Lizzie Borden kehrt zurück Ryan Murphys neuer Genie-Streich über eine lesbische Killerin
Die Netflix-Serie „Monster“ bekommt eine neue Staffel – und erstmals steht eine Frau im Mittelpunkt der Anthologie über reale Kriminalfälle. „Monster: The Lizzie Borden Story“ startet am 17. September im Streamingdienst und erzählt die Geschichte der US-Amerikanerin Lizzie Borden, die Ende des 19. Jahrhunderts beschuldigt wurde, ihre Eltern mit einer Axt getötet zu haben.
Das Wichtigste im Überblick
- Netflix startet am 17. September die vierte Staffel der Anthologie-Serie „Monster“.
- „Monster: The Lizzie Borden Story“ widmet sich erstmals in der Reihe einer weiblichen Hauptfigur.
- Ella Beatty spielt Lizzie Borden, die 1892 des Mordes an ihren Eltern beschuldigt wurde.
- Die Serie stammt von Ryan Murphy und basiert auf dem Roman von Bret Easton Ellis.
- Die Handlung greift auch die Frage nach weiblicher Unterdrückung, Macht und homosexuellen Deutungen der historischen Figur auf.
Der Fall Lizzie Borden
Die Hauptrolle übernimmt Ella Beatty. Die 26-jährige Tochter von Annette Bening und Warren Beatty wurde 2024 durch ihre Rolle in „Feud: Capote vs. The Swans“ bekannt und verkörpert nun eine der berühmtesten Figuren der amerikanischen Kriminalgeschichte. Der Fall Lizzie Borden beschäftigt die Öffentlichkeit seit mehr als 130 Jahren. Ein bis heute bekannter US-Kinderreim fasst die damaligen Vorwürfe zusammen: “Lizzie Borden took an axe, and gave her mother forty whacks; When she saw what she had done, she gave her father forty-one”(„Lizzie Borden nahm eine Axt und versetzte ihrer Mutter 40 Schläge. Als sie sah, was sie getan hatte, gab sie ihrem Vater 41 Schläge.“). Borden, die aus Massachusetts stammte, wurde 1892 beschuldigt, ihre Eltern ermordet zu haben. Später wurde sie in einem landesweit beachteten Prozess freigesprochen.
„Komplexe Person“ im Mittelpunkt
Ella Beatty erklärte gegenüber der Netflix Fanplattform Tudum, sie freue sich darauf, die Geschichte und die offenen Fragen rund um Lizzie Borden neu zu beleuchten. „Ich freue mich sehr darauf, dass die Zuschauer unsere Auseinandersetzung mit der Geschichte von Lizzie Borden und den Fragen entdecken können, die ihr Leben bis heute aufwirft“, so Beatty. Die Schauspielerin beschrieb die Arbeit an der Rolle als besondere Erfahrung: „Es war ein Traum, die Psychologie dieser so komplexen Person zu erforschen und ein amerikanisches Verbrechen zu untersuchen, das durch seine Dimensionen beinahe mythisch wirkt.“ Zudem betonte sie: „Diese Staffel stellt uns unseren ersten weiblichen Monster-Fall vor und beschäftigt sich mit weiblicher Wut und Unterdrückung – Themen, die ich unglaublich aktuell finde. Ich kann es kaum erwarten, sie mit der Welt zu teilen!“
Rache und ungelöste Morde
Die offizielle Beschreibung der Serie zeichnet ein düsteres Bild: Im Zentrum steht die Tochter einer wohlhabenden Familie aus Neuengland, die gemeinsam mit einer rebellischen Hausangestellten in einem von Demütigung und Grausamkeit geprägten Umfeld lebt. „Als die unterdrückte Tochter einer wohlhabenden Familie aus Neuengland und ihre rebellische Hausangestellte in einem Haus gefangen sind, das auf Demütigung und Grausamkeit aufgebaut ist, flüchten sie sich in eine Fantasie aus Sex, Macht und Rache.“ Die Serie erzählt weiter: „Die grausamen ungelösten Morde, die darauf folgen, erschüttern nicht nur die Welt, sondern erschaffen auch eine Ikone, die sich weigert, in einem Käfig zu leben, und stattdessen ihre eigene Legende formt: schockierend, monströs und glorreich frei.“
Prozess mit weltweiter Aufmerksamkeit
Am 4. August 1892 wurden Andrew und Abby Borden brutal ermordet aufgefunden. Der Prozess gegen Lizzie Borden sorgte anschließend landesweit für Schlagzeilen. Nach 15 Tagen sprach die Jury sie trotz belastender Hinweise in beiden Mordfällen frei. Damals spielte auch das gesellschaftliche Frauenbild eine Rolle. Viele Menschen hielten es für kaum vorstellbar, dass eine Frau wie Lizzie Borden ein solches Verbrechen begehen könne. Gleichzeitig verwiesen Kritiker auf Widersprüche in ihren Aussagen und auf mögliche belastende Indizien. Nach dem Freispruch erbte Borden gemeinsam mit ihrer Schwester das Vermögen ihres Vaters. Die Vorwürfe begleiteten sie jedoch ihr Leben lang. Sie änderte ihren Namen, wurde aber weiterhin erkannt und gesellschaftlich gemieden. Lizzie Borden starb am 1. Juni 1927 im Alter von 67 Jahren in Fall River nahezu allein. Sie hatte keine Kinder und heiratete nie.
Homosexuelle Perspektive
Ob Lizzie Borden lesbisch war, ist historisch nicht eindeutig belegt, viele Historiker gehen allerdings inzwischen davon aus. Zudem gab es in späteren künstlerischen Darstellungen entsprechende Interpretationen. Der Film „Lizzie“ aus dem Jahr 2018 mit Chloë Sevigny in der Hauptrolle deutete so eine mögliche Beziehung zwischen Borden und Bridget Sullivan an, der Hausangestellten der Familie, gespielt von Kristen Stewart. Auch der Krimiautor Ed McBain griff diese Idee in seinem Roman „Lizzie“ von 1984 auf und stellte die Vermutung an, Borden habe ihren Vater und ihre Stiefmutter getötet, nachdem sie beim Werben um Sullivan entdeckt worden sei.
Die offizielle Beschreibung von „Monster: The Lizzie Borden Story“, die von „Sex, Macht und Rache“ sowie einer „rebellischen Hausangestellten“ spricht, deutet darauf hin, dass die Serie diese homosexuelle Lesart aufgreifen könnte – das würde auch ganz dem Gusto von Mastermind Murphy entsprechen, auch wenn er in der Vergangenheit bereits dafür kritisiert wurde, durch seine Darstellungen von Tätern negative Stereotype über die LGBTIQ+-Gemeinschaft verstärkt zu haben. In der ersten Staffel der Monster-Reihe widmete er sich dem schwulen Serienkiller Jeffrey Dahmer.
Erfolgreiche Vorgänger der „Monster“-Reihe
Diese erste Staffel wurde zu einer der erfolgreichsten englischsprachigen Netflix-Serien und erreichte innerhalb der ersten 60 Tage eine Milliarde gestreamte Stunden. Außerdem erhielt sie 13 Nominierungen bei den Primetime Emmy Awards 2024 und gewann einen Emmy für Niecy Nash-Betts. Die zweite Staffel „Monsters: The Lyle and Erik Menendez Story“ beschäftigte sich mit den Brüdern Lyle und Erik Menendez, die 1996 wegen des Mordes an ihren Eltern verurteilt wurden. Die Staffel erhielt elf Emmy-Nominierungen. In der dritten Staffel „Monster: The Ed Gein Story“ stand Ed Gein im Mittelpunkt, dessen Fall zahlreiche Horrorfilme inspirierte. Die Serie erreichte weltweit 12,2 Millionen Abrufe innerhalb der ersten drei Tage und belegte in elf Ländern Platz eins der Netflix-Charts. „Monster: The Ed Gein Story“ erhielt sieben Nominierungen für die 78. Primetime Emmy Awards 2026, darunter für Charlie Hunnam und Laurie Metcalf.