Risiken für LGBTIQ+ Sorge vor Diskriminierung und Einreiseprobleme bei Fußball-WM
Amnesty International und zahlreiche Organisationen der US-Zivilgesellschaft haben vor möglichen Menschenrechtsrisiken für Besucherinnen und Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den Vereinigten Staaten gewarnt. Nach Einschätzung der Verbände habe sich die Menschenrechtslage in den USA in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert, insbesondere für LGBTIQ+-Menschen.
Das Wichtigste im Überblick
- Amnesty International und zahlreiche US-Organisationen veröffentlichen Reisehinweise zur Fußball-WM 2026.
- Die Menschenrechtslage in den USA habe sich in den vergangenen Monaten weiter verschlechtert.
- Besonders betroffen seien Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTIQ+-Personen.
- Für trans* und nicht-binäre Menschen werden Risiken bei Visaanträgen und der Einreise genannt.
- Amnesty warnt vor verschärften Einreisekontrollen, Überwachung und möglichen Menschenrechtsverletzungen.
- Die Organisationen kritisieren fehlende Garantien von FIFA, Austragungsorten und US-Regierung.
- Reisenden wird geraten, Notfallpläne vorzubereiten und Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.
Offizielle Reisewarnungen zur WM
„Razzien und Gewalt gegen Migrant*innen, Unterdrückung von Protesten, Verletzung der Privatsphäre, Diskriminierung: Die Menschenrechtslage in den USA hat sich in den vergangenen Monaten noch weiter verschlechtert“, heißt es in den veröffentlichten Reisehinweisen. Dies stelle eine Gefahr für Besucherinnen und Besucher der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer dar. Amnesty International kritisiert, dass weder der Fußball-Weltverband FIFA noch die Austragungsorte und die US-Regierung „zielführende Maßnahmen ergriffen oder Garantien abgegeben“ hätten, um an dieser Situation etwas zu ändern.
Die Fußball-WM der Männer findet 2026 in Kanada, Mexiko und den Vereinigten Staaten statt, Start ist Donnerstag dieser Woche. In den USA werden die Spiele in elf Städten ausgetragen. Nach Einschätzung der Organisationen stellen die zunehmenden autoritären Praktiken und der Gewalteinsatz der Regierung zwar eine Gefahr für alle Menschen in den USA dar, besonders betroffen seien jedoch Migranten, Angehörige ethnischer Minderheiten und LGBTIQ+-Personen. „Sie sind einem besonders hohen Risiko ausgesetzt, wenn sie in die USA einreisen beziehungsweise sich in den USA bewegen.“ Mit den Reisehinweisen appellieren Amnesty International und die beteiligten Organisationen an Fans und Spieler, Journalisten sowie weitere Besucher, bei Reisen in die USA besondere Vorsicht walten zu lassen und überdies einen Notfallplan vorzuhalten.
Queere Menschen im Fokus
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Hinweise den Risiken für trans* und nicht-binäre Menschen. Demnach deuten jüngste Memoranden und Verordnungen darauf hin, dass queere Personen bei Visa-Anträgen ihr bei der Geburt dokumentiertes Geschlecht angeben müssen. „Tun sie dies nicht, besteht die Gefahr, dass sie strenger kontrolliert werden oder ihnen die Einreise verweigert wird.“
Grundsätzlich warnen die Organisationen vor einer möglichen willkürlichen Verweigerung der Einreise. Selbst ein bereits genehmigtes Visum oder eine elektronische Einreisegenehmigung (ESTA) garantiere keine Einreise in die Vereinigten Staaten. Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde verfüge über einen großen Ermessensspielraum bei Entscheidungen über Einreise, Zurückweisung oder Festnahme von Reisenden. Darüber hinaus weisen die Organisationen auf verschärfte Reise- und Einreisebeschränkungen hin. Im Januar 2026 verhängte die Trump-Regierung umfassende Reisebeschränkungen für Staatsangehörige von 19 Ländern.
Durchsuchung von Social-Media-Kanälen
Kritisiert wird zudem die Durchleuchtung von Social-Media-Konten sowie die Durchsuchung elektronischer Geräte bei der Einreise. Für bestimmte Visa-Kategorien müssten Antragstellerinnen und Antragsteller dem US-Außenministerium Zugriff auf ihre Social-Media-Konten gewähren, damit diese auf „anti-amerikanische“ und „antisemitische“ Inhalte überprüft werden könnten. Zudem beanspruche das Heimatschutzministerium weitreichende Befugnisse zur Kontrolle elektronischer Geräte an den Grenzen. Die Reisehinweise verweisen außerdem auf eine nach Angaben der Organisationen „gewalttätige und verfassungswidrige Durchsetzung der Einwanderungsbestimmungen“, die auch Racial Profiling und Diskriminierung umfasse.
Die Organisationen warnen zudem vor Einschränkungen der Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Demonstranten würden eingeschüchtert, schikaniert oder gewaltsam angegriffen. „Im Juli 2025 machten mehr als 90 zivilgesellschaftliche Organisationen in einem Brief an die FIFA darauf aufmerksam, dass Personen, die politische Ansichten äußern, die der Regierung missfallen, nach wie vor Gefahr laufen, willkürlich inhaftiert und abgeschoben zu werden.“ Auch Journalisten seien betroffen. Ihnen drohten Festnahmen bei der Berichterstattung über Proteste. Darüber hinaus würden Sicherheitsbehörden bei der Überwachung von Demonstrationen auf Drohnen, Gesichtserkennungssoftware und Telefonüberwachung zurückgreifen.
Vorsorge für Reisende
Vor diesem Hintergrund empfehlen die unterzeichnenden Organisationen Reisenden, sich über ihre Rechte zu informieren, elektronische Geräte abzusichern, Vertrauenspersonen über Reisepläne zu informieren und für Notfälle vorzusorgen. Journalisten wird geraten, spezielle Sicherheitsangebote von Medienrechts- und Pressefreiheitsorganisationen zu nutzen. Die Reisehinweise wurden gemeinsam von Amnesty International USA, der American Civil Liberties Union (ACLU), Human Rights First, Reporters Without Borders (RSF), dem National Immigration Law Center sowie zahlreichen weiteren Menschenrechts-, Bürgerrechts-, LGBTIQ+-, Migrations- und Journalistenorganisationen veröffentlicht.