Direkt zum Inhalt

Kirche suspendiert Geistlichen Hamburger Pastor wegen Missbrauchs vor Gericht

Von mr - 06.05.2026 - 20:00 Uhr
Hamburger Pastor wegen Missbrauchs vor Gericht
Foto: © iStock / Nastco
ANZEIGE
Loading audio player...

Ein 63-jähriger evangelischer Pastor aus Hamburg steht seit dieser Woche vor dem Landgericht Hamburg, weil ihm vorgeworfen wird, im Jahr 2022 einen damals 15-jährigen Jugendlichen mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Die Verhandlung sorgt für besondere Aufmerksamkeit, da ein geistlicher Würdenträger der Nordkirche im Zentrum der schweren Vorwürfe steht und auch dessen sofortige Suspendierung erfolgte. Die sexuellen Kontakte soll der Vater des Jugendlichen für insgesamt 2.800 Euro vermittelt haben, gegen den Vater läuft ein separates Strafverfahren.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Prozessauftakt gegen Hamburger Pastor wegen sexuellen Missbrauchs in vier Fällen
  • Angeklagter bestreitet Aussage zur Anklage zunächst vor Gericht
  • Nordkirche suspendierte Pastor sofort nach Bekanntwerden der Ermittlungen
  • Missbrauchsfälle sollen 2022 stattgefunden haben, Beweismittel bei Durchsuchung sichergestellt
  • Urteil gegen den Vater des Jugendlichen aktuell noch nicht rechtskräftig

 

Tatvorwürfe und Ablauf am Landgericht Hamburg

Dem Pastor werden vier Straftaten zur Last gelegt, unter anderem sexueller Missbrauch in drei Fällen sowie Besitz von kinderpornografischen Bildern. Die Taten sollen laut Anklage sowohl im Pfarrhaus als auch an weiteren Orten stattgefunden haben. Ein Treffen begann demnach mit einem Gespräch über eine kirchliche Konfirmation, ehe es zu Übergriffen kam. Bei einer weiteren Begegnung im Auto sowie bei einem Zusammentreffen auf der Hamburger Reeperbahn seien weitere Tathandlungen erfolgt. Ermittler fanden im Zuge der Durchsuchung des Pastorats 2023 auf elektronischen Geräten kinderpornografisches Material.

Auf Anfrage des Vorsitzenden Richters verweigerte der Angeklagte zu Prozessbeginn jede Aussage. Die Öffentlichkeit wurde auf Antrag der Nebenklage vor der Aussage des Jugendlichen ausgeschlossen. Der Prozess ist zunächst auf vier Verhandlungstage bis zum 22. Mai angesetzt.

 

Suspendierung und Verantwortung der Nordkirche

Die Nordkirche wurde im März 2025 offiziell von der Staatsanwaltschaft über die Anklage informiert und suspendierte den Pastor unmittelbar. Gleichzeitig wurde ein kirchliches Disziplinarverfahren eingeleitet, das bis zum rechtskräftigen Abschluss des Strafprozesses ruht. Die kirchlichen Gremien und die betroffene Gemeinde zeigten sich tief bestürzt über die Vorwürfe. Der Kirchenkreis betonte öffentlich, den Mut des Jugendlichen zu bewundern und sich klar an die Seite des Betroffenen zu stellen.

 

Verfahren gegen den Vater und rechtlicher Hintergrund

Der Vater des betroffenen Jugendlichen wurde bereits im Juli 2025 vorläufig verurteilt. Das Landgericht Hamburg sah es als erwiesen an, dass er sexuelle Handlungen gegen Entgelt vermittelte und seine Fürsorgepflicht grob verletzte. Der schwerwiegendere Vorwurf der Zwangsprostitution ließ sich hingegen nicht belegen. Das Urteil ist derzeit noch nicht rechtskräftig, der Fall liegt beim Bundesgerichtshof, der über mögliche weitere Verfahrensschritte entscheidet.

 

Wichtige Fragen zum Thema

Welche Rolle spielt die Kirche beim Schutz Jugendlicher?
Schon bei ersten Verdachtsmomenten reagieren viele Kirchen inzwischen mit Suspendierungen und eigenen Disziplinarverfahren, oft unabhängig vom Stand der strafrechtlichen Ermittlungen.

Wie häufig kommt sexueller Missbrauch im kirchlichen Umfeld vor?
Studien und Aufarbeitungsberichte zeigen, dass es in Deutschland wiederholt Fälle sexueller Gewalt durch kirchliche Amtsträger gab, weswegen Landeskirchen mittlerweile eigene Schutzkonzepte und Präventionsstellen entwickelt haben.

In den kommenden Wochen wird das Landgericht Hamburg voraussichtlich weitere Sachverständige und Zeuginnen sowie Zeugen anhören. Das Strafverfahren gegen den Pastor bleibt angesichts der schweren Vorwürfe sowie der öffentlichen Wirkung auf die Kirchengemeinde weiterhin im Fokus.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.