Stigmatisierung in den USA Queere US-Fernsehinhalte künftig nur mit Warnmeldung?
Eine Untersuchung der US-Medienaufsicht Federal Communications Commission (FCC) zu möglichen Warnhinweisen für Fernsehinhalte mit trans* und nicht-binären Menschen sorgt aktuell für viel Kritik. Mehr als 40 Bürgerrechts- und LGBTIQ+-Verein sowie Organisationen für Meinungsfreiheit werfen der Behörde vor, queere Menschen gezielt zu stigmatisieren.
Das Wichtigste im Überblick
- Die US-Medienaufsicht FCC prüft mögliche Warnhinweise für TV-Inhalte mit trans* und nicht-binären Menschen.
- Mehr als 40 Bürgerrechts-, LGBTIQ+- und Meinungsfreiheitsorganisationen kritisieren die Untersuchung.
- Die Gruppen warnen vor Diskriminierung und einem „gefährlichen Präzedenzfall“.
- Die FCC will prüfen, ob bestehende Altersfreigaben um Hinweise zu Geschlechtsidentität erweitert werden sollten.
Kritik an FCC-Prüfung
Die FCC hatte am 22. April eine Untersuchung veröffentlicht, in der geprüft wird, ob bestehende TV-Altersfreigaben um Hinweise für „transgender- und gender-non-binäre Programme“ oder für „Diskussionen oder die Förderung von Themen der Geschlechtsidentität“ ergänzt werden sollten. Ziel sei es nach Darstellung der Behörde, Eltern besser informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Zwar legt die FCC Fernseheinstufungen nicht direkt fest, Kritiker sehen in dem Vorstoß jedoch die große Gefahr umfassenderer Zensurmaßnahmen gegen LGBTIQ+-Darstellungen. Die Frage steht im Raum: Gibt es künftig eine Warnmeldung vor jedem TV-Programm mit queeren Inhalten?
Gefährlicher Präzedenzfall
Organisationen wie GLAAD, Human Rights Campaign, PEN America, Lambda Legal und PFLAG National reichten dazu gemeinsam eine Stellungnahme ein. Darin heißt es: „Warnhinweise, die LGBTIQ+-Menschen, einschließlich trans* und nicht-binärer Personen, oder Erwähnungen von Geschlechtsidentität auf dem Bildschirm gezielt hervorheben, sind unnötig, nicht hilfreich und diskriminierend. Sie dienen nicht dazu, Eltern oder Erziehungsberechtigte zu informieren; sie dienen dazu, eine strategische politische Agenda voranzutreiben, die darauf abzielt, eine Minderheit aus der öffentlichen Wahrnehmung auszuschließen.“
Zudem warnten die Verbände davor, ein solcher Schritt könne einen „gefährlichen Präzedenzfall“ schaffen. GLAAD-Präsidentin Sarah Kate Ellis kritisierte die Untersuchung ebenfalls scharf. Die Regierung versuche zu kontrollieren, „was Amerikaner auf ihren eigenen Fernsehern sehen können“, erklärte sie. Und weiter: „LGBTIQ+-Menschen und ihre Familien verdienen es, ihr Leben in den Medien repräsentiert zu sehen, die sie konsumieren. Und Medienunternehmen müssen die Freiheit haben, Programme zu produzieren, die ihre Zuschauer und Abonnenten ansprechen, ohne Eingriffe einer Regierung, die ihre eigene anti-LGBTIQ+-politische Agenda verfolgt.“ Die FCC nimmt noch bis zum 22. Juni öffentliche Stellungnahmen zu dem Vorschlag entgegen.