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Auszeichnung für Aktivisten
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Auszeichnung für Aktivisten Harvard beruft Rémy Bonny für Menschenrechts-Fellowship

ms - 11.08.2026 - 12:30 Uhr
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Der belgische LGBTIQ+-Aktivist und Experte für internationale Beziehungen Rémy Bonny, Gründer der queeren Organisation Forbidden Colours, erhält eine renommierte Fellowship an der Harvard Kennedy School. Er wurde für die Global LGBTQI+ Human Rights Fellowship 2026–27 am Carr-Ryan Center for Human Rights ausgewählt. Eine Fellowship ist im akademischen und wissenschaftlichen Bereich eine Förder- oder Forschungsstelle.

Das Wichtigste im Überblick

  • Rémy Bonny erhält die Global LGBTQI+ Human Rights Fellowship 2026–27 an der Harvard Kennedy School.
  • Der Belgier ist erst der zweite Europäer mit dieser Fellowship nach dem früheren irischen Taoiseach Leo Varadkar.
  • Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen LGBTIQ+-Rechte, demokratischer Rückschritt, ausländische Einflussnahme und Rechtsstaatlichkeit.
  • Bonny will untersuchen, wie die EU ihre Rolle als glaubwürdige Verteidigerin von Demokratie und Menschenrechten stärken kann.
  • LGBTIQ+-Rechte sollen dabei als „verfassungsrechtlicher Stresstest“ für die europäische Demokratie dienen.
  • Trotz der Fellowship bleibt Bonny Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Forbidden Colours.
  • Sein Projekt soll in einen umfangreichen Essay über die Zukunft der europäischen Demokratie münden.

Fellowship in Harvard

Bonny ist Geschäftsführer der europaweit tätigen LGBTIQ+-Menschenrechtsorganisation Forbidden Colours. Mit seiner Berufung wird er erst der zweite Europäer, dem die Fellowship verliehen wird. Vor ihm erhielt der ehemalige irische Taoiseach Leo Varadkar die Auszeichnung. Im Zentrum von Bonnys bisheriger Arbeit stehen die Verbindung von LGBTIQ+-Rechten, demokratischem Rückschritt, ausländischer Einflussnahme und europäischer Rechtsstaatspolitik. Er hat sich insbesondere damit beschäftigt, wie ultrakonservative und antidemokratische Regierungen Angriffe auf LGBTIQ+-Menschen für innen- und außenpolitische Strategien nutzen.

„Es ist eine außergewöhnliche Ehre, der Harvard Kennedy School beizutreten“, sagte Rémy Bonny. „Aber ich sehe diese Fellowship in erster Linie als eine Gelegenheit, den Kampf für Demokratie und Menschenrechte in Europa zu stärken. Die Angriffe, die wir gegen LGBTIQ+-Menschen beobachten, sind zunehmend mit Angriffen auf unabhängige Institutionen, die Rechtsstaatlichkeit und die Demokratie selbst verbunden.“

Bonny hat sich in den vergangenen Jahren insbesondere mit den Verbindungen zwischen Anti-LGBTIQ+-Politik, Autoritarismus und ausländischer Einflussnahme beschäftigt. 2019 machte er eine koordinierte internationale Desinformationskampagne öffentlich, die von Russland gemeinsam mit der damaligen Regierung von Viktor Orbán in Ungarn geführt worden sein soll. Ziel seien LGBTIQ+-Gemeinschaften in verschiedenen europäischen Ländern gewesen. Seine Untersuchungen gehörten zu den frühen Arbeiten, die den Einsatz Anti-LGBTIQ+-Narrative im Zusammenhang mit ausländischer Einflussnahme und demokratischer Destabilisierung dokumentierten.

Engagement in Ungarn 

Später informierte Bonny nationale und europäische Politiker über subversive Aktivitäten und Desinformationskampagnen. Außerdem beriet er Regierungen und supranationale Institutionen zu Foreign Information Manipulation and Interference (FIMI) sowie zu Menschenrechtssanktionen. 2023 führte er eine Kampagne von Forbidden Colours an, die eine Koalition aus 16 EU-Mitgliedstaaten und dem Europäischen Parlament mobilisierte. Sie intervenierte im Verfahren gegen das ungarische Anti-Homosexuellen-Gesetz vor dem Gerichtshof der Europäischen Union. Das Verfahren endete mit einem wegweisenden Urteil aus dem Jahr 2026. Der Gerichtshof stellte darin erstmals eine eigenständige Verletzung von Artikel 2 des Vertrags über die Europäische Union fest, in dem die grundlegenden Werte der EU festgeschrieben sind.

„Die Europäische Union verfügt über starke rechtliche und politische Instrumente, um ihre Werte zu verteidigen, aber diese Instrumente sind nur dann von Bedeutung, wenn Regierungen bereit sind, sie einzusetzen“, sagte Bonny. „Meine Arbeit an der Harvard University wird untersuchen, wie Europa die Kluft zwischen den Werten, zu denen es sich international bekennt, und der Art und Weise schließen kann, wie es Demokratie und Grundrechte innerhalb seiner eigenen Grenzen schützt.“

Wie kann Europa demokratischer werden?

Während seiner Fellowship will sich Bonny mit der Frage beschäftigen, wie die EU angesichts des Wiedererstarkens autoritärer Kräfte ihre Rolle als glaubwürdige globale Verteidigerin von Demokratie und Menschenrechten zurückgewinnen kann. Geplant ist ein Essay in Buchlänge. Darin soll es um demokratischen Rückschritt, die selektive Anwendung des EU-Rechts und die Grenzen eines überwiegend marktwirtschaftlich ausgerichteten Modells der europäischen Integration gehen. Nach Bonnys Einschätzung haben diese Entwicklungen die politische Legitimität der EU geschwächt.

Eine besondere Rolle spielen in seinem Forschungsvorhaben die Rechte von LGBTIQ+-Menschen. Sie sollen als „verfassungsrechtlicher Stresstest“ für die europäische Demokratie betrachtet werden. Als Fallbeispiele sind unter anderem Ungarn, Polen, Georgien und Serbien vorgesehen. Auch Bonnys eigene Erfahrungen aus europäischer Politik und Menschenrechtsarbeit sollen in die Untersuchung einfließen. Ziel ist es, Reformen zu identifizieren, mit denen demokratische Schutzmechanismen, die Durchsetzung der Rechtsstaatlichkeit und der Grundrechtsschutz in Europa gestärkt werden könnten.

„Wenn Europa glaubwürdig sein will, wenn es Demokratie in Georgien, der Ukraine oder anderswo auf der Welt verteidigt, muss es gleichermaßen entschlossen sein, Demokratie und Grundrechte innerhalb der Europäischen Union zu verteidigen“, sagte Bonny. „LGBTIQ+-Rechte sind ein besonders aufschlussreicher Test dafür, ob unsere Institutionen bereit sind, ihre eigenen Verfassungsgrundsätze zu verteidigen, wenn dies politisch schwierig wird.“

Zukunft von Forbidden Colours

Trotz seines Aufenthalts an der Harvard Kennedy School will Bonny seine bisherige Tätigkeit fortsetzen. Während der gesamten Fellowship bleibt er Geschäftsführer von Forbidden Colours. Damit soll die wissenschaftliche Arbeit an der Harvard University mit seiner politischen und menschenrechtlichen Arbeit in Europa verbunden werden. „Ich ziehe mich nicht von Forbidden Colours zurück“, so Bonny. „Die Fellowship gibt uns die Möglichkeit, das, was wir vor Ort in Europa erleben, mit einigen der weltweit führenden wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Demokratie und Menschenrechten zu verbinden – und diese Erkenntnisse zurück in die europäische Politik zu tragen.“

Rémy Bonny wurde in Belgien geboren und wuchs dort auf. Er studierte Politikwissenschaft an der Vrije Universiteit Brussel (VUB) und erwarb dort Bachelor- und Masterabschlüsse. Hinzu kommt ein European Master in Human Rights and Democratisation des Global Campus of Human Rights. Er ist Menschenrechtsaktivist und Experte für internationale Beziehungen. Als Geschäftsführer von Forbidden Colours setzt er sich europaweit für Menschenrechte und Demokratie für LGBTIQ+-Menschen ein. Bonny hielt zudem Vorträge unter anderem an der Harvard University und der HEC Paris.

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