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Aktivisten verlassen Kamerun
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Aktivisten verlassen Kamerun Flucht vor Anfeindungen, Geld für LGBTIQ+-Empowerment fehlt

ms - 24.08.2026 - 08:00 Uhr
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Die LGBTIQ+-Community in Kamerun erlebt eine beispiellose Krise. Der Weggang zahlreicher engagierter Führungspersönlichkeiten, sinkende Finanzmittel und fehlende institutionelle Unterstützung bedrohen das Überleben lokaler Initiativen und gefährdeten Erfolge, die über Jahre hinweg erkämpft worden seien, wie die queere Organisation 76crimes eindringlich warnt. Dazu kommt das verschärfte Anti-Homosexuellen-Gesetz, das Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren vorsieht. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Viele führende Aktivisten der LGBTIQ+-Community haben Kamerun verlassen oder ihre Arbeit aufgegeben.
  • Rund zehn LGBTIQ+-Rechtsaktivisten leben inzwischen in Europa und den USA, etwa zwanzig weitere haben ihre Funktionen in Yaoundé, Douala und Bertoua niedergelegt.
  • Nach einer Polizeirazzia wurde die Organisation Alternatives-Cameroun geschlossen. Rund 1.800 HIV-positive Menschen in Douala verloren dadurch den Zugang zu antiretroviraler Behandlung.
  • Internationale und lokale Fördermittel sind deutlich zurückgegangen.
  • Mehrere Organisationen mussten ihre Zentren schließen oder ihre Arbeit einstellen.
  • Aktivisten warnen vor zunehmender Isolation, Gewalt und Stigmatisierung sowie einem Rückfall bei bereits erreichten Fortschritten.
  • Gefordert werden unter anderem die Ausbildung neuer Führungskräfte, zusätzliche Finanzierungsquellen und sichere Anlaufstellen.

Aktivisten als Säulen des Widerstands

LGBTIQ+-Aktivisten seien die Stimmen, der Schutz und die treibende Kraft des Wandels gewesen, so der Verband weiter. Ihre Präsenz vor Ort habe die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Minderheiten, den Zugang zu Dialog- und Schutzräumen sowie die Möglichkeit zur Interessenvertretung bei Institutionen gesichert. Ihr Weggang – häufig durch erzwungenes Exil, Erschöpfung oder die Suche nach Sicherheit – hinterlasse eine erhebliche Lücke in den Strukturen der Community. Zu den jüngsten Verlusten zählen rund zehn LGBTIQ+-Rechtsaktivisten, die inzwischen in Europa und den USA leben. Zudem hätten etwa zwanzig Aktivisten ihre Funktionen aufgegeben, ohne Yaoundé, Douala oder Bertoua zu verlassen. Dort hatten sie zuvor jahrelang für die Community gearbeitet. 

Im vergangenen Jahr wurde nach einer Polizeirazzia außerdem die LGBTIQ+-Rechtsorganisation Alternatives-Cameroun geschlossen. Dadurch hätten in Douala rund 1.800 HIV-positive Menschen den Zugang zu antiretroviraler Behandlung verloren. Infolge der Schikanen legten Aktivisten ihre Arbeit nieder, anschließend schloss die Organisation ihre Türen. „Wir haben wichtige Persönlichkeiten verloren, darunter die mutigen Mitglieder von Alternatives Cameroun und viele andere, die uns inspiriert und beschützt haben. Heute fühlen sich junge Aktivisten allein und ohne Orientierung, und Angst durchdringt unsere Räume“, so Lobe, ein LGBTIQ+-Community-Leiter in Douala.

Weniger Geld für die Arbeit

Die Situation wird dem Bericht zufolge darüber hinaus durch eine Finanzkrise verschärft. Internationale und lokale Fördermittel, die bislang für Gesundheits-, Aufklärungs- und Lobbyprojekte unverzichtbar gewesen seien, seien stark zurückgegangen. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds sank die humanitäre Hilfe für Subsahara-Afrika 2025 gegenüber 2024 um etwa 42 Prozent. Frankreich reduzierte seine öffentliche Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2024 und 2025 um fast elf Prozent – ein Rückgang um 1,7 Milliarden US-Dollar. Organisationen hätten zunehmend Schwierigkeiten, ihre Aktivitäten aufrechtzuerhalten, und müssten ihre Möglichkeiten zur Unterstützung der Community drastisch einschränken. 

Die queere Organisation Transigeance in Yaoundé schloss demnach ihr Zentrum wegen fehlender finanzieller Mittel. In Bafoussam verschwand der LGBTIQ+-Verband Association of Young People of the West. „Die Geldgeber ziehen sich nach und nach zurück. Wir haben nicht mehr die Mittel, Workshops zu organisieren oder diejenigen zu unterstützen, die festgenommen wurden. Die Community stirbt in aller Stille“, betont Eko, ein LGBTIQ+-Community-Leiter in Yaoundé und ergänzt: „Ohne Unterstützung sind wir Gewalt und Stigmatisierung ausgesetzt. Die Finanzierung reicht nicht mehr aus, und viele geben den Kampf auf. Dabei hängt unser Leben von diesem Kampf ab.“ Als direkte Konsequenzen nennt der Bericht eine geschwächte Interessenvertretung, weniger Angebote im Bereich Gesundheitsversorgung, Prävention und sichere Räume sowie eine zunehmende Isolation. Mitglieder der Community fühlten sich verlassen und unsichtbar. Zudem seien die durch jahrelange Kämpfe erreichten Fortschritte von einem Rückschritt bedroht.

Neue Führungskräfte und Geldquellen

Um zu verhindern, dass die LGBTIQ+-Community verstummt, sei eine Strategie zur Wiederbelebung ihrer Strukturen notwendig, heißt es weiter. Zunächst müssten lokale Kapazitäten gestärkt und neue Führungspersönlichkeiten ausgebildet werden. Workshops für junge Aktivisten könnten ihnen Kenntnisse in Interessenvertretung, Projektmanagement und Kommunikation vermitteln. Damit ließe sich die Lücke schließen, die durch ins Exil gezwungene Aktivisten entstanden sei. Zudem müssten die Finanzierungsquellen stärker diversifiziert werden, um die Abhängigkeit von traditionellen Geldgebern zu verringern. Neben internationalen Fördermitteln könnten Partnerschaften mit lokalen Unternehmen, die sich für Menschenrechte einsetzen, oder Online-Spendenkampagnen für mehr finanzielle Stabilität sorgen.

Darüber hinaus seien dauerhafte Unterstützungsstrukturen notwendig, um die Fortführung von Initiativen zu gewährleisten und Aktivisten zu schützen. Denkbar seien sichere Community-Zentren mit Treffpunkten, psychosozialer Unterstützung und rechtlicher Beratung. Solche Einrichtungen könnten marginalisierten Menschen als Zufluchtsort und Anlaufstelle dienen. Schließlich müssten regionale und internationale Netzwerke gestärkt werden, um die Arbeit vor Ort zu unterstützen und den Druck auf Institutionen aufrechtzuerhalten. Transnationale Bündnisse könnten Lobbykampagnen mit afrikanischen und internationalen Organisationen koordinieren und zugleich technische und finanzielle Unterstützung für lokale Organisationen bereitstellen.

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