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Puppenalarm in Bochum
Foto: Peter Schütte
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Puppenalarm in Bochum Bauchredner Tim Becker im Interview

ms - 21.09.2026 - 15:30 Uhr
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Der schwule Bauchredner Tim Becker ist derzeit im Bochumer Variete et cetera zu Gast – inklusive seinen famosen Puppencharakteren und einem spektakulären Artistik-Ensemble. SCHWULISSIMO traf den Mann mit viel Bauchgefühl zum Gespräch. 

Tim, wer hat bei dir eigentlich das Sagen – du oder deine Puppen?

Ganz eindeutig die Puppen! Das ist auch das Konzept meiner Show. Ich habe da nicht viel zu melden und werde wie ein Ochse am Nasenring durch deren Welt gezogen.  

Was ist schwieriger: eine Puppe zum Reden zu bringen oder einen echten Menschen davon zu überzeugen, dass du gerade nicht mit dem Mund sprichst?

Die Puppen zum Reden zu bringen ist tatsächlich schwieriger. Die Technik an sich, zu reden, ohne die Lippen weitestgehend zu bewegen, ist gar nicht so schwer zu lernen. Aber das dann zusammen mit Puppenspiel, lustigem Text und Schauspiel zusammenzubringen, dass die Illusion eines eigenständigen Lebewesens entsteht, ist dann eine Herausforderung. 

Deine Puppen sind ziemlich schräge Typen. Wie viel von dir selbst steckt eigentlich in diesen Nervensägen?

Sooooooo viel. Jeder Charakter hat Marotten und Eigenarten, die auch bei mir selbst vorhanden sind. Sicherlich nicht alles, aber manches ist schon sehr nah dran. 

Wenn deine Puppen sich hinter deinem Rücken über dich unterhalten würden – was würden sie über ihren Bauchredner erzählen?

Ich glaube als erstes würden sie sich darüber beschweren, dass sie die ganze Zeit in muffigen Koffern rumliegen müssen, während der feine Herr Bauchredner es sich im Hotel gemütlich macht.  Und sie fragen sich, ob ich mir die Hände vorher desinfiziere, bevor ich mit der Hand in ihre Köpfe schlüpfe. Aber bestimmt auch so etwas wie „Ach eigentlich ist er ja auch ein lieber Kerl. Immerhin zahlt er pünktlich das Gehalt.“  

Deine Puppen haben ganz unterschiedliche Charaktere. Wenn du eine davon für 24 Stunden zum echten Menschen machen könntest – wen würdest du wählen und warum?

Da muss ich nicht lange überlegen: Meine Berliner Punkratte! Die ist frech, ungefiltert und trotzdem liebevoll. Mit der könnte man sich super unterhalten und aufgrund ihrer ungezwungene Art ne Menge erleben. Außerdem liebe ich den Berliner Dialekt und die kotterige Berliner Art.  

Wie entstehen deine Figuren: Sitzt du irgendwann mit einer Puppe am Frühstückstisch und denkst plötzlich: Du bist es!?

Ja, das ist auch schon vorgekommen! Ich hatte nämlich mal ein sprechendes Frühstücksei im Programm. Und ansonsten sind es Lebenssituationen, Gespräche mit Menschen, Beobachtungen aus dem Leben, die mich auf Ideen bringen. Als Beispiel: Mein Aggrohase. Ich habe mal einen Zauberer gesehen, der mit einem lebendigen Zauberhasen gezaubert hat. Da dachte ich mir: „Dem Tier geht es scheiße dabei! Was würde der jetzt wohl dazu sagen, wenn er reden könnte?“ 

Was war das Verrückteste, das eine deiner Puppen jemals auf der Bühne „gesagt“ hat – und bei dem du anschließend froh warst, dass die Puppe und nicht du dafür verantwortlich warst?

Es gab mal die Situation, wo ein Kind an den Bühnenrand kam und immer gegen einen Lautsprecher getreten hat. Die Eltern waren nicht zu sehen und auch auf Nachfrage von mir hat sich niemand zu erkennen gezeigt.  Irgendwann war das so nervig, dass die Zuschauer auch davon abgelenkt waren. Da hat der Hase gesagt „Hey Kind hier vorne!“ Das Kind guckte dann zum Hasen und freute sich. „Hör auf zu nerven, verzieh dich endlich UND SETZ DICH HIN!“. Das Kind ist dann heulend weggelaufen.  

Du verbindest Bauchrednerkunst, Comedy und Artistik. Wenn dein eigenes Leben ein Varietéprogramm wäre: Wäre es eher elegante Artistik oder kompletter Kontrollverlust?

Also erstmal ist mein Leben bereits wie eine Varietéshow, denn ich mache mir nichts daraus, wo Du her kommst, wen Du liebst, welche Hautfarbe Du hast, oder was für einen Status Du hast. Im Varieté ist das genauso. Es arbeiten Menschen unterschiedlichster Couleur und Herkunft friedlich zusammen. Für mich zählt der Mensch! Nur ein Arschloch solltest Du nicht sein und ob Du das bist, kannst Du dir sogar selbst aussuchen. Ansonsten wäre es aber eher weniger elegante Artistik, sondern eher so ein Jonglage-Akt, wo es ein Chaos mit einer gewissen Struktur gibt. Manchmal fällt etwas herunter, oder es passiert ein Fehler, aber am Ende geht es immer weiter. 

Du thematisierst deine Homosexualität auch öffentlich und humorvoll in den sozialen Medien. Wie sieht es um das Schwulsein oder die Queerness deiner Puppen aus? Ich denke da beispielsweise an das „homosensationelle“ Pony „Dandy Randy“.

Ja das stimmt! Ich thematisiere das hauptsächlich deswegen, da ich ja eine Person des öffentlichen Lebens bin und somit für Sichtbarkeit unserer Community sorgen kann. Außerdem möchte ich jungen Menschen ein Vorbild sein und zeigen, dass man sich nicht verstecken braucht. Zudem bieten sich manchmal auch schöne Jokes dazu an. Das Pony ist natürlich sogar sehr queer! Das ist ja das Thema des ganzen Charakters. Bei meiner Puppe, dem sprechenden Spermium, kommt das Thema ein bisschen durch, denn es weiß ja noch gar nicht, was es wird, oder wen es lieben wird.  Außerdem ist es mein Spermium und bemerkt irgendwann, dass sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes im Arsch ist. Bei allen anderen weiß man es nicht. Ausschließen würde ich es aber nicht. Da halte ich es dann, wie bei meiner Grundeinstellung: Es ist mir egal, wen Du liebst, oder auf wen Du stehst.  

Schwule Jungs sind gerade beim Dating manchmal auch sehr wortkarg. Wie sieht das bei dir aus? Würdest Du da beim Dating manchmal gern einspringen und für dein Gegenüber stellvertretend das Gespräch übernehmen wie bei deinen Puppen?

Das wäre dann eine seeeeehr seltsame Situation. Aber danke für diese Anregung! Ich glaube, da schreibe ich mal eine Comedynummer drüber.  Aber ich bin ein fröhlicher Mensch und interessiere mich für andere. Da ist es auch bei wortkargen Menschen dann eher ein Leichtes, ein Gespräch zum Laufen zu bringen. Da muss ich gar nicht für wen anderes einspringen. Außerdem braucht es bei manchen Dates ja auch nicht viele Worte. 

Das stimmt. Zum Schluss die wichtigste Frage: Wenn deine Puppen selbst dieses Interview führen dürften – welche Frage würden sie dir stellen, die dir garantiert unangenehm wäre?

Warum werden wir von innen eigentlich nie desinfiziert?  

Tim, vielen Dank für das Gespräch! 

PUPPENALARM!

Laufend bis 25. Oktober 2026

Mehr unter: variete-et-cetera.de

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