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Strikter Kurs in Ecuador
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Strikter Kurs in Ecuador Homosexuelle werden bei Adoptionen ausgeschlossen

ms - 07.09.2026 - 14:30 Uhr
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Eine Reform des Adoptionsrechts in Ecuador sorgt jetzt für scharfe Kritik von Menschenrechts- und LGBTIQ+-Organisationen. Das neue Gesetz schließt gleichgeschlechtliche Paare von Adoptionen aus. Zudem müssen alleinstehende Menschen, die ein Kind adoptieren wollen, heterosexuell sein. Kritiker warnen außerdem vor möglichen Folgen für Familien mit trans* Kindern.

Das Wichtigste im Überblick

  • Ecuadors neue Adoptionsreform schließt gleichgeschlechtliche Paare ausdrücklich von Adoptionen aus.
  • Alleinstehende Menschen dürfen dem Gesetz zufolge nur adoptieren, wenn sie heterosexuell sind.
  • Eltern könnten ihr Sorgerecht verlieren, wenn ihnen vorgeworfen wird, geschlechtsangleichende Versorgung für ein trans* Kind zu „fördern“.
  • Die Reform wurde mit 118 zu 0 Stimmen von der Nationalversammlung verabschiedet und trat bereits in Kraft.
  • Human Rights Watch und die Ecuadorianische LGBT-Föderation kritisieren die Regelungen als diskriminierend.
  • Ecuador hatte die gleichgeschlechtliche Ehe 2019 landesweit legalisiert.

Adoptionsregeln lösen Kritik aus

Das „Reformgesetz verschiedener Rechtsvorschriften zur Beschleunigung von Adoptionen“ trat bereits in Kraft. Die Nationalversammlung hatte die Reform mit 118 zu 0 Stimmen verabschiedet. Nach Darstellung der Regierung soll das Verfahren dadurch effizienter werden und die Zeit verkürzt werden, die Kinder in Pflegefamilien verbringen. Nach den neuen Vorschriften können ausschließlich verschiedengeschlechtliche Paare Kinder adoptieren. Für alleinstehende Adoptierende gilt zusätzlich die Vorgabe der Heterosexualität. Kritisch gesehen wird auch eine Bestimmung, nach der Eltern möglicherweise das Sorgerecht verlieren können, wenn ihnen vorgeworfen wird, geschlechtsangleichende Versorgung für ein trans* Kind zu „fördern“. Kritiker halten diese Formulierung für unklar.

Cristian González Cabrera, leitender Forscher für LGBTIQ+-Rechte bei Human Rights Watch, erklärte in einer Stellungnahme: „Die Verbesserung des Adoptionssystems ist ein legitimes gesetzgeberisches Ziel, sollte aber nicht als Vorwand genutzt werden, um Diskriminierung zu verfestigen und die Gesundheit von Kindern zu untergraben.“ Er fügte hinzu: „Indem ecuadorianische Abgeordnete auf Grundlage von Vorurteilen und Fehlinformationen statt auf Grundlage von Beweisen Gesetze erlassen, gefährden sie Kinder und perpetuieren Stereotype aufgrund sexueller Orientierung, Geschlechtsidentität und Geschlechtsmerkmalen.“

LGBT-Föderation warnt vor Folgen

Auch die Ecuadorianische LGBT-Föderation erkennt das Ziel an, Adoptionen zu beschleunigen. Dies sei „ein legitimes und notwendiges Ziel“, erklärte die Organisation. Allerdings gelte: „Die sexuelle Orientierung zu einem Hindernis zu machen, ist es nicht.“ Die Föderation weist darauf hin, dass die sexuelle Orientierung allein nichts über die Eignung als Elternteil aussagen würde. „Heterosexualität ist kein Beweis für die Eignung als Elternteil“, erklärte sie. Gleichzeitig betonte sie: „LGBTIQ+ zu sein stellt ebenfalls keine elterliche Unfähigkeit dar.“

Besonders problematisch sei die Vorgabe für alleinstehende Adoptierende. Die Organisation fragt, wie Behörden überhaupt feststellen wollen, ob ein Bewerber heterosexuell ist. „Wenn Heterosexualität zu einer gesetzlichen Voraussetzung für eine Adoption durch eine Einzelperson wird, müssen Institutionen auf irgendeine Weise feststellen, ob diese Voraussetzung erfüllt ist.“ Auch die Bestimmungen zu trans* Kindern stoßen auf Kritik: „Die Unterstützung von trans* Kindern macht eine Familie nicht zu einem Feind der Kindheit.“

Gleichgeschlechtliche Ehe seit 2019 

Die Neuregelung steht vor dem Hintergrund einer grundsätzlich weitreichenden rechtlichen Anerkennung von LGBTIQ+-Rechten in Ecuador. Das Land legalisierte die gleichgeschlechtliche Ehe 2019 landesweit nach einer Entscheidung des Verfassungsgerichts. Bereits die Verfassung von 2008 enthält weitreichende Grundsätze zur Gleichbehandlung und zum Schutz vor Diskriminierung. Sie war zudem Grundlage für wichtige Gerichtsverfahren zu den Rechten von Minderheiten. In Lateinamerika unterscheiden sich die Regelungen zu Adoption und zur rechtlichen Anerkennung von homosexuellen Eltern allerdings weiterhin deutlich. Auch in Staaten, in denen die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt ist, gibt es immer wieder politische und juristische Auseinandersetzungen über die Rechte gleichgeschlechtlicher Eltern.

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