Kritik an der US-Polizei Häufigere Kontrollen für trans* Menschen in Kalifornien?
Menschen, die von Polizeibeamten als trans* Person wahrgenommen werden, werden in Kalifornien häufiger durchsucht und festgenommen als andere Menschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Williams Institute an der UCLA School of Law und der University of California, Irvine.
Das Wichtigste im Überblick
- Eine neue Studie des Williams Institute an der UCLA School of Law und der University of California, Irvine, untersuchte Polizeikontrollen in Kalifornien.
- Grundlage sind Daten aus dem Jahr 2023 mit 4,6 Millionen Fußgänger- und Fahrzeugkontrollen.
- Darunter waren 17.916 Kontrollen von Menschen, die von Polizeibeamten als trans* oder geschlechtsnichtkonform wahrgenommen wurden.
- Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass diese Personen häufiger durchsucht und festgenommen werden als andere Menschen.
- Die Rate beim Auffinden verbotener Gegenstände war zwischen den Gruppen jedoch nahezu gleich.
Wahrnehmung des Geschlechts
Die Untersuchung basiert auf Daten aus dem Jahr 2023. In diesem Zeitraum meldete die Polizei in Kalifornien 4,6 Millionen Kontrollen von Fußgängern und Fahrzeugen, bei denen es sich um Personen handelte, die von den Beamten als erwachsen wahrgenommen wurden. Darunter befanden sich 17.916 Kontrollen von Menschen, die als trans*oder geschlechtsnichtkonform wahrgenommen wurden. Die Forscher nutzten Daten aus dem kalifornischen Racial and Identity Profiling Act. Das Gesetz verpflichtet Polizeibeamte dazu, ihre subjektive Wahrnehmung jeder Person zu dokumentieren, die sie kontrollieren. Die Studie untersuchte unter Berücksichtigung von Faktoren wie Alter und ethnischer Zugehörigkeit, welchen Einfluss die Wahrnehmung des Geschlechts einer Person auf Durchsuchungen und Festnahmen bei Verkehrs- und Personenkontrollen hat.
„Polizeiarbeit ist grundsätzlich von Ermessensentscheidungen geprägt, und die Wahrnehmung der Menschen, denen Polizeibeamte begegnen, beeinflusst alle Entscheidungen – von der Frage, wen sie anhalten und durchsuchen, bis hin dazu, ob eine Kontrolle zur Anwendung von Gewalt oder zu einer Festnahme eskaliert“, so Studienautor Jordan Grasso, Research Data Analyst am Williams Institute. Grasso erklärte weiter: „Die Polizei setzt häufig normative Vorstellungen von Geschlecht durch und unterzieht alle Menschen, die diese Normen scheinbar durchbrechen – unabhängig von ihrer tatsächlichen Geschlechtsidentität – einer verstärkten Überwachung und Bestrafung.“
Durchsuchungen bei queeren Menschen
Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen deutliche Unterschiede bei den Durchsuchungsraten. Rund ein Viertel der Menschen, die als trans* Männer oder Frauen wahrgenommen wurden, wurde durchsucht (24 Prozent). Zum Vergleich: Bei Männern, die als „nicht trans*“ wahrgenommen wurden, lag der Anteil bei 14 Prozent, bei Frauen sogar nur bei acht Prozent. Menschen, die als geschlechtsnichtkonform wahrgenommen wurden, wurden in elf Prozent der Fälle durchsucht.
Gleichzeitig unterschieden sich die Ergebnisse der Durchsuchungen kaum. Von den insgesamt 576.735 Durchsuchungen im Jahr 2023 lagen die Raten beim Auffinden verbotener Gegenstände in den verschiedenen Gruppen nah beieinander. Bei etwa 27 Prozent der Personen fanden Polizeibeamte verbotene Gegenstände – unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.
Höhere Festnahmeraten
Auch bei Festnahmen stellte die Studie Unterschiede fest. Etwa jede fünfte Person, die als trans* wahrgenommen wurde, wurde während einer Polizeikontrolle festgenommen. Bei anderen Menschen lag die Festnahmerate dagegen bei zehn Prozent. Die Forscher sehen darin Hinweise darauf, dass nicht allein das Vorhandensein verbotener Gegenstände oder konkrete Situationen die polizeilichen Entscheidungen erklären. Auch die Wahrnehmung von Geschlecht durch Polizeibeamte könne eine Rolle spielen.