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Mord nach Dating-App-Treffen Renommierter Sprachmittler in Mailand ermordet

Von ms - 15.06.2026 - 12:00 Uhr
Mord nach Dating-App-Treffen
Foto: IMAGO / Independent Photo Agency Int.
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Nach dem gewaltsamen Tod des international bekannten schwulen Konferenzdolmetschers Roberto Pietro Guerrino laufen in Mailand umfangreiche Ermittlungen. Der 60-Jährige wurde am vergangenen Samstag, 14. Juni, tot in seiner Wohnung im vierten Stock eines Wohnhauses in der Via Nino Oxilia im Stadtteil NoLo entdeckt.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der schwule Konferenzdolmetscher Roberto Pietro Guerrino wurde tot in seiner Wohnung in Mailand gefunden.
  • Die Ermittler gehen von einem Gewaltverbrechen aus.
  • Der 60-Jährige wies schwere Verletzungen an Kopf und Gesicht auf.
  • Nach aktuellem Ermittlungsstand könnte der Mann kurz vor seinem Tod eine Bekanntschaft aus einer Dating-App empfangen haben.
  • Die Behörden prüfen auch ein mögliches Raubmotiv.
  • Guerrino arbeitete im Laufe seiner Karriere für zahlreiche internationale Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft.

Ex-Partner schlug Alarm

Der Leichnam lag im Wohnzimmer auf dem Boden. Nach Angaben italienischer Medien befand sich das Opfer zwischen großen Blutlachen und war nur teilweise bekleidet. Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Tat bereits am späten Abend des 13. Juni verübt wurde. Den entscheidenden Hinweis gab der ehemalige Lebensgefährte des Getöteten, der in Genua lebt. Obwohl die Beziehung bereits vor mehr als zehn Jahren endete, standen beide nach Angaben der Ermittler weiterhin täglich miteinander in Kontakt. Als Guerrino weder am Freitagabend noch am Samstagvormittag erreichbar war, bat der Mann eine Verwandte, nach ihm zu sehen. Daraufhin wurden Einsatzkräfte verständigt. Die Feuerwehr verschaffte sich schließlich Zugang zur Wohnung. Die Schlüssel wurden von einer Nachbarin bereitgestellt. Die Sicherheitstür war mehrfach verschlossen. Gegen 17 Uhr wurde der Tote entdeckt.

Schwere Kopfverletzungen 

Die rechtsmedizinische Untersuchung ergab zahlreiche Verletzungen im Bereich von Kopf und Gesicht. Nach ersten Erkenntnissen wurden diese mit einem stumpfen Gegenstand verursacht. Die Ermittler prüfen derzeit, ob Dekorationsgegenstände aus der Wohnung als Tatwaffe verwendet wurden. Mehrere Gegenstände wurden bereits sichergestellt und werden kriminaltechnisch untersucht. Die Ermittlungen werden von Staatsanwalt Carlo Scalas geleitet. Unterstützt wird die Untersuchung von den Ermittlern der Mailänder Carabinieri sowie der Einheit Duomo. 

Dating-App-Treffen im Fokus 

Zeugen hatten Guerrino am Freitagabend gegen 21.30 Uhr noch in der Nähe seiner Wohnung gesehen. Außerdem hielt er sich in einer Bar auf, in der er als Stammgast bekannt war. Nach aktuellem Stand der Ermittlungen könnte der 60-Jährige später eine Person in seine Wohnung eingeladen haben, die er über eine Dating-App kennengelernt hatte. Medienberichten zufolge werden unter anderem die Plattformen Grindr und Romeo in diesem Zusammenhang genannt.

Die Ermittler prüfen die Möglichkeit, dass das Treffen in einer Gewalttat endete. Als mögliches Motiv wird auch ein Raubüberfall in Betracht gezogen. Derzeit wird untersucht, ob Gegenstände aus der Wohnung fehlen. Zudem werten die Behörden Telefonverbindungen sowie Aufnahmen von Überwachungskameras aus dem Umfeld des Wohnhauses aus. In der Nachbarschaft galt Guerrino als zurückhaltender und freundlicher Bewohner. Betreiber eines Geschäfts in der Umgebung beschrieben ihn als geschätzten Kunden. „Eine wunderbare Person. Er kam regelmäßig vorbei, um Blumen zu kaufen, war Buddhist und meditierte“, erinnerten sie sich gegenüber italienischen Medien.

Internationale Karriere als Dolmetscher

Roberto Pietro Guerrino gehörte zu den bekanntesten Konferenzdolmetschern Italiens. Seit 2008 war er Mitglied der internationalen Dolmetschervereinigung AIIC. Im Laufe seiner Karriere arbeitete er als Simultan- und Konsekutivdolmetscher für zahlreiche führende Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft. Zu seinen Auftraggebern zählten unter anderem König Charles III., der ehemalige US-Präsident Bill Clinton, Kerry Kennedy, Henry Kissinger, die italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano und Sergio Mattarella, die früheren Ministerpräsidenten Mario Draghi und Mario Monti, der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet sowie Mitglieder des norwegischen Königshauses. Darüber hinaus war er als Dozent für Dolmetschen an der SSLMIT in Forlì, an der Universität Genua sowie an der SSIT in Mailand tätig. Der gebürtige Genueser lebte seit rund drei Jahren in der Via Oxilia in Mailand.

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