Direkt zum Inhalt
Amnesty kritisiert J.K. Rowling
ANZEIGE

Amnesty kritisiert J.K.Rowling Verein betont Menschenrechte und zielt auf schottische Hilfseinrichtung ab

ms - 13.07.2026 - 13:00 Uhr
Loading audio player...

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Großbritannien hat das von der britischen Autorin J. K. Rowling gegründete Krisenzentrum Beira’s Place als „rechtefeindlich“ („anti-rights“) eingestuft. Die Einrichtung steht damit in einem Bericht der Organisation über Gruppen und Akteure, denen Amnesty eine Einschränkung von Menschenrechten vorwirft.

Das Wichtigste im Überblick

  • Amnesty International UK bezeichnet Beira’s Place als Teil einer „Anti-Rights“-Bewegung.
  • Das Zentrum in Edinburgh wurde 2022 von J. K. Rowling gegründet.
  • Die Einrichtung bietet Frauen Unterstützung nach sexueller Gewalt.
  • Amnesty kritisiert eine zunehmende Einschränkung von Frauen- und LGBTIQ+-Rechten in Großbritannien.
  • Beira’s Place wird in einem Bericht unter dem Bereich „Gender Critical“ aufgeführt.

Rowling gegründetes Hilfszentrum

Beira’s Place in Edinburgh wurde 2022 von Rowling gegründet. Nach eigenen Angaben soll das Zentrum „praktische und emotionale Hilfe für Frauen in einer sicheren und unterstützenden Umgebung“ anbieten. Die Einrichtung beschreibt sich als „women-only“-Zentrum, also ein Angebot ausschließlich für Frauen, und erklärt, nach dem britischen Gleichstellungsgesetz Equality Act 2010 zu arbeiten. Das britische Oberste Gericht hatte 2025 in einem Grundsatzurteil entschieden, dass sich die gesetzlichen Begriffe „Frau“ und „Geschlecht“ im Equality Act auf das „biologische Geschlecht“ beziehen.

Die Bewertung der Menschenrechtsorganisation erfolgte jetzt im Rahmen des neuen Amnesty-Bericht mit dem Titel „ „Eine wachsende Bedrohung: Die rechtefeindliche Bewegung im Vereinigten Königreich“. Darin beschäftigt sich die Organisation mit einer aus ihrer Sicht zunehmenden Gefährdung von Frauen- und LGBTIQ+-Rechten in Großbritannien. „Um den Aufstieg einer anti-rechtefeindlichen Bewegung zu verstehen, die sich gegen die Rechte von Frauen und LGBTIQ+ Menschen im Vereinigten Königreich richtet, ist es wichtig, diesen innerhalb des größeren Zusammenhangs eines allgemeinen Rückgangs des Schutzes der Menschenrechte zu betrachten“, heißt es in der Zusammenfassung des Berichts.

Einschränkung von Menschenrechten?

Amnesty verweist darin auch auf politische Entwicklungen. „Aufeinanderfolgende Regierungen haben Gesetze eingeführt, die die Rechte auf Protest und Freiheit der Versammlung erheblich einschränken und haben zunehmend restriktive Einwanderungs- und Asylgesetze verabschiedet, die Bedenken hinsichtlich der Einhaltung der internationalen rechtlichen Verpflichtungen des Vereinigten Königreichs aufwerfen.“ In dem Bericht listet Amnesty sogenannte „Anti-Rights Actors“ auf. Darunter versteht die Organisation „formelle oder informelle Gruppen, Einzelpersonen sowie private und staatliche Akteure, deren Ziel es ist, Menschenrechte einzuschränken, indem sie den Schutz der Menschenrechte in Gesetzen und in der Praxis untergraben“.

Die Organisation erklärt weiter: „Einige dieser Gruppen beschreiben sich selbst als ‚anti-gender‘, weil sie sichtbar gegen die Rechte und Gleichstellung von Frauen und LGBTIQ+- Menschen sind. Indem sie jedoch Frauen und LGBTIQ+-Menschen ins Visier nehmen, stellen sie auch ein grundlegendes Menschenrechtsprinzip infrage: dass Menschenrechte für alle gleichermaßen gelten.“ Zudem heißt es in dem Bericht: „Menschenrechte sind miteinander verbunden und verstärken sich gegenseitig. Wenn die Rechte einer Gruppe eingeschränkt werden, können auch die Schutzmaßnahmen für andere geschwächt werden, selbst wenn die Auswirkungen nicht sofort sichtbar sind.“

Beira’s Place sei „Gender Critical“

Am Ende des Berichts führt Amnesty eine Liste von Organisationen auf, die nach Einschätzung der Menschenrechtsorganisation als „anti-rights organisations“ gelten. Beira’s Place wird dort im Abschnitt „gender critical“ („geschlechterkritisch“) gemeinsam mit Gruppen wie der LGB Alliance, For Women Scotland und Sex Matters genannt. Amnesty führt weitere Kategorien sogenannter „anti-rights actors“ auf. Dazu gehören unter anderem Organisationen aus den Bereichen Anti-Abtreibung, christlich-rechte Politik und Interessenvertretung sowie sogenannte Konversionspraktiken. 

Die Einstufung von Beira’s Place steht im Zusammenhang mit der anhaltenden gesellschaftlichen Debatte in Großbritannien über Geschlechtsidentität, Frauenrechte und den Schutz von LGBTIQ+-Menschen. Harry Potter-Autorin J. K. Rowling steht seit Jahren in der Kritik vieler queerer Organisationen und insbesondere von trans* Aktivisten, die ihr vorwerfen, mit ihren Äußerungen über Geschlechtsidentität trans* Menschen auszugrenzen. Unterstützer hingegen sehen sie als wichtige Stimme für den Schutz geschlechtsbezogener Frauenrechte und begrüßen ihr Engagement für Räume und Angebote, die ausschließlich „biologischen Frauen“ vorbehalten sind.

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Synchronschwimmer Milan Violon

Homophober Hass wird zur Stärke

Der französische Synchronschwimmer Milan Violon will sich von homophoben Angriffen nicht stoppen lassen und träumt von Olympia.
Der „Gym-Penis“ ist real

Großes Training, kleiner Penis

Nach intensivem Training kann der Penis vorübergehend kleiner wirken, der sogenannte "Gym Penis", über den die New York Post berichtete. Doch warum?
Giuliani attackiert Mamdani

Fake News über queere Kinder

New Yorks Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani wetterte gegen seinen Nachfolger Zohran Mamdani und seine Kinderbetreuungspläne, die queer machen sollen.
Ende von Gesichtsscannern

Kehrtwende in US-Schwulenbars

Mehrere Schwulenbars in San Francisco verzichten nach massiver Kritik aus der Community vorerst doch auf Gesichtsscanner am Eingang.
Hass-Attacken auf Streeting

Schwuler Minister unter Beschuss

Großbritanniens schwuler Verteidigungsminister Wes Streeting berichtet von massiven homophoben Anfeindungen und verweist auf den Wandel im Militär.
Auszeichnung für Aktivisten

Europas Demokratie im Fokus

Der belgische LGBTIQ+-Aktivist Rémy Bonny (Forbidden Colours) erhält eine renommierte Harvard-Fellowship und will Europas Demokratieschutz untersuchen
Homophobe Schmierereien

Junger Italiener wird zum Vorbild

Ein 20-Jähriger Schwuler aus Norditalien wehrt sich öffentlicht gegen wiederholte homophobe Schmierereien und wird viral zum Vorbild der Community.
Bumerang in der US-Politik

„Grooming“ in der eigenen Familie

Das Karma schlägt zurück: US-Abgeordnete Lauren Boebert wetterte gegen Schwule, die Kinder verführen würden. Nun wurde ihr Sohn deswegen angeklagt.
Immer mehr Essstörungen

Klinik-Behandlungen nehmen zu

2024 wurden in Deutschland 12.400 Menschen wegen Essstörungen stationär behandelt, ein erneuter Anstieg. Besonders betroffen sind LGBTIQ+-Jugendliche.