Homophobe Schmierereien 20-jähriger schwuler Italiener wehrt sich öffentlich
Homophobie im Dorfleben: Immer wieder tauchen in Tronzano Vercellese im Piemont im Norden Italiens homophobe Schmierereien auf, die sich gegen den 20-jährigen Vincenzo Giurbino richten. Der Ort in der Provinz Vercelli hat rund 3.200 Einwohner. Giurbino hat sich jetzt entschieden, angesichts der seit Monaten auftretenden Beschimpfungen nicht länger zu schweigen und wurde in den letzten Tagen zum Vorbild vieler anderer junger schwuler und queerer Italiener online.
Das Wichtigste im Überblick
- Vincenzo Giurbino wehrt sich gegen die Homophobie in seinem Heimatort in Norditalien und avanciert zum Vorbild.
- Der 20-Jährige hat bereits dreimal Anzeige wegen homophober Schmierereien erstattet.
- Giurbino berichtet zudem von direkten Beleidigungen und einem Spuckangriff in der Schule.
- Der schwule Italiener möchte mit seinem öffentlichen Umgang für das Thema Homophobie sensibilisieren.
- Für die Zukunft plant er ein Studium der Krankenpflege.
Homophobe Schmierereien
Bereits zweimal erstattete er bei den Carabinieri Anzeige. Eine dritte erfolgte jetzt in diesen Tagen. Nachdem der junge Mann die Fälle nun online publik gemacht hatte, wurde der Fall inzwischen auch von mehreren italienischen Mainstream-Medien aufgegriffen. Zum Schauplatz der jüngsten Schmierereien wurde die Unterführung des örtlichen Bahnhofs. Zwischen Ende Juli und den ersten Augusttagen tauchten dort mehrere beleidigende Schriftzüge auf. Sie wurden mit einem Filzstift angebracht, mit Phallussymbolen versehen und richteten sich nicht nur gegen Giurbino, sondern auch gegen seine Eltern.
Sein Vater hatte die Schmierereien bereits selbst entfernt und den Bürgermeister Michele Pairotto über den Vorfall informiert. Dieser versprach eine schnelle Beseitigung. Doch wenig später wiederholte sich der Vorfall. Als Vincenzo gemeinsam mit seiner Mutter aus dem Zug kam, schlug sie vor, die Unterführung zu kontrollieren. Dort entdeckte der 20-Jährige erneut Schmierereien, die ungefähr an derselben Stelle angebracht worden war. Die von Giurbino auf Instagram veröffentlichte Botschaft enthielt seinen Nachnamen und mehrere massive Beleidigungen: „Giurbino, komm und sag es uns ins Gesicht, du Wichser, Schwuchtel, Pädophiler, Schlampe.“
Anzeige erstatten, nicht schweigen
Die jüngsten Vorfälle sind nicht die ersten Angriffe dieser Art. Bereits 2024 wurde eine ähnliche, an Giurbino gerichtete Botschaft an der Tür eines Supermarktes entdeckt. Der Ort gilt als regelmäßiger Treffpunkt für Jugendliche. Auch damals erstattete der 20-Jährige Anzeige. Nach eigenen Angaben wurde Giurbino im Laufe der Jahre außerdem direkt beleidigt, während er den Weg zur Bahnstation entlangging. In der Schule habe es einen weiteren Vorfall gegeben: Jemand habe ihm ins Gesicht gespuckt, während er auf seinem Platz saß. Nach der Meldung des Vorfalls beauftragte die Schule einen Lehrer damit, während des Unterrichts verstärkt auf die Situation zu achten.
Nun ist Giurbino ein drittes Mal zu den Carabinieri gegangen, um offiziell Anzeige zu erstatten. „Wer auch immer der Täter ist, er wird sich mit dem Gesetz auseinandersetzen müssen, ich habe keine Angst“, erklärte Giurbino. Er habe sich bewusst dazu entschieden, die Geschichte öffentlich zu machen. Damit wolle er für die Themen Homophobie und die Bedeutung von Anzeigen sensibilisieren. Er wolle nicht schweigen, sondern sich wehren, erklärte der junge Mann online – seine Videos gingen inzwischen viral und finden gerade innerhalb der LGBTIQ+-Community viel Rückhalt. Viele User bedanken sich auch für den Mut des 20-Jährigen.
Weg zur eigenen Identität
Dabei ist sein persönlicher Weg nicht immer einfach gewesen. Bereits im Alter von zwölf Jahren habe er seine sexuelle Orientierung entdeckt. Mit 15 outete er sich bei seinen Eltern. Sein Vater habe seine Homosexualität mit Einschränkungen akzeptiert, berichtet Giurbino. Gleichzeitig falle es ihm weiterhin schwer, sich an das Make-up zu gewöhnen, das sein Sohn trägt. Deshalb schminke sich Vincenzo lieber außerhalb des Hauses, um den Blick seines Vaters zu vermeiden. Die Mutter habe ihn dagegen stets unterstützt. Ihre Haltung fasst Giurbino mit den Worten zusammen: „Wenn dich das glücklich macht, ist es in Ordnung.“ Inzwischen machte Giurbino im vergangenen Jahr seinen Abschluss an der staatlichen Technischen Industrieschule Itis in Santhià und verfügt über Erfahrungen aus seiner ehrenamtlichen Tätigkeit beim Rettungsdienst.
Auf seinen Social-Media-Profilen präsentiert sich Giurbino nun als junger Mann, der mit seiner Homosexualität im Reinen ist. Eine wichtige Rolle spielt dabei seine Liebe zur Musik. Vor Kurzem veröffentlichte er einen eigenen Song. Für die Zukunft hat der 20-Jährige bereits konkrete Pläne: Er möchte ein Studium der Krankenpflege beginnen. Bis dahin will Giurbino seinen Kampf gegen die homophoben Angriffe in seinem Heimatort fortsetzen. Dort, so der junge Schwule, wählen diejenigen, die ihren Hass ausdrücken wollen, weiterhin die Anonymität der Wände.