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SPD-Abgeordnete Indria Chuda
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SPD-Abgeordnete Indira Chuda Leidenschaftliches Engagement für LGBTIQ+in der Hansestadt

ms - 31.07.2026 - 13:00 Uhr
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Die Hamburgerin Indira Chuda hat mehrere Leidenschaften – nebst viel Musik hören gehört das Motorradfahren definitiv auch dazu. Ebenso wie ihr Engagement für queere Menschen in der Hansestadt. Seit März 2025 ist sie SPD-Abgeordnete in der Hamburger Bürgerschaft. Eines macht ihr aktuell besonders große Sorgen – die steigende Hasskriminalität gegenüber LGBTIQ+-Menschen.  

Indira, Du setzt dich seit rund 20 Jahren für die Rechte queerer Menschen ein. Wie hat sich die Stimmung in Deutschland und speziell in Hamburg in dieser Zeit verändert? 

Ich empfinde es schon so, dass das Klima rauer geworden ist. Besonders nach Corona. Hier in Hamburg ist es viel besser als anderswo, aber auch hier ist die Zahl der Übergriffe gestiegen. Als ich vor circa 20 Jahren anfing, mich zu engagieren, kamen die Berichte von gewaltsamen Übergriffen in den meisten Fällen aus weiter entfernten Ländern. Dann kam es näher: Russland, Türkei, Serbien....

Viele sprechen derzeit von einem gesellschaftlichen „Rollback“ gegenüber der LGBTIQ+-Community. Teilst Du diesen Eindruck? 

Auf jeden Fall. Es bereitet mir große Sorgen, weil ich das Gefühl habe, dass wir uns gerade auf vielen Ebenen gesellschaftlich eher zurückentwickeln.   

Wo siehst Du die Hauptursachen für die zunehmende Gewalt gegenüber queeren Menschen? 

In den letzten Jahren ist die Stimmung irgendwie gereizter geworden. Auch in der Politik gibt es wieder Akteure, die sich lautstark einer hasserfüllten und menschenverachtenden Sprache bedienen, wie wir es nie für möglich gehalten hätten. Und anstatt zu sagen „Stopp, so wollen wir das nicht...“ heißt es von vielen: „Endlich mal einer, der sagt, wie's ist“. Dann wird aus Sprache irgendwann Taten.

Welche Rolle spielen soziale Medien bei dieser Entwicklung? 

Eine sehr große, wenn nicht sogar die Hauptrolle. Die Erfindung der Kommentarfunktion Ende der 90er Jahre war der Anfang vom Ende des Internets. Irgendwann haben die Hater diesen Raum entdeckt, in dem sie anonym ihren Hass auf Queere, Ausländer und Frauen rauslassen können und auch noch auf Gleichgesinnte treffen. Irgendwann kamen die professionellen Trolle dazu und hier sind wir nun.

Du bist nicht nur Politikerin, sondern auch Lehrerin. Beobachtest Du auch an Schulen Veränderungen im Umgang junger Menschen mit Vielfalt und sexueller Identität? 

Absolut. Es gibt hier zwei Extreme: Auf der einen Seite Schüler*Innen, die sich gegenseitig beim Coming-Out unterstützen und sich mit queeren Kids solidarisieren. Auf der anderen Fünftklässler (!), die mir ganz offen sagen: „Mein bester Freund darf auf keinen Fall schwul sein.“

Welche Verantwortung tragen Schulen dabei, Vorurteile abzubauen und Akzeptanz zu fördern? 

Die Hamburger Lehrpläne erwähnen ausdrücklich sexuelle Vielfalt, Geschlechteridentitäten und queere Familien. Und zwar fächerübergreifend, das heißt, nicht nur in Sexualkunde, sondern auch in der Demokratiebildung und Wertevermittlung. Die Umsetzung liegt bei uns Lehrer*Innen, und da hängt es natürlich immer auch davon ab, wie offen die Lehrpersonen selber mit dem Thema umgehen. 

Welche konkreten Maßnahmen braucht es, um Hasskriminalität gegen queere Menschen wirksamer zu bekämpfen? 

Die Polizei in Hamburg scheint mir auf einem sehr guten Weg zu sein. Seit  Jahren gibt es bereits Ansprechpersonen für LSBTIQ+. Inzwischen sogar als Fachstab beim LKA. Sie sind auf dem CSD vertreten, und auf einem der letzten CSD-Empfänge im Rathaus hat der Polizeipräsident sich klar zum Schutz der queeren Community und zur entschlossenen Bekämpfung von Queerfeindlichkeit bekannt. Die Führungsebene ist da also sehr klar auf unserer Seite. Jetzt kommt es darauf an, dass das auch wirklich von allen Polizist*Innen bis in die Randgebiete der Stadt so umgesetzt wird. Ganz anders sieht es in anderen Gegenden des Landes aus. Da habe ich Berichte gehört, wo die Betroffenen von der Polizei nicht ernst genommen werden. Wo abgewiegelt und vertröstet wird und der Eindruck entsteht, dass kein Interesse an Strafverfolgung besteht. Im Gegenteil: Die Täter werden aktiv geschützt.

Welche Verantwortung tragen Politik, Vereine und Unternehmen?

Die Politik kann Gesetze gegen Diskriminierung erlassen und entschlossen gegen Verstöße vorgehen. Vereine und Unternehmen können sich entsprechende Leitbilder geben und umsetzen. Und wir alle sind gefragt, wenn es darum geht, schon im kleinen Kreis zu widersprechen und gegenzuhalten, wenn sich jemand diskriminierend äußert. 

Gibt es Entwicklungen oder Initiativen, die dir Mut machen? 

Ich habe das Gefühl, dass die Zahl der "Allies", also der heterosexuellen Menschen, die uns unterstützen, nicht nur auf den CSDs größer wird. Viele, die sich bisher nicht geäußert haben, merken, wie wichtig gesellschaftlicher Zusammenhalt auch in dieser Frage ist. Die Initiative „Welcoming Out“ ist da ein tolles Beispiel. Unternehmen, die sich der Initiative anschließen, signalisieren damit Personen aus der Community, dass sie sich angstfrei outen können, wenn sie wollen.

Welche Botschaft würdest Du gerne jungen queeren Menschen in Hamburg mit auf den Weg geben? 

Lasst euch nicht unsichtbar machen. Kennt eure Rechte. Bildet Netzwerke beziehungsweise macht bei bestehenden Netzwerken (LSVD+, Lesbennetzwerk, QueerAmnety etc.) mit. Die Zeiten werden leider nicht einfacher und irgendwann sind die "alten" Vorkämpfer*Innen weg. Dann müsst ihr übernehmen.

Indira, vielen Dank für das Gespräch.

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