Grindr wächst weiter Schwule entscheiden sich für Premium statt Gratis
Trotz anhaltender Kritik an der App und zahlreicher neuer Konkurrenzangebote wächst Grindr weiter. Eine aktuelle Analyse kommt zu dem Schluss, dass die Strategie des Unternehmens aufgeht: Immer mehr Nutzer entscheiden sich für kostenpflichtige Abonnements, während die Konkurrenz Marktanteile verliert.
Das Wichtigste im Überblick
- Grindr steigert Umsatz und Zahl der zahlenden Nutzer deutlich.
- Laut Analyse wächst Grindr als einzige große börsennotierte Dating-App bei Premium-Abonnements.
- Kritiker werfen dem Unternehmen vor, die kostenlose Version zunehmend unattraktiv zu machen.
- Neue KI-Funktionen sollen weitere Nutzer zu kostenpflichtigen Angeboten bewegen.
- Mit rund 15 Millionen monatlich aktiven Nutzern bleibt Grindr die weltweit größte Dating-App für schwule Männer.
Deutliches Umsatzplus
Von den drei großen börsennotierten Dating-App-Anbietern verzeichne derzeit nur Grindr steigende Zahlen bei den zahlenden Nutzern. Die Match Group mit ihren Plattformen Tinder und Hinge sowie Bumble könnten dagegen nicht mehr wachsen. Der Finanzanalyst Gary Alexander schreibt auf der Plattform Seeking Alpha, es werde „immer deutlicher, dass Grindrs Nischenposition im Markt für schwule Dating-Apps dazu führt, dass die Nutzer eher bereit sind zu zahlen – insbesondere für neue Premium-Funktionen.“ Nach Unternehmensangaben stieg der Umsatz von Grindr im Vergleich zum Vorjahr um 38 Prozent und lag damit über den Erwartungen. Zum Ende des ersten Quartals zählte die App rund 1,4 Millionen zahlende Nutzer – ein Plus von 19 Prozent binnen eines Jahres. Zum Vergleich verlor die Match Group im selben Zeitraum nach Angaben der Analyse rund 318.000 zahlende Kunden. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Grindr mit einem Umsatz von mindestens 535 Millionen US-Dollar. Das wären 22 Prozent mehr als im Vorjahr.
Kostenlose Version in der Kritik
Seit längerer Zeit werfen Nutzer dem Unternehmen vor, die kostenlose Version der App immer stärker einzuschränken, um mehr Menschen zu einem kostenpflichtigen Abo zu bewegen. Die aktuellen Geschäftszahlen deuteten darauf hin, dass diese Strategie erfolgreich sei. Die Premium-Angebote reichen derzeit von Grindr Xtra für 149,99 US-Dollar pro Jahr bis zu Grindr Unlimited für 150 US-Dollar für sechs Monate. Besonders auf das neue Angebot Grindr Edge setzt das Unternehmen große Hoffnungen. Die derzeit noch getestete Version kostet je nach Modell zwischen 350 und 500 US-Dollar pro Monat. Mithilfe künstlicher Intelligenz soll Grindr Edge Gespräche zusammenfassen und passende Kontakte vorschlagen. Ziel sei es, die Partnersuche noch einfacher zu machen.
Kritik und Nutzung
In den USA hat der Erfolg von Grindr eine Debatte innerhalb der schwulen Community ausgelöst – eine Debatte mit vielen Fragezeichen. Viele Nutzer kritisierten Grindr öffentlich, würden die App aber dennoch weiter nutzen und sogar Geld dafür ausgeben. Bereits Anfang des Jahres hatte Finanzexperte Nick Wolny darauf hingewiesen: „Die Umsatzzahlen sagen etwas darüber aus, was schwule, bisexuelle und queere Männer behaupten zu wollen – und was sie tatsächlich kaufen und wofür sie ihr Geld ausgeben. Was ist uns wirklich wichtig, wofür sind wir bereit zu bezahlen – und warum?“ Als börsennotiertes Unternehmen müsse Grindr vor allem die Interessen seiner Aktionäre berücksichtigen. Die Nutzer entschieden letztlich selbst, wie sie ihre Zeit und ihr Geld investierten.
Marktführer trotz Konkurrenz
Als mögliche Risiken für das Unternehmen nennt die Analyse unter anderem verschärfte Anti-LGBTIQ+-Gesetze in mehreren Staaten Südostasiens. Gleichzeitig zeige dies aber auch, wie international Grindr inzwischen aufgestellt sei. Vor allem in ländlichen Regionen oder kleineren Städten sei die App für viele homosexuelle Männer oft die einfachste Möglichkeit, andere Schwule oder Bisexuelle kennenzulernen. Zwar gebe es mit Plattformen wie Sniffies, Scruff oder Jack'd Konkurrenz. Mit rund 15 Millionen monatlich aktiven Nutzern bleibe Grindr jedoch mit großem Abstand die weltweit wichtigste Dating-App für Männer, die Männer suchen.