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Sorge um Hanlan's Point
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Neue Sorge um Hanlan's Point Flughafen-Ausbau bedroht Kanadas ältesten Schwulenstrand

ms - 20.07.2026 - 15:00 Uhr
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Nach dem Pride-Wochenende zieht es viele Menschen traditionell an den Hanlan's Point Beach auf den Toronto Islands. Der Strand gilt als ältester bis heute bestehender Treffpunkt der schwulen Community in Kanada und ist seit Jahrzehnten ein wichtiger Rückzugsort für homosexuelle Menschen. Nun wird der Strand erneut bedroht

Das Wichtigste im Überblick

  • Ontario plant den Ausbau des Billy Bishop Toronto City Airport.
  • Kritiker befürchten erhebliche Folgen für den schwulen Kult-Strand Hanlan's Point.
  • Am Strand fand 1971 die allererste Pride-Veranstaltung Kanadas statt.
  • Geplant ist eine Verlängerung der Start- und Landebahn in den Ontariosee.
  • Umwelt-, Lärm- und Abwasserprobleme stehen im Mittelpunkt der Kritik.
  • Die Stadt Toronto investiert gleichzeitig in den Schutz und die Sanierung des Strandes.

Flughafen statt schwuler Kultstrand?

Die eine Gefahr wurde bereits im Juni publik, denn Wetter und Erosion bedrohen immer mehr den Kult-Strand, an dem 1971 die allererste Pride-Veranstaltung Kanadas stattfand. Bereits 75 Prozent des ursprünglichen Strandes sind bereits in den Fluten verschwunden, nun droht neues Unheil für den historischen und wichtigen Ort der Community: Premier Doug Ford will den Billy Bishop Toronto City Airport erweitern, sodass künftig größere und lautere Düsenflugzeuge starten und landen können. Hanlan's Point liegt nur wenige hundert Meter südlich des Flughafens. Bereits heute gehören Fluggeräusche zum Alltag am Strand. Gegner des Projekts befürchten jetzt jedoch deutlich gravierendere Auswirkungen.

„Wenn man sich den Bereich rund um den Flughafen anschaut, liegt Hanlan's Point direkt daneben“, sagte Norm Di Pasquale, Programmleiter der Initiative NoJetsTO: „Wenn der Flughafen vergrößert werden soll, ist das wahrscheinlich einer der ersten Orte, die gefährdet sind.“ Die Toronto Port Authority, die den Flughafen gemeinsam mit der Stadt Toronto und Transport Canada betreibt, beziffert die Kosten einer Erweiterung auf vier bis fünf Milliarden kanadische Dollar innerhalb von 25 Jahren. Nach dem Ausbau könnten jährlich rund zehn Millionen Passagiere abgefertigt werden.

Massive Umweltschäden 

Nach Angaben von Di Pasquale soll die Start- und Landebahn um 900 Meter in den Ontariosee hinein verlängert werden. „Sie wollen die Start- und Landebahn um 900 Meter in den Ontariosee hinein verlängern – das ist höher als der Burj Khalifa.“ Die Bauarbeiten hätten weitreichende Folgen. „Man braucht deutlich mehr Material als auf festem Boden. Das wird länger dauern, teurer werden und zu erheblich mehr Störungen führen“, sagte Di Pasquale. „Wir werden 25 Jahre lang unerträglichen Baulärm an unserer zentralen Uferpromenade haben.“

Neben dem Lärm warnt die Initiative auch vor ökologischen Auswirkungen. Brutgebiete von Vögeln könnten durch neue Flugrouten beeinträchtigt werden. Zudem verweist Di Pasquale auf Ergebnisse einer Umweltverträglichkeitsprüfung: „Die Umweltverträglichkeitsprüfung kam zu dem Ergebnis, dass es doppelt so lange dauern würde, bis Abwasser aus dem zentralen Uferbereich ausgespült wird.“ Nach Starkregen könne sich dadurch die Wasserqualität im Ontariosee verschlechtern. Einen konkreten Ausbauplan hat die Provinzregierung bislang nicht veröffentlicht. Mit dem Gesetz Bill 110 schuf sie jedoch die Möglichkeit, die Kontrolle über städtische Flughafenflächen zu übernehmen und das Gebiet als „Special Economic Zone“ auszuweisen.

Ein historischer Ort 

Torontos Bürgermeisterin Olivia Chow bezeichnete das Vorgehen als „Landnahme“ und sprach von einer „undemokratischen Überschreitung von Befugnissen“. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte den Vorschlag zunächst als „interessante“ Idee mit „großen Möglichkeiten“ bezeichnet, erklärte später jedoch, sich noch keine abschließende Meinung gebildet zu haben. Transport Canada hat inzwischen eine öffentliche Konsultation über die Zukunft des Flughafens gestartet. Der NDP-Abgeordnete Chris Glover fordert indes die Bundesregierung zum Eingreifen auf. „Wir brauchen keine Konsultation, um zu erkennen, dass das eine schlechte Idee ist“, sagte er. „Die Bundesregierung muss ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen in Toronto nachkommen und Doug Fords Übernahme des Flughafens und der Inseln stoppen.“

Für die Initiative Friends of Hanlan's geht es bei der Debatte um weit mehr als ein Bauprojekt. „Hanlan's ist seit fast einem Jahrhundert ein schwuler Ort“, sagte Mitgründer Travis Myers. „Es ist Kanadas ältester noch bestehender schwuler Ort und der historische Schauplatz der ersten Pride-Veranstaltung des Landes im Jahr 1971. Es ist ein kostenloser, barrierefreier Ort, an dem sich die gesamte Community treffen kann“, erklärte Myers. Viele andere Treffpunkte seien inzwischen kommerzialisiert.

Rettung des Kult-Strandes

Unabhängig von den Ausbauplänen will die Stadt Toronto den Strand langfristig sichern. Der Stadtrat beschloss im vergangenen Monat ein Programm gegen die fortschreitende Küstenerosion. Vorgesehen sind unter anderem 20.000 Kubikmeter neuer Sand für die Strandsaison 2027 sowie zusätzliche Pflanzungen im Wert von 400.000 Dollar. Nach Angaben des Büros der Bürgermeisterin soll außerdem ein langfristiges Konzept entwickelt werden, um den Strand aufzuwerten, die Natur zu schützen und die zukünftige Entwicklung gemeinsam mit Bürgerinitiativen zu gestalten.

Mit Blick auf Carneys Teilnahme an der Toronto Pride ergänzte Myers: „Wir haben gesehen, wie der Premierminister bei der Toronto Pride mitgelaufen ist und sich online solidarisch mit der Community gezeigt hat. Jetzt hat er die Gelegenheit, seinen Worten Taten folgen zu lassen und zu zeigen, wie der Schutz der queeren Gemeinschaft in der Praxis aussieht.“

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