meine Freunde, der Dinge mit Männern macht und so offen damit umgeht. Ich denke, es ist sehr wichtig, dass die Menschen sehen und wissen, dass wir nicht alle wie dieser Typ Jake im Internet sind, der die schwule Community angreift und Menschen ausnutzt. Wir sind nicht so.“ Seine Haltung beschreibt Lee so: „Wir produzieren Inhalte, und wenn ihr sie sehen wollt, genießt sie, großartig. Wir verurteilen niemanden. Jeder, der durch meine Tür kommt, wird respektvoll, liebevoll und freundlich behandelt – ganz egal, wer er ist.“

„Sie gehen tatsächlich zu weit“

Auch umstrittene Marketingaktionen anderer Creator sieht Lee kritisch. Dazu zählt er Aktionen von Bonnie Blue, Lily Phillips und Drake Vons Challenge, Sex mit 1.000 Bottoms in 24 Stunden haben zu wollen.  „Sie sind nicht gut für die Branche“, sagt er. Gleichzeitig könne er nachvollziehen, warum solche Aktionen durchgeführt würden. „Sexarbeiter werden jeden einzelnen Tag von sozialen Medien und Banken angegriffen. Wir tun nichts Illegales, aber Banken sperren uns, soziale Medien sperren uns. Genauso bei OnlyFans: Auf diesen Websites kann man durch KI-Bots oder was auch immer sehr leicht gesperrt werden. Deshalb verstehe ich, warum diese Leute solche verrückten Aktionen machen, um für sich zu werben. Denn sie wissen: Wenn Menschen durch Rage-Bait provoziert werden, wird es geteilt und die Leute abonnieren ihre Seite. Aber diese Menschen gehen tatsächlich zu weit.“

Einstieg in die Branche

Mit seiner „Porn Academy“ will Lee jetzt Menschen beim Einstieg in die Branche unterstützen. Auf Instagram und TikTok werben inzwischen zahlreiche Creator für ihre „spicy“ Inhalte. Nach Lees Ansicht gibt es dennoch Platz für viele unterschiedliche Typen. „Die Leute kommen zu mir und denken: ‚Ich muss ins Fitnessstudio gehen, ich brauche einen Sixpack, ich muss auf eine bestimmte Weise aussehen‘, aber das musst du nicht“, sagt er. „Ich denke, da draußen gibt es etwas für jeden.“ Entscheidend seien Persönlichkeit und der Kontakt zum Publikum: „Wenn du deine Persönlichkeit zum Vorschein kommen lässt, eine Beziehung zu deinem Publikum aufbaust und ihnen die Art von Inhalten gibst, die sie wollen, wird es immer erfolgreich sein.“

Allerdings warnt Lee vor falschen Erwartungen. „Aber viele Menschen kommen in die Branche, weil sie schnell reich werden wollen, indem sie Fußbilder verkaufen, und so sieht die Realität nicht aus. Es ist ein wirklich schwieriger Job, und nicht jeder ist erfolgreich.“ Auch die möglichen Folgen müsse jeder bedenken: „Deshalb bringe ich den Leuten wirklich eindringlich bei, über diese Dinge nachzudenken. Denn nicht nur eure Freunde, Familie und zukünftigen Arbeitgeber werden diese Dinge sehen, ihr müsst auch mit der Kritik im Internet umgehen. Du könntest den Papst retten, und die Leute würden trotzdem etwas finden, worüber sie reden können.“

Vom Pornostar zum Dokumentarfilmer

Neben seiner Serie und seinem Auftritt bei Channel 4 hat Lee auch eine eigene Dokumentation für Prime Video präsentiert. Darin sieht er offenbar auch seine berufliche Zukunft. „Ich bin nur ein kleiner Kerl aus Dublin, der aufgewachsen ist und in diese Welt hineingewachsen ist, aber ich liebe es“, sagt er. Für die Zeit nach seiner Karriere vor der Kamera hat er bereits Pläne: „Ich habe eine neue Leidenschaft für die Zukunft entdeckt. Wenn ich mich aus der Pornobranche zurückziehe, möchte ich Dokumentationen machen. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, weil ich möchte, dass die breite Öffentlichkeit Sexarbeiter in einem anderen Licht betrachtet, versteht, woher sie kommen und warum Menschen sich der Sexarbeit zuwenden.“

Seine Rolle als Mentor liege ihm besonders: „Ich bevorzuge die Rolle als Mentor sehr, weil das etwas ist, worin ich gut bin. Ich habe Pornos gemacht. Ich war die Figur in den Szenen. Jetzt wäre mein Ziel in der Pornobranche, hinter die Kamera zu treten und diese Jungs hoffentlich einfach auf den richtigen Weg zu führen.“ Vorerst bleibe ihm jedoch noch die Arbeit vor der Kamera. 

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