Hass-Attacken auf Streeting Großbritanniens schwuler Verteidigungsminister erlebt Homopobie
Der britische Verteidigungsminister Wes Streeting (43) hat über die homophoben Anfeindungen gesprochen, denen er seit seinem Amtsantritt im Internet ausgesetzt ist. Er sprach von einem „unglaublichen Ausmaß“ an Beschimpfungen
Das Wichtigste im Überblick
- Verteidigungsminister Wes Streeting berichtet von einem „unglaublichen Ausmaß“ homophober Anfeindungen im Internet.
- Der offen schwule Politiker ist seit dem 20. Juli Verteidigungsminister Großbritanniens.
- Streeting sagt, manche Menschen könnten die Vorstellung eines schwulen Mannes an der Spitze des Verteidigungsministeriums nicht akzeptieren.
- Seine Ernennung hat vor dem Hintergrund des früheren „Schwulenverbots“ in den britischen Streitkräften besondere symbolische Bedeutung.
- Das Verbot für homosexuelle Menschen galt von den 1950er-Jahren bis 2000.
- Streeting war zuvor Gesundheitsminister und innerhalb der LGBTIQ+-Community unter anderem wegen der Politik zu Pubertätsblockern umstritten.
Verteidigung in schwulen Händen
Streeting, der offen schwul ist, wurde am 20. Juli in das Kabinett von Andy Burnham berufen. Vorausgegangen war der Rücktritt von Keir Starmer. Mit seiner Ernennung zum Verteidigungsminister gehört Streeting zu drei offen homosexuellen Ministern der neuen Regierung. Bei einer Veranstaltung im Rahmen des Edinburgh Fringe sagte Streeting, er habe den Eindruck, dass manche Menschen „nicht mit der Vorstellung umgehen können“, dass ein schwuler Mann das britische Verteidigungsministerium führt. Gleichzeitig betonte Streeting die historische Bedeutung seiner Ernennung. Innerhalb weniger Jahrzehnte habe sich der Umgang Großbritanniens mit LGBTIQ+-Menschen in den Streitkräften grundlegend verändert.
„Ich bin stolz darauf, dass wir zu meinen Lebzeiten weiterentwickelt haben, von der Einstellung, dass schwule Menschen nicht im Militär dienen dürfen, bis zu einem schwulen Verteidigungsminister“, sagte er gegenüber ITV News. Streeting erzählte zudem von einem schwulen Kollegen im Verteidigungsministerium. Dieser habe ihm während seiner ersten Woche im Amt gesagt, dass die Tatsache, dass Großbritannien nun erstmals einen offen schwulen Verteidigungsminister habe, für Menschen mit Erinnerungen an jene „schlechten alten Zeiten“ sehr viel bedeute.
Besondere Symbolik der Ernennung
Das britische Militär hatte in den 1950er-Jahren ein sogenanntes „Schwulenverbot“ eingeführt. Es blieb bis zum Jahr 2000 bestehen. Offen homosexuell lebende Menschen waren dadurch vom Dienst in den britischen Streitkräften ausgeschlossen. Für mehrere Generationen von schwul-lesbischen Militärangehörigen hatte die Regelung erhebliche Folgen. Betroffene wurden unter anderem entlassen, untersucht oder wegen ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert. Das Verteidigungsministerium erkannte die durch das Verbot verursachten Schäden später offiziell an. Außerdem wurde das LGBT Financial Recognition Scheme eingerichtet. Es soll ehemalige homosexuelle Angehörige der Streitkräfte unterstützen, die von der damaligen Regelung betroffen waren.
Streetings Amtsübernahme hat deshalb eine besondere symbolische Dimension. Nur 26 Jahre nach der Aufhebung des Verbots steht ein offen schwuler Mann an der Spitze des Ministeriums, das für die britischen Streitkräfte zuständig ist. Zu den Aufgaben des Ressorts gehören unter anderem die nationale Sicherheitspolitik, militärische Einsätze und die nukleare Abschreckung Großbritanniens.
Zeit als Gesundheitsminister
Streeting war zuvor fast zwei Jahre lang Gesundheitsminister unter Starmer. Im Mai verließ er Starmers Regierung, nachdem er erklärt hatte, das Vertrauen in dessen Führung verloren zu haben. Während seiner Amtszeit als Gesundheitsminister war Streeting teilweise eine umstrittene Figur innerhalb der LGBTIQ+-Community. Besonders die Einschränkungen der britischen Regierung beim Einsatz von Pubertätsblockern für trans* Jugendliche unter 18 Jahren sorgten für Kritik. Inzwischen hat Streeting seine erste Reise in die Ukraine als Verteidigungsminister erfolgreich absolviert.