Gillian Anderson blickt zurück Sexualität und Partnerschaft im Wandel
US-Schauspielerin Gillian Anderson (58) hat über eine bislang wenig bekannte Episode aus ihrer Jugend gesprochen. In einem Interview mit der Sunday Times berichtete die Schauspielerin von einer ihrer ersten Beziehungen mit einem älteren Mädchen während ihrer Highschool-Zeit in Michigan.
Das Wichtigste im Überblick
- Gillian Anderson spricht über ihre erste Beziehung mit einem älteren Mädchen während ihrer Highschool-Zeit in Michigan.
- Die Beziehung musste geheim bleiben und fühlte sich für Anderson damals „geheim, verboten und falsch“ an.
- Ein späterer Freund beendete die Beziehung zu Anderson, nachdem er von der Beziehung mit dem Mädchen erfahren hatte.
- Anderson sagt, ihr hätten damals die Worte gefehlt, um ihre Sexualität vollständig einzuordnen.
- Heute sieht sie das Geschlecht eines möglichen Lebenspartners nicht als entscheidend an.
- Ihre Erfahrungen als Außenseiterin und ihre damalige Unsicherheit über ihre Sexualität spiegeln sich auch in ihrer aktuellen Filmrolle wider.
„Verbotene“ Jugendliebe
Die Beziehung habe geheim bleiben müssen. „Es fühlte sich geheim, verboten und falsch an, und wir mussten sie verheimlichen“, sagte Anderson. Das Paar habe damals nicht geglaubt, dass seine Beziehung akzeptiert werden würde. Schließlich erfuhr ein Freund davon und beendete die Beziehung zu Anderson. Anderson erklärte zugleich, dass sie ihre eigene Sexualität zu dieser Zeit nicht vollständig verstanden habe. Sie habe auch Beziehungen mit Jungen gehabt und sich deshalb nicht eindeutig als lesbisch verstanden.
Vor allem habe ihr damals die Sprache gefehlt, um ihre Gefühle und Erfahrungen einzuordnen. „Ich hatte definitiv das Gefühl, dass mir die Worte dafür fehlten“, sagte sie. Auch spätere Beziehungen mit Frauen habe sie zunächst nicht unbedingt als mögliche langfristige Partnerschaften betrachtet. „Selbst später, als ich andere Beziehungen mit Frauen hatte, bin ich mir nicht sicher, ob ich sie jemals als etwas betrachtet habe, das möglicherweise für immer sein könnte.“
Neuer Blick auf Partnerschaften
Ihre Perspektive habe sich inzwischen verändert. Das Geschlecht eines Menschen würde für sie heute nicht darüber entscheiden, ob sie ihn oder sie als Lebenspartner betrachte. „Die Person, die ich als meinen Lebenspartner betrachte, ist zufällig ein Mann“, sagte Anderson. Wenn es eine Frau wäre, würde sie jedoch genauso empfinden: „Ich würde denken: ‚Das ist mein Lebenspartner.‘“ Und weiter: „Als ich jünger war, gab es Teile meines Gehirns, die dachten, Frauen seien nur vorübergehend.“ Anderson hatte bereits 2012 öffentlich kurz über eine langjährige Beziehung mit einem Mädchen während ihrer Highschool-Zeit gesprochen. Nun hat sie indes erstmals ausführlicher darüber gesprochen, wie isoliert und anders sie sich damals fühlte.
Punk in einer konservativen Stadt
Auch unabhängig von ihren Beziehungen habe Anderson als Jugendliche das Gefühl gehabt, nicht dazuzugehören. Als sie elf Jahre alt war, zog sie von London nach Grand Rapids im US-Bundesstaat Michigan. Dort sei sie schnell zur Außenseiterin geworden. „Ich war ein Punk in einer konservativen Stadt“, erinnerte sie sich. „Es gab keinen einzigen anderen Menschen, der einen Nasenring und einen Irokesenschnitt hatte. Ich war sehr unsicher und hatte ein geringes Selbstwertgefühl.“ Anderson beschrieb ihre Jugend als eine Zeit, in der sie sich von den anderen Jugendlichen deutlich unterschied.
Neue Filmrolle mit Bedeutung
Einen besonderen persönlichen Bezug hat Anderson deswegen auch zu ihrer aktuellen Rolle in „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“. In dem Horrorfilm von Jane Schoenbrun spielt sie an der Seite von Hannah Einbinder. Der Film verbindet Elemente des Slasher-Genres mit homosexuellen Themen und einer Geschichte über Begehren, Identität und Außenseitertum. Einbinder spielt Kris, eine Filmemacherin, die einen neuen Teil der Kult-Horrorreihe Camp Miasma drehen soll. Dafür sucht sie Billy Presley (Anderson) auf, eine ehemalige Schauspielerin und „Final Girl“ der ursprünglichen Filmreihe. Aus der zunächst beruflichen Begegnung entwickelt sich eine Freundschaft und schließlich eine intime Beziehung.
Für Anderson ist die Geschichte auch deshalb besonders bedeutsam, weil sie sich als Jugendliche eine solche Darstellung gewünscht hätte. „Wenn Camp Miasma damals herausgekommen wäre, hätte ich mich gesehen gefühlt“, sagte sie der Times. Die Verbindung zu ihrer eigenen Vergangenheit sei ihr allerdings erst im Rückblick vollständig bewusst geworden. Über den Film sagte Anderson: „Ich wusste tief in mir, dass ich Teil davon sein wollte, aber erst im Nachhinein verstehe ich vollständig, warum es für mich so bedeutungsvoll war.“
Homosexualität trifft Humor
Regisseurin Jane Schoenbrun verbindet in dem Film homosexuelle Figuren und sexuelle Selbstfindung mit klassischen Motiven des Horrorfilms. Neben Kris und Billy spielt auch Little Death eine wichtige Rolle. Schoenbrun sieht dabei einen Zusammenhang zwischen den klassischen Horrorfilmen und deren Umgang mit Geschlecht und Sexualität.
„Es gibt einen Grund, warum wir diese Filme Jahr für Jahr für Jahr neu verfilmen“, sagte Schoenbrun. „Wir behandeln sie fast wie Paarungsrituale. In diesen Filmen steckt viel Angst in Bezug auf Geschlecht, Sexualität und Abweichung. Das ist einfach alles Teil der Mischung.“ Der Film setzt sich damit mit Unterdrückung sowie homosexuellen Zuschreibungen und Ängsten rund um Geschlecht und Sexualität auseinander. Gleichzeitig bleibt er dem blutigen und überzeichneten Charakter des Slasher-Genres treu.
Anderson als frühere Außenseiterin
Für Anderson treffen damit persönliche Erfahrungen und die Geschichte ihrer aktuellen Filmfigur aufeinander. Die Schauspielerin, die vor allem durch ihre Rolle als FBI-Agentin Dana Scully in „Akte X“ bekannt wurde, hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend mit Themen rund um Sexualität, weibliche Selbstbestimmung und Begehren beschäftigt. In „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ verkörpert sie nun eine ältere Frau, die einer jüngeren Filmemacherin hilft, ihre eigenen Wünsche zu verstehen.
Andersons eigene Erfahrungen als Jugendliche bilden dabei zwar nicht die konkrete Handlung des Films, verleihen ihrer Verbindung zu dem Projekt aber eine persönliche Ebene. „Ich habe das Gefühl, dass es für so viele Menschen wie eine Art Heilmittel ist“, sagte Anderson über die Bedeutung des Films. „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ feierte seine Weltpremiere bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes 2026. In Deutschland ist der Kinostart für den 20. August vorgesehen.