Ende von Gesichtsscannern Gay-Bar-Betreiber stoppen umstrittene Technik in San Francisco
Mehrere schwule Bars im kalifornischen San Francisco verzichten vorerst nun doch auf den Einsatz einer Technologie, die mit künstlicher Intelligenz unterstützte Gesichtsscans ermöglichte. Die Entscheidung folgt auf wachsende Bedenken innerhalb der Community über Datenschutz und Überwachung.
Das Wichtigste im Überblick
- Mehrere Schwulen-Bars wie Badlands und Toad Hall in San Francisco setzen die Nutzung der Patronscan-Technologie vorerst aus.
- Vorausgegangen waren Proteste und Datenschutzbedenken aus der schwulen Community.
- Die Sicherheitskontrollen sollen während der Überprüfung wieder manuell erfolgen.
- Die Technologie sollte unter anderem gefälschte Ausweise erkennen und Personen mit einer Vorgeschichte von Gewalt auffinden.
- Datenschützer warnten vor der Speicherung und möglichen Weitergabe persönlicher Daten.
- Patronscan weist die Kritik zurück und erklärte, in Nordamerika keine Gesichtserkennung einzusetzen.
Gesichtsscans gestoppt
Im Mittelpunkt der Aktion standen die beiden Schwulen-Bars Badlands und Toad Hall. Die Lokale kündigten jetzt an, die Nutzung von Patronscan einzustellen. Die Bars liegen im Castro District, einem historisch wichtigen Zentrum der Gay-Community in San Francisco. Die Sicherheitsmaßnahmen hatten bereits kurz nach ihrer Einführung für viel Kritik gesorgt. Brian Aranda, Betriebsleiter von Badlands und Toad Hall, erklärte in einer Stellungnahme: „Mit sofortiger Wirkung setzen wir die Nutzung von Patronscan aus, während wir unsere Verfahren zur Überprüfung von Ausweisen und zur Gewährleistung der Sicherheit überprüfen. Unsere Sicherheitsteams werden während dieser Zeit weiterhin alle Ausweise gründlich manuell kontrollieren. Wir danken allen, die ihre Bedenken mit uns geteilt haben, und bleiben dem Ziel verpflichtet, allen eine sichere und einladende Umgebung zu bieten.“
Kritik aus der schwulen Community
Die Kontroverse hatte sich insbesondere unter schwulen Gästen verschärft. Die Lokale gelten als Orte, an denen sich auch Menschen treffen, die ihre sexuelle Orientierung nicht öffentlich machen. Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Einsatz der Technik durch eine Recherche des San Francisco Gazetteer. Die Zeitung berichtete auch über den Einsatz einer KI-gestützten Erkennungssoftware in der Bar The Mix. Deren Verantwortliche verteidigten die Technik gegenüber lokalen Medien. „Sie sorgt dafür, dass meine Kunden sicher sind. Wir hatten keine Schlägereien, und Vandalismus und der Diebstahl sind zurückgegangen“, sagte ein Geschäftsführer gegenüber dem NBC-Netzwerks. The Mix hat seit Beginn der Debatte keine eigene Ankündigung über einen Verzicht auf die Technologie gemacht. Nach aktuellen Berichten gehört die Bar weiterhin zu den Lokalen in San Francisco, in denen entsprechende Technik eingesetzt wird.
Was wird mit den Daten gemacht?
Patronscan wird nach Angaben des Unternehmens unter anderem eingesetzt, um gefälschte Ausweise zu erkennen und Personen zu identifizieren, die in Lokalen bereits durch gewalttätiges Verhalten aufgefallen sind. Vor dem Betreten der Bars wurden Gäste durch Hinweisschilder darüber informiert, dass die Technik zum Einsatz kommt. Viele Besucher berichteten dem Gazetteer allerdings, ihnen sei nicht bewusst gewesen, dass Bilder von ihnen aufgenommen und gespeichert würden. Erst als sie vor der Kamera standen, hätten sie davon erfahren.
Datenschützer beschäftigen sich bereits seit Jahren kritisch mit Patronscan. Der Blog OneZero berichtete bereits 2019 darüber, dass die Technologie als Sicherheitssystem vermarktet wurde, zugleich aber auch zur Erfassung von Verbraucherdaten in teilnehmenden Lokalen eingesetzt werde. Besonders sensibel ist der Einsatz solcher Systeme aus Sicht von Kritikern in Lokalen, die sich gezielt an LGBTIQ+-Menschen richten. Dort könne eine Datensammlung darüber, wer bestimmte Bars besucht, besondere Risiken bergen.
Überwachung queerer Menschen
Die Debatte fällt zudem in eine politisch angespannte Zeit. Das US-Justizministerium unter Präsident Donald Trump hat so beispielsweise Krankenhäuser vor Gericht zur Herausgabe von Listen über trans* Patienten aufgefordert. Evan Greer, Digitaldirektor der Organisation Fight for the Future, warnte deshalb vor möglichen Folgen umfangreicher Datensammlungen. „Es ist wirklich keine sichere Zeit, damit anzufangen, Datenbanken mit queeren Menschen aufzubauen, auf die die Trump-Regierung, ein privates Unternehmen oder ein böswilliger Akteur zugreifen könnte“, sagte Greer. Nach Angaben der Electronic Frontier Foundation hat die kalifornische Gesetzgebung Untersuchungen zum Geschäftsmodell der Technologie eingeleitet. Dabei soll auch geprüft werden, ob die Praxis mit den Datenschutzgesetzen des Bundesstaates vereinbar ist.
Patronscan widerspricht Kritik
Das Technologieunternehmen selbst weist zentrale Vorwürfe zurück: „Patronscan führt in Nordamerika keine Gesichtserkennung und keinerlei automatisierte Analyse des Ausweises oder des Live-Fotos durch.“ Zudem erklärt das Unternehmen, Informationen würden nur für einen begrenzten Zeitraum in Datenbanken gespeichert. In den USA seien dies etwa 21 Tage. Die Daten dienten vor allem dazu, Strafverfolgungsbehörden bei der Untersuchung von Straftaten zu unterstützen. Patronscan erklärt außerdem, keine Daten an Dritte zu verkaufen oder weiterzugeben. Die in San Francisco eingesetzte Technik entspreche nach Angaben des Unternehmens den kalifornischen Gesetzen.