Festnahme von Lesbenbar-Chefin Massive Kritik an Polizeieinsatz in Atlanta
Die Festnahme der Besitzerin einer Lesbenbar in Atlanta im Bundesstaat Georgia wegen eines mutmaßlichen Lärmverstoßes sorgt derzeit für viel Kritik. Jen-Chase Daniels, Mitbesitzerin von My Sister’s Room, weist den Vorwurf entschieden zurück. Nach ihrer Darstellung kam die beanstandete Musik von der nahegelegenen Bar Blackjack, die über Außenlautsprecher verfügt. Queere Verbände sehen in dem Vorfall homophobe Motive.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Polizei in Atlanta hat Jen-Chase Daniels, Besitzerin der Lesbenbar My Sister’s Room, wegen eines Lärmverstoßes festgenommen.
- Daniels bestreitet den Vorwurf. Sie sagt, die beanstandete Musik sei von der nahegelegenen Bar Blackjack gekommen.
- Ein Video zeigt die Festnahme. Darin sagt Daniels: „Wir haben heute Abend nichts falsch gemacht. Wir haben nichts falsch gemacht.“
- Nach der Festnahme verbrachte Daniels nach eigenen Angaben etwa zwölf Stunden „in einer äußerst stressigen Situation“.
- Die Polizei gab keine genauen Auskünfte gegenüber ihrer Familie.
- Drag-Performerin Taylor Alxndr und queere Verbände bezeichneten die Festnahme als homophob und fordern Transparenz.
Keine Auskunft der Polizei
Ein am späten Samstagabend aufgenommenes Video zeigt, wie Polizisten Daniels Handschellen anlegen und sie zu einem Streifenwagen führen. „Wir haben heute Abend nichts falsch gemacht. Wir haben nichts falsch gemacht“, sagt Daniels in der Aufnahme. Das Video wurde nun auf Instagram geteilt, mehrere Hunderttausende Menschen haben es binnen 24 Stunden bereits angesehen. Nach ihrer Festnahme verbrachte Daniels nach eigenen Angaben etwa zwölf Stunden „in einer äußerst stressigen Situation“. Die Polizei brachte sie zunächst ins Grady Memorial Hospital. Dort sollte ein in ihrer Brust implantierter Herzmonitor überprüft werden. Anschließend wurde sie in ein Gefängnis gebracht. Währenddessen sollen Mitarbeiter des Gefängnisses und des Krankenhauses Freunden und Angehörigen gesagt haben, Daniels sei nicht dort, als diese versuchten, ihren Aufenthaltsort herauszufinden. Daniels erklärte, sie habe Polizisten durchaus gebeten, ihre Familie über ihren Aufenthaltsort zu informieren.
Festnahme ohne Debatte
In einem weiteren Beitrag schilderte Daniels, wie es zu ihrer Festnahme gekommen sei: „Ich wurde aufgefordert, meinen Ausweis zu zeigen. Der Beamte wusste bereits, wer ich war, und ich fragte, warum ich mich ausweisen müsse, obwohl wir nichts falsch gemacht hatten. Ich war bereit, die Videoaufnahmen zu zeigen, die belegten, dass der Lärm nicht von uns kam. Stattdessen wurde ich einfach festgenommen.“ Nach Angaben von Daniels galten in Atlanta früher Vorschriften, wonach Unternehmen einen bestimmten Lärmpegel in Dezibel einhalten mussten. Dieser konnte mit einem Messgerät überprüft werden. Eine neue Verordnung verlange nun, dass nach Mitternacht keinerlei Geräusche eines Betriebs mehr aus 100 Fuß Entfernung zu hören sein dürfen. Eineinhalb Wochen vor ihrer Festnahme habe sie sich deswegen extra vor ihrem Geschäft mit dem Polizeichef von Atlanta, einem Polizeileutnant sowie den Besitzern benachbarter Bars und Restaurants getroffen. Dabei sei der Bereich von 100 Fuß vor den jeweiligen Geschäften markiert worden.
Video belegt Darstellung
Etwa 20 Minuten vor ihrer Festnahme nahm Daniels ein Video in 100 Fuß Entfernung von ihrem Geschäft auf. Darauf sei Musik aus den Außenlautsprechern der nahegelegenen Tapas-Bar Blackjack zu hören gewesen. Die Bar schließe allerdings um Mitternacht. „Bei MSR kann man überhaupt nichts hören, und wir dokumentieren das“, sagte Daniels in dem Video. Nach ihrer Freilassung bedankte sich Daniels bei ihrer Freundin Melissa Scott dafür, dass diese „unermüdlich daran gearbeitet hat, mich zu finden und meine Freilassung gegen Kaution zu erreichen“. Den Followern der Bar schrieb sie: „Danke, dass ihr zu uns steht und uns unterstützt.“ Weitere öffentliche Aussagen zu dem Vorfall will Daniels nach eigenen Angaben auf Anraten ihrer Anwälte zunächst nicht machen.
Kritik an der Festnahme
Die Drag-Performerin Taylor Alxndr und Sprecher mehrerer lokaler LGBTIQ+-Verbände bezeichneten den Vorfall als „eine unnötige Situation, die aus einem eindeutigen Mangel an Augenmaß entstanden ist“. Mehrfach wurde dabei der Vorwurf der Homophobie laut. Alxndr kritisierte insbesondere, dass Daniels festgenommen wurde: „Ein Lautstärkeproblem oder ein Verstoß gegen die Lärmschutzvorschriften ist kein Grund für eine Festnahme – höchstens für einen Strafzettel. War das diskriminierend, homophob, ein Machtmissbrauch oder einfach nur ein Polizist, der eine bestimmte Quote erfüllen musste? Atlantas Geschichte der schlechten Behandlung von LGBTIQ+-Bars und queeren Veranstaltungsorten ist seit langem dokumentiert, und dieser Vorfall trägt überhaupt nicht dazu bei, das zu ändern. Transparenz ist hier erforderlich.“