Hass-Angriffe in Berlin Jeder fünfte rechtsextreme Angriff betrifft LGBTIQ+-Menschen
In Berlin sind im vergangenen Jahr nach Angaben der Opferberatung Reachout 358 Übergriffe mit rassistischem oder rechtsextremem Hintergrund registriert worden. Betroffen waren demnach insgesamt 545 Personen, darunter 43 Jugendliche und 25 Kinder. Die Zahlen liegen damit ähnlich hoch wie in den Vorjahren: 2024 zählte Reachout 328 Übergriffe, 2023 waren es 355. Ein besonderes Ziel von rechten Attacken sind dabei immer wieder queere Menschen – rund jeder fünfte dokumentierte Angriff galt LGBTIQ+-Personen.
Das Wichtigste im Überblick
- Die Opferberatungsstelle Reachout registrierte 2025 in Berlin 358 rassistische und rechtsextreme Übergriffe.
- Insgesamt waren 545 Menschen betroffen, darunter 43 Jugendliche und 25 Kinder.
- 208 Vorfälle waren rassistisch motiviert, darunter antimuslimische, antischwarze und politische Feindseligkeit.
- 65 Übergriffe richteten sich gegen LGBTIQ+-Personen.
- Reachout kritisiert unzureichenden Schutz durch den Berliner Senat und weist auf eine hohe Dunkelziffer hin.
Tatenlosigkeit des Senats
Die Beratungsstelle weist zugleich auf eine erhebliche Dunkelziffer hin. „Ein Großteil der Taten bleibt der Öffentlichkeit verborgen – dabei ist Rassismus weiterhin das häufigste Tatmotiv“, erklärte Reachout. Die Initiative kritisierte zudem, dass der Berliner Senat seiner Schutzpflicht nicht ausreichend nachkomme. Von den insgesamt 358 Vorfällen seien 208 rassistisch motiviert gewesen. Darunter fielen mindestens 37 antimuslimische und 28 Fälle, in denen schwarze Menschen ins Visier genommen wurden. In 71 Fällen richteten sich die Übergriffe gegen Menschen, die politisch anders orientiert waren. Weitere 65 Vorfälle betrafen Feindseligkeiten gegenüber Homosexuellen und trans-Personen, das sind rund 18 Prozent aller registrierten Fälle.
Radikalisierung der Gewalt
Reachout nennt auch konkrete Beispiele: Am 1. April 2025 seien eine Frau und ihr Kind in Hohenschönhausen vor einem Supermarkt belästigt und bedroht worden, mutmaßlich aus antimuslimischem Motiv. Im August kam es in der U-Bahn-Linie 7 zu rassistischen und homophoben Beleidigungen gegen einen Fahrgast, die von anderen Passagieren verhindert wurden. Im Oktober wurde der Betreuer eines Kindes mit Behinderung an der Kasse eines Supermarkts von einem Security-Mitarbeiter aus rassistischen Gründen durchsucht.
In den vergangenen Jahren haben Berliner Sicherheitsbehörden und Studien zu Hasskriminalität darauf hingewiesen, dass rechtsextreme Übergriffe zunehmend eskalieren. Besonders queere Menschen geraten dabei häufiger ins Visier: Laut Berliner Senat und Berichten von Strafverfolgungsbehörden nehmen Angriffe, Beleidigungen und Bedrohungen gegenüber LGBTIQ+-Personen an Häufigkeit und Intensität zu. Polizeistatistiken zeigen, dass diese Vorfälle nicht nur verbal, sondern immer öfter körperlich gewalttätig und gezielt im öffentlichen Raum erfolgen.