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Fake-Dates mit Folgen ARD-Recherche untersuchte Gewalt gegen Schwule

Von ms - 18.08.2026 - 09:00 Uhr
Fake-Dates mit Folgen
Foto: ARD Recherche / SR
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Schwule Männer werden immer öfter über Dating-Apps wie Grindr und Romeo zu vermeintlichen Treffen gelockt. Was anschließend passiert, reicht nach einer Recherche des ARD-Teams „team.recherche“ von Raub und Demütigungen bis hin zu schweren körperlichen Verletzungen – oder sogar Mord, wie der jüngste Fall aus Österreich Anfang August auf tragische Weise dokumentierte. Die Ergebnisse der ARD-Recherche sind Gegenstand der Dokumentation „Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?“, die ab heute in der Mediathek zu sehen ist.

Das Wichtigste im Überblick

  • Eine ARD-Recherche untersucht Überfälle auf schwule Männer, die über Dating-Apps zu vermeintlichen Treffen gelockt werden.
  • Bundesweit wurden nach Angaben des Rechercheteams mehr als 70 angezeigte Fake-Date-Überfälle in zehn Jahren erfasst, davon 34 im Jahr 2025.
  • Die Recherche führt zu einer sogenannten Pedo-Hunter-Szene, in der nach Angaben des Teams auch Rechtsextreme aktiv sind.
  • Auf einem Discord-Server mit rund 1.500 Mitgliedern recherchierte das Team monatelang undercover.
  • Betroffene berichten erstmals öffentlich über Gewalt, Demütigungen und die Folgen der Überfälle.
  • Die Dokumentation „Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?“ erscheint heute, 18. August, in der ARD Mediathek.

Mehr als 70 angezeigte Fälle

Nach Darstellung des Rechercheteams handelt es sich bei den Taten nicht allein um Beschaffungskriminalität. Vielmehr habe sich eine Online-Szene entwickelt, die unter dem Vorwand des Kinderschutzes gezielt Jagd auf schwule Männer mache. Auch Rechtsextreme wirkten gezielt in diese Szene hinein. Für die Recherche fragte das Team bundesweit bei Staatsanwaltschaften, Kriminalämtern und Polizeidienststellen nach. Nach den zusammengetragenen Angaben wurden in den vergangenen zehn Jahren mehr als 70 angezeigte Fake-Date-Überfälle erfasst. Allein 34 dieser Fälle entfielen demnach auf das Jahr 2025. Die tatsächliche Zahl der Taten könnte deutlich höher liegen. Das Rechercheteam verweist auf eine Befragung der EU-Grundwerteagentur zum sogenannten Dunkelfeld. Danach zeigt nur einer von zehn Betroffenen eine solche Tat überhaupt an.

Undercover in Pedo-Hunter-Gruppe

Monatelang recherchierten die Reporter undercover auf einem Discord-Server der sogenannten Pedo-Hunter-Bewegung 373. Der Server hatte nach Angaben des Teams rund 1.500 Mitglieder, viele davon Schüler. Dort seien zunächst ganz alltägliche Gespräche geführt worden – etwa über Klausuren. Im nächsten Moment hätten Nutzer jedoch über Waffen geschrieben. In den Chats fanden sich demnach Aussagen wie: „Schlagring und Springmesser geholt.“ Auch homphobe, queerfeindliche und pauschalisierende Äußerungen seien immer wieder gefallen. So schrieb ein Nutzer: „Weil LGBTIQ+ leider dazu tendieren, pädophil zu sein.“ Später tauchte offenbar sogar ein Hinweis darauf auf, dass die Gruppe sich der möglichen Berichterstattung bewusst war: „Stell dir vor, wir landen in einer Doku.“

Betroffene sprechen öffentlich

Das Rechercheteam führte nach eigenen Angaben zudem ein Interview mit einem der Administratoren des Servers. Der Mann erschien dabei vermummt und sagte über sich: „Ich spiele einfach gern mit dem Feuer.“ Bei der Konfrontation mit den Rechercheergebnissen räumte er ein: „Hast mich ausgespielt.“ Kurz darauf sei der Discord-Server gelöscht worden. Wenig später habe es einen neuen Server gegeben, der weiterhin aktiv sei.

Für die Dokumentation kommen auch Betroffene zu Wort, die erstmals öffentlich über ihre Erfahrungen berichten. Der Berliner Sänger Leopold schildert, wie zwei Männer stundenlang in seiner Wohnung blieben, ihn schlugen und auf seinen Boden spuckten. Einer der Männer habe ihn zwischendurch nach einem Kaffee gefragt – und zuvor wissen wollen, ob die Tassen sauber seien. Leopold sagt dazu: „Das ist mir erst im Nachgang so bewusst geworden, dass er sich so vor mir geekelt hat.“ Die Situation habe bei ihm Scham und Erniedrigung ausgelöst: „Ich habe mich so geschämt in dem Moment und so erniedrigt gefühlt.“ Trotz dieser Erfahrungen habe er sich entschieden, vor die Kamera zu treten. Sein Grund: „damit ich mich nicht dafür schämen muss.“

Polizei kennt das Muster

Nach Angaben des Rechercheteams deutet auch eine Aussage aus den Ermittlungsbehörden darauf hin, dass solche Taten bekannt sind. Der Polizist, der Leopolds Anzeige aufnimmt, sagt zu ihm: „Das kann passieren und das passiert auch gerade gehäuft.“ Das Rechercheteam befragte zudem Verfassungsschutzämter. Diese bestätigten demnach, dass Pedohunting als Vorwand dienen könne, um die Hemmschwelle zur Gewalt zu senken. Außerdem bestehe ein hohes Mobilisierungspotenzial für rechtsextreme Jugendliche.

In der Dokumentation kommen unter anderem die Berliner Oberstaatsanwältin Ines Karl von der Zentralstelle Hasskriminalität, die Rechtsextremismusforscherin Rebekka Blum und die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch, zu Wort. Koch wird dabei mit der Frage konfrontiert, warum es bis heute keine bundesweite Meldestelle für queerfeindliche Straftaten gibt. Die Dokumentation „Jagd auf Schwule – Wer steckt hinter den Fake-Dates?“ ist ab heute in der ARD Mediathek zu sehen. 

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