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Gesichtscan in Schwulenbar

Gesichtscan in Schwulenbar Sorge vor Überwachung homosexueller Menschen in den USA

ms - 12.06.2026 - 13:00 Uhr
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In mehreren beliebten Schwulenbars im Castro-Viertel von San Francisco müssen Gäste inzwischen mehr als nur einen Ausweis vorzeigen. Beim Einlass kommt teilweise Gesichtserkennungstechnologie zum Einsatz – eine Entwicklung, die bei Datenschützern und Mitgliedern der LGBTIQ+-Community zunehmend große Besorgnis auslöst.

Das Wichtigste im Überblick

  • Mehrere Schwulenbars im Castro-Viertel von San Francisco nutzen Gesichtsscanner zur Kontrolle ihrer Gäste.
  • Zum Einsatz kommt Technologie des Unternehmens PatronScan.
  • Die Systeme erfassen nach Angaben von Kritikern neben Ausweisdaten auch weitere persönliche Informationen.
  • Gesammelte Daten werden innerhalb eines Netzwerks von Bars geteilt.
  • Datenschützer und Aktivisten warnen vor den Risiken einer Speicherung von Informationen über LGBTIQ+-Personen.
  • Die Angst über eine digitale "Liste über Schwule" ist groß in der Community

Datensammlung über Schwule

Auf die Praxis aufmerksam wurde die Journalistin Cydney Hayes vom San Francisco Gazeteer nach einem Vorfall in einer Bar des Viertels, sie begleitete einen schwulen Freund in eine Bar. Ihre anschließenden Recherchen förderten weitreichende Datenerfassungs- und Überwachungsstrukturen zutage. Hayes schilderte ihre Erfahrung mit den Worten: „Ich war im Mix im Castro, und dort wurden mein Foto sowie die Daten meines Ausweises erfasst, ohne dass ich davon wusste.“ Hayes forschte weiter nach, dabei stellte sich heraus, dass dies offenbar Teil eines neuen Überwachungsnetzwerks ist. Seitdem der Umfang der Aktion bekannt wurde, herrscht viel Verunsicherung in der Community, viele Menschen sorgen sich darüber, dass ein Unternehmen im Jahr 2026 damit plötzlich über weitreichende „Listen von Schwulen“ verfügen könnte.

Mehrere Bars setzen auf neue Technik

Den Recherchen zufolge nutzen neben dem „Mix“ auch weitere bekannte Bars im Castro-Viertel, darunter Badlands und Toad Hall, Gesichtsscanner des Unternehmens PatronScan. Auslöser für die Einführung soll dabei ein gewalttätiger Zwischenfall mit einem aggressiven Gast im vergangenen Jahr gewesen sein. Daraufhin sei das System „The Guard+“ eingeführt worden. Die Technologie wird Barbetreibern als Werkzeug zur Erkennung gefälschter Ausweise und zur Identifizierung problematischer Gäste angeboten.

Nach Angaben des Berichts erfassen die Geräte jedoch deutlich mehr Daten als lediglich die Identität der Besucher. So würden Informationen wie „Namen, Adressen, Geschlecht und sogar Informationen darüber, wie sich Menschen innerhalb der Bar verhalten“ gesammelt. Besonders kritisch sehen Datenschützer die Vernetzung der Systeme. Die gesammelten Informationen würden mit weiteren PatronScan-Geräten in benachbarten Bars geteilt. Offiziell soll dies dazu dienen, Betreiber über problematische Gäste zu informieren und eine Art „schwarze Liste“ zu führen.

Bedenken über Datensammelwut

Die tatsächliche Datensammlung gehe jedoch weit darüber hinaus. Nach Angaben des Berichts werden die Informationen zunächst gespeichert und sollen nach 30 Tagen gelöscht werden. Zeigt eine Person jedoch ein sogenanntes „schlechtes Verhalten“, verbleiben ihre Daten dauerhaft in der Datenbank. Viele Gäste würden von dieser Praxis überdies erst erfahren, wenn sie sich die Mühe machen, die kleingedruckten Hinweise an den Kontrollterminals aufmerksam lesen.

Zusätzliche Kritik richtet sich gegen das Unternehmen selbst. PatronScan war bereits mehrfach Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen. Kritiker werfen dem Unternehmen ein irreführendes Überwachungsmodell vor. In einer Sammelklage wurde die Technologie sogar als „orwellianisch“ bezeichnet. Besonders sensibel sei der Einsatz in Schwulenbars, da viele Besucher diese Orte bewusst auch als geschützte Räume aufsuchen, in denen sie anonym bleiben wollen und können. Laut Hayes darf die Technologie derzeit nicht von der Polizei oder kommunalen Behörden genutzt werden. Für private Unternehmen sei ihr Einsatz jedoch weiterhin zulässig. 

Deutliche Kritik in der Community

„Es ist wirklich keine gute Idee, Listen von Schwulen zu führen“, sagte ein schwuler Besucher gegenüber Hayes und ergänzte: „Nicht unter dieser Regierung!“ Die Meinung scheint innerhalb der Schwulen-Community in San Francisco breiter Konsens zu sein.  Für zusätzliche Irritation sorgt offenbar überdies die Tatsache, dass das Mix selbst in schwulem Besitz ist. Kritiker fragen deshalb, wie sicher die erfassten Daten tatsächlich sind und ob sie möglicherweise auch von anderen Unternehmen genutzt werden könnten. Hinzu kommen die Kosten: Demnach können die Scanner mehr als 4.000 US-Dollar pro Jahr und Standort kosten. Wie Hayes weiter berichtet, beantwortete keine der betroffenen Bars Anfragen zu den Gesichtserkennungssystemen. Zwar könne die Technologie für Betreiber eine wirksame Ergänzung oder Alternative zu klassischen Sicherheitskräften darstellen. Gleichzeitig warnen Datenschützer davor, dass die gesammelten Informationen über LGBTIQ+-Personen ausgewertet, weiterverarbeitet oder sogar verkauft werden könnten.

Die US-Autorin und Aktivistin Hayley Tsukayama hatte bereits 2024 vor den Folgen derartiger Datensammlungen gewarnt: „Menschen rechnen nicht mit einer solchen Datenerfassung und Datenspeicherung, wenn sie ein Lokal besuchen. Das passt nicht zu den Erwartungen der Verbraucher. Deshalb halte ich das für problematisch, und es sollte deutlich mehr Transparenz geben.“ Die Diskussion wird zusätzlich durch Entwicklungen außerhalb der USA befeuert. Kritiker verweisen auf Fälle, in denen Gesichtserkennungstechnologie bereits gegen LGBTIQ+-Veranstaltungen eingesetzt wurde. Als Beispiel wurde der verbotene Pride 2025 im ungarischen Budapest genannt

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