Schwuler Kuss löst Protest aus Einkaufszentrum in Kolumbien entschuldigt sich für Verhalten
Ein harmloser Kuss in einem Einkaufszentrum in der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá hat eine Debatte über den Umgang mit LGBTIQ+-Menschen in öffentlichen Räumen ausgelöst. Ein junges schwules Paar erklärte, es sei von einem Sicherheitsmitarbeiter angesprochen und mit einem möglichen Verweis aus dem Einkaufszentrum konfrontiert worden, weil es sich flüchtig geküsst hatte.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein schwules Paar in Bogotá berichtet von einer Auseinandersetzung mit einem Sicherheitsmitarbeiter nach einem Kuss.
- Der Vorfall ereignete sich im Andino Shopping Center während der Aufnahme eines TikTok-Videos.
- Das Paar kehrte später mit Hunderten Unterstützern zurück und forderte Respekt und Gleichbehandlung.
- Das Einkaufszentrum räumte eine Diskriminierung ein und entschuldigte sich.
- Die Betreiber kündigten zusätzliche Schulungen für Sicherheitspersonal zu Vielfalt und Menschenrechten an.
Kiss-In-Protest nach Drohungen
Nach Angaben von Rodri Bastidas und seinem Freund Juan David ereignete sich der Vorfall im Andino Shopping Center, während die beiden einen TikTok-Trend filmten. Dabei hätten sie sich geküsst. Ein Sicherheitsmitarbeiter habe sie dann plötzlich darauf hingewiesen, dass sie das Einkaufszentrum sofort verlassen müssten, falls sie weiterhin ihre „Zuneigung in der Öffentlichkeit“ zeigen würden. Das Paar machte den Vorfall anschließend öffentlich. Statt den Ort zu meiden, kehrten Bastidas und Juan David wenige Tage später an den gleichen Ort zurück – diesmal begleitet von Hunderten Unterstützerinnen und Unterstützern mit Pride-Fahnen, Plakaten und Lautsprechern.
Bei der Aktion forderten sie Gleichbehandlung, Respekt und das Recht von LGBTIQ+-Paaren, ihre Zuneigung in der Öffentlichkeit ohne Angst zeigen zu können. Hunderte schwule und lesbische Paare machten es ihnen beim Kiss-In nach und küssten sich leidenschaftlich im Einkaufszentrum, um ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Hass zu setzen. Dazu riefen sie Slogans wie „Liebe ist kein Verbrechen“ oder auch „Sichtbarkeit ist unser Widerstand!“.
Einkaufszentrum erkennt Diskriminierung an
Das Andino Shopping Center erklärte später, dass das Paar diskriminiert worden sei. In einer offiziellen Stellungnahme teilte das Einkaufszentrum mit: „Nach der Überprüfung des Vorfalls kamen wir zu dem Schluss, dass das betroffene Paar kein Verhalten gezeigt hat, das die von unserem Sicherheitspersonal ausgesprochene Verwarnung gerechtfertigt hätte.“ Die Betreiber sprachen dem Paar eine „aufrichtige Entschuldigung“ aus. Zudem kündigten sie an, die Schulungen für alle Sicherheitskräfte zu den Themen Respekt, Inklusion, Vielfalt und Menschenrechte auszubauen. Besonders peinlich bleibt für das Einkaufzentrum dabei, dass es bereits 2019 einen ähnlichen Skandal erlebte – damals wurden zwei schwule Männer, die Händchen hielten, von einem homophoben Besucher verbal und körperlich angegriffen. Die herbeigerufene Polizei stellte dann allerdings dem schwulen Paar ein Bußgeld wegen „obszönen Verhaltens“ aus. Auch damals kam es anschließend zu einem Kiss-in als Protest.
Debatte über Sicherheit öffentlicher Orte
Der Fall sorgte in sozialen Netzwerken landesweit in Kolumbien für zahlreiche Reaktionen. Viele Menschen kritisierten den Umgang mit dem Paar und erklärten, ein einfacher Kuss dürfe niemals als Fehlverhalten behandelt werden. Zahlreiche Stimmen forderten, dass öffentliche Räume für alle Menschen offen und sicher sein müssten – unabhängig von der sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität.
Kolumbien gilt in Lateinamerika als eines der Länder mit vergleichsweise weitreichenden Rechten für homosexuelle Menschen. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften sind seit 2007 rechtlich anerkannt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare wurde 2016 durch das Verfassungsgericht ermöglicht, die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung ist gesetzlich verboten. Trotz dieser rechtlichen Fortschritte berichten LGBTIQ+-Organisationen weiterhin von Diskriminierung, Anfeindungen und Gewalt. Besonders außerhalb großer Städte erleben viele homosexuelle Menschen gesellschaftliche Vorbehalte, angefeuert von den Kirchen. Kolumbien hat bis heute eine der höchsten Mordraten bei homosexuellen Menschen weltweit.