Synchronschwimmer Milan Violon Erster Franzose im Team mit Ziel Olympia 2028
Milan Violon ist auf dem Weg, Geschichte zu schreiben. Der 17-Jährige wurde kürzlich zum ersten Mann, der Frankreich bei einem großen Wettbewerb im Synchronschwimmen vertrat. Bei den Europameisterschaften im Wassersport in Paris trat er mit dem französischen Team im freien Programm an. Die achtköpfige Mannschaft belegte den fünften Platz.
Das Wichtigste im Überblick
- Der 17-jährige Milan Violon ist der erste Franzose, der Frankreich bei einem großen Wettbewerb im Synchronschwimmen vertreten hat.
- Bei den Europameisterschaften in Paris erreichte sein achtköpfiges Team im freien Programm den fünften Platz.
- Nach seinem Auftritt wurde Violon im Internet mit homophoben und diskriminierenden Kommentaren angegriffen.
- Der junge Sportler sagt, er nutze die Beschimpfungen als „Stärke“ und werde nicht aufgeben.
- Sein nächstes großes Ziel sind die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles.
- Auch andere männliche Synchronschwimmer wie Ranjuo Tomblin, Filippo Pelati und Dennis Gonzalez sorgen international für Aufmerksamkeit.
Welle von homophoben Hass
Der historische Auftritt wurde allerdings von einer Welle homophober und diskriminierender Kommentare im Internet überschattet. Die auf Synchronschwimmen spezialisierte Website Inside Synchro schrieb: „Es hätte ausschließlich ein Moment des Feierns sein sollen, und einer, über den die französischen Medien zu Recht berichtet hätten. Leider wurde dieser Moment schnell durch eine Welle hasserfüllter, homophober Kommentare und Cybermobbing in den sozialen Medien überschattet.“
Synchronschwimmen gilt traditionell noch immer als Frauensport. Violon war in Paris allerdings keineswegs der einzige männliche Teilnehmer, der traditionelle Grenzen durchbrach. Griechenland setzte Stylianos Koukouselis ein, Israel schickte Yogev Dagan ins Rennen. Auch bei den Männer- und Mixed-Wettbewerben sorgten weitere Athleten für starke Leistungen. Der Brite Ranjuo Tomblin gewann vier Goldmedaillen. Der Italiener Filippo Pelati holte drei Silbermedaillen und eine Bronzemedaille. Der Spanier Dennis Gonzalez gewann zwei Silbermedaillen. Nach dem Wettbewerb schrieb Gonzalez auf Instagram: „Ich bin glücklich, Teil einer Gruppe zu sein, die in unserem Sport Geschichte schreibt.“
„Ich werde nicht aufgeben!“
Dass er selbst zum Ziel homophober Angriffe wurde, will Violon nicht zum Anlass nehmen, seine Karriere infrage zu stellen. Sein Blick richtet sich vielmehr auf die Zukunft – und auf die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028. Noch vor den vergangenen Olympischen Spielen hatten das Internationale Olympische Komitee und World Aquatics die Regeln geändert, um Männern die Teilnahme am olympischen Synchronschwimmen zu ermöglichen. Danach durften bis zu zwei Männer in einem achtköpfigen Team antreten.
Bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris hatte allerdings kein qualifiziertes Nationalteam einen männlichen Athleten in seinen endgültigen Kader aufgenommen. In diesem Olympiazyklus sind nun mehrere Männer vertreten. Im Gespräch mit dem französischen Nachrichtenportal 20minutes sagte Violon: „Ehrlich gesagt werden mich diese Kritiken nicht dazu bringen, meinen Sport aufzugeben. Als ich angefangen habe, hätte ich mir nie vorstellen können, eines Tages Teil des französischen Teams zu sein. Deshalb bin ich dankbar. Aber ich bin auch sehr stolz darauf, der Erste zu sein. Ich werde bis zum Ende weitermachen und versuchen, meine Ziele zu erreichen. Ich werde nicht aufgeben!“
Hass in Stärke verwandeln
Violon, der im November 18 Jahre alt wird, zeigt sich trotz der Anfeindungen selbstbewusst. „„Ich nutze diese Kommentare als Stärke. Wir streben Los Angeles 2028 an oder, falls wir warten müssen, Brisbane 2032. Das ist normal, ich bin im Vergleich zum Rest der Gruppe jung“, erklärte er. Auch andere junge Männer möchte er dazu ermutigen, Sportarten auszuprobieren, die traditionelle Geschlechterrollen infrage stellen. „Man muss es versuchen, man darf keine Angst haben anzufangen. Ja, es wird schlechte Menschen geben. Aber wenn man ein gutes Unterstützungssystem hat, wird das zu einer Stärke, um noch mehr zu geben. Man darf einfach nicht aufgeben.“
Mit offenen Armen empfangen
Violons Erfahrungen stehen beispielhaft für die Situation männlicher Pioniere im Synchronschwimmen. Der offen schwule deutsche Synchronschwimmer Frithjof Seidel, der seine Karriere inzwischen beendet hat, sprach mit dem Berliner Tagesspiegel über seine Erfahrungen. Seidel wechselte 2020 vom Turmspringen zum Synchronschwimmen. Drei Jahre später wurde er der erste Mann, der bei einer Europameisterschaft der Senioren eine Medaille in einem Team-Wettbewerb gewann. „Im Synchronschwimmen wurde ich mit offenen Armen empfangen. Aber dann kamen andere Fragen auf, nicht über meine Sexualität, sondern über mein Geschlecht“, erinnerte sich Seidel.
„Das liegt daran, dass Synchronschwimmen als Frauensport gilt und Männer dort stark unterrepräsentiert sind. Plötzlich ging es weniger darum, dass ich schwul war, und mehr darum, wie ich als Mann in diesem Raum wirkte. Das war eine spannende Erfahrung. In vielen Teilen unserer Gesellschaft kämpfen Frauen darum, sich Räume zu erobern, die ihnen gehören sollten. Wenn man selbst erlebt, wie es sich anfühlt, nicht automatisch dazuzugehören, versteht man das besser.“ Die zunehmende Beteiligung von Männern verändert eine Sportart, die lange Zeit nahezu ausschließlich mit Frauen verbunden wurde. Violon und seine Kollegen stehen dabei nicht nur für sportliche Leistungen, sondern auch für einen Wandel im Umgang mit Geschlechterrollen im Sport. Homophobe und sexistische Angriffe in sozialen Netzwerken begleiten diese Entwicklung. Für Violon sollen sie jedoch kein Grund sein, sich zurückzuziehen.