Direkt zum Inhalt
Krise bei Influencern
ANZEIGE

Krise bei Influencern Die Hälfte der Social-Media-Profis hat Erfahrungen mit Burnout

ms - 30.04.2026 - 11:00 Uhr
Loading audio player...

Laut einer aktuellen Studie von Metricool berichten viele Social-Media-Profis von erheblichem Stress, mentaler Erschöpfung und einem Verlust an Kreativität. Die ständige Erreichbarkeit, hohe Arbeitsbelastung und häufige Alleinarbeit führen zu einer belastenden Arbeitsdynamik, die oft unterschätzt wird. Unter queeren Influencern verstärkt sich die Problematik oftmals noch einmal aufgrund von diskriminierenden Erlebnissen. 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Hohe Belastung: Viele Social-Media-Profis erleben Stress, mentale Erschöpfung und Kreativitätsverlust.
  • Überlastung: 75 % der Befragten fühlen sich mit zu vielen Aufgaben überlastet, fast 60 % arbeiten ohne Teamunterstützung.
  • Burnout-Erfahrungen: 46 % der Befragten haben bereits Burnout erlebt oder standen kurz davor.
  • Überstunden: 37 % leisten häufig, 36 % gelegentlich Überstunden.
  • Kreativität und Motivation: 73 % berichten von einem Verlust an Motivation und Kreativität, 69 % fühlen sich mental erschöpft.
  • Queere Influencer besonders belastet: LGBTIQ+-Kreative erleben zusätzlich Diskriminierung, Hasskonfrontationen und den Druck, sich ständig öffentlich zu exponieren und für LGBTIQ+-Rechte Stellung zu beziehen.

Zu viel Arbeit, zu oft Burnout 

Für ihre erste Wellbeing-Studie hat Metricool fast 1.000 Social-Media-Professionals befragt, darunter Angestellte aus Agenturen und Marketingabteilungen, aber auch Freelancer, Influencer und Content Creator. Die Ergebnisse werfen ein besorgniserregendes Licht auf die Arbeitsbedingungen in der Branche: Fast die Hälfte der Befragten hat bereits Burnout-Erfahrungen gemacht, während drei Viertel angeben, mit zu vielen Aufgaben überlastet zu sein.

Die Aufgaben im Social-Media-Management gehen weit über das bloße Posten von Inhalten hinaus. Über 90 Prozent der Befragten sind nicht nur für die Content-Erstellung, sondern auch für die Strategie, Planung, Datenanalyse sowie für Community-Management und Kundenkontakt verantwortlich. Trotz dieser Vielzahl an Aufgaben arbeiten fast 60 Prozent ohne Unterstützung durch ein Team. 87 Prozent fühlen sich in ihrer Arbeit oft oder manchmal überfordert. Verstärkt wird die Lage auch hier bei jenen Influencern, die selbstständig tätig sind. 

Diese Arbeitsbelastung führt auch zu einem hohen Arbeitsaufwand. 37 Prozent der Befragten leisten häufig Überstunden, weitere 36 Prozent zumindest gelegentlich. Der schnelle Wandel der Social-Media-Welt, geprägt durch Trends, Algorithmen und den Druck, ständig Reichweite zu generieren, trägt ebenfalls zur Belastung bei. Der Wunsch, ständig neue Ideen zu entwickeln (58 Prozent), Last-Minute-Änderungen (48 Prozent) und die permanente Erwartung, sofort zu reagieren, sind die größten Stressfaktoren.

Die Auswirkungen der Überlastung sind deutlich: 46 Prozent der Befragten haben bereits Erfahrungen mit Burnout oder Beinahe-Burnout gemacht. 73 Prozent berichten von einem Verlust an Motivation und Kreativität, 69 Prozent fühlen sich mental erschöpft. Fast die Hälfte (46 Prozent) hat ernsthaft darüber nachgedacht, die Branche zu verlassen. Auch die Vergütung wird als problematisch angesehen: Nur vier Prozent der Befragten empfinden ihre Bezahlung als fair, während 26 Prozent dies nur teilweise tun.

Besonders belastet sind LGBTIQ+-Kreative

Queere Social-Media-Profis und Influencer sind besonders belastet, da sie nicht nur mit den allgemeinen Herausforderungen der Branche konfrontiert sind, sondern zusätzlich mit gesellschaftlicher Diskriminierung und Vorurteilen. In einer Welt, die oft noch von heteronormativen Erwartungen geprägt ist, müssen sie sich häufig mit negativen Kommentaren und Hasskonfrontationen auseinandersetzen. Die ständige Notwendigkeit, sich selbst darzustellen und zu verteidigen, sowie das Gefühl, eine „Repräsentation“ für ihre Community zu sein, können eine enorme psychische Belastung darstellen. Zudem sind queere Influencer oft der Erwartung ausgesetzt, sich öffentlich für LGBTIQ+-Rechte einzusetzen, was zusätzlichen Druck erzeugen kann, ständig Stellung zu beziehen und sich öffentlich zu exponieren. Dies kann zu einer noch intensiveren Erschöpfung führen, besonders wenn die Unterstützung aus ihrer Community oder von ihrem Publikum nicht immer sicher ist. Zur Minderung der Belastung fordern die Social-Media-Profis daher klarere Strukturen, realistischere Ziele und weniger Last-Minute-Änderungen. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Gay for Pay bei OnlyFans

Zwischen Geld, Sex und Identität

Eine wachsende Gruppe heterosexueller Männer produziert auf OnlyFans explizite Inhalte für ein schwules Publikum und ändert Debatten über Männlichkeit
Schwules Vampir-Märchen

Sexy Fischer trifft Walfänger

Ein umjubelter schwuler Horrorfilm erzählt von einer verbotenen Liebe zwischen einem Fischer und einem Walfänger auf den Färöer-Inseln.
„Benedictwink“ geht viral

Vom Papst zum Internet-Schwarm

Ein Jugendfoto von Benedikt XVI. sorgt online für schwule Begeisterung – und lenkt den Blick auf seine umstrittene Vergangenheit.
Pride als UNESCO-Kulturerbe

Petition soll Idee vorantreiben

Die Pride-Bewegung soll als immaterielles Kulturerbe anerkannt werden, fordert jetzt auch eine Petition, nominiert von den Niederlanden.
Jetten warnt vor Rückschritten

Niederlande sehen neue Spannungen

Der niederländische Premierminister Rob Jetten warnt vor schwindender LGBTIQ+-Akzeptanz unter jungen Menschen und fordert mehr Engagement.
HIV-Wissen für die Polizei

Aktion in Großbritannien

Ein Londoner Polizist will mit HIV-Schulungen Vorurteile abbauen und setzt sich für verpflichtende Aufklärung bei der britischen Polizei ein.
Spaltung der Community

Kritik an Log Cabin Republicans

Der einstige LGBTIQ+-Verein Log Cabin Republicans in den USA will künftig nur noch LGB-Interessen vertreten und stößt damit auf scharfe Kritik.
Gesetzvorschlag in Indonesien

LGBTIQ+-Menschen unter Druck

Ein Dekret der indonesischen Regierung sorgt für scharfe Kritik, während LGBTIQ+-Menschen zunehmend Gewalt und Verfolgung ausgesetzt sind.
Entsetzen in Kamerun

Mord an schwulem Mann

Fassungslosigkeit in Kamerun: Nach dem Mord an Paul Gérard in Douala prallen tiefe Trauer und homophober Spott aufeinander.