Direkt zum Inhalt

Keine Jobs für Homosexuelle? LGBTIQ+-Organisation betont Stigmata in Afrika

Von ms - 28.04.2026 - 12:00 Uhr
Keine Jobs für Homosexuelle?
Foto: iStock / Goodboy Picture Company
ANZEIGE
Loading audio player...

In vielen Ländern Afrikas werden die wirtschaftlichen Rechte von Schwulen und Lesben nach Ansicht von Aktivisten weitgehend vernachlässigt. Luc Agblakou, Mitgründer des Vereins Hirondelle Club International, berichtete jetzt von den Schwierigkeiten junger Menschen, die auch in jenen Ländern, in denen Homosexualität nicht kriminalisiert wird, noch immer ausgegrenzt werden. Besonders problematisch sei dies in einem Umfeld, in dem in Nachbarländern wie Senegal die Gesetzgebung verschärft werde.

Das Wichtigste im Überblick:

  • Wirtschaftliche Rechte von Schwulen und Lesben in Afrika: In vielen afrikanischen Ländern werden die wirtschaftlichen Rechte von LGBTIQ+-Personen nach Ansicht von Aktivisten vernachlässigt, selbst in Ländern, in denen Homosexualität nicht kriminalisiert ist. 
  • Diskriminierung trotz nicht-kriminalisierter Homosexualität: Besonders problematisch ist die Ausgrenzung junger queerer Menschen, die in benachbarten Ländern wie Senegal unter verschärften Gesetzen leiden. 
  • Unterstützung von Hirondelle Club International: Der Verein bietet obdachlosen homosexuellen und queeren Jugendlichen in Benin und angrenzenden Ländern Unterstützung, darunter vorübergehende Unterkunft und Schulungen in Bereichen wie Maniküre, Make-up und Stickerei. 
  • Überlebensprobleme durch Ausgrenzung: Viele Jugendliche werden von ihren Familien verstoßen und sind gezwungen, durch Sexarbeit oder illegale Tätigkeiten zu überleben. 
  • Herausforderungen bei der Arbeitsmarktintegration: Das Finden regulärer Arbeitsplätze bleibt ein ungelöstes Problem, da lokale Unternehmen keine LGBTIQ+-Personen einstellen und Behörden wenig Unterstützung bieten. 
  • Potenziale im Tourismussektor: Der Aktivist sieht auch Chancen für LGBTIQ+-Personen im Tourismussektor, insbesondere im informellen Bereich wie Friseur- und Kosmetikdienste

Kein Job außer Sexarbeit?

Agblakou betonte, dass sein Verein obdachlosen homosexuellen und queeren Jugendlichen vorübergehend Unterkunft und Unterstützung anbietet, hauptsächlich in Benin, teilweise aber auch in angrenzenden Staaten. „Die Menschen, um die wir uns kümmern, sind sehr verletzlich. Sie wurden von ihren Familien verstoßen, von ihren Gemeinschaften ausgegrenzt und verfügen über kein soziales oder wirtschaftliches Kapital“, so Agblakou.

In Afrika treibt die Familie häufig Schwule und Lesben auch deswegen aus dem Haus, weil diese zusätzliche Kosten verursachen, aber kein Einkommen für den Haushalt bringen. „Wir haben es mit jungen Menschen zu tun, die manchmal um jeden Preis überleben müssen, etwa durch Sexarbeit oder andere illegale Tätigkeiten“, erläutert der Fachmann weiter.

Der Verein bietet kurzfristige Schulungen in Bereichen wie Maniküre, Pediküre, Make-up oder Stickerei an. Doch die Vermittlung in reguläre Arbeitsverhältnisse sei nach wie vor ein ungelöstes Problem. „Lokale Unternehmen stellen sie nicht ein, und die Behörden interessieren sich kaum für diese Fragen“, so Agblakou. „Wenn Kredite für einkommensschaffende Maßnahmen verfügbar wären, würde das vieles erleichtern.“

Kritik an Staatengemeinschaft

Agblakou kritisiert zudem, dass internationale Geberprogramme die wirtschaftliche Situation von queeren und homosexuellen Menschen kaum berücksichtigen. „Die meisten Projekte konzentrieren sich ausschließlich auf Bildung und Gesundheit. Dabei zeigt unsere Erfahrung: Wer finanziell abgesichert ist, erfährt seltener Diskriminierung.“ Er sehe hierin einen wichtigen Hebel für Selbstständigkeit, gesellschaftliche Anerkennung und die Bekämpfung von Homophobie.

Sein Verein habe zahlreiche konkrete Vorschläge für Arbeitsprojekte, etwa Teakbaumplantagen in Kooperation mit lokalen Tischlereien oder Ölpalmen zur Versorgung der Bevölkerung mit Speiseöl. Bisher seien Gespräche mit internationalen Förderern jedoch nicht möglich gewesen. „Wir bekommen nur kleine Förderungen, die nicht auf die nachhaltige berufliche Integration der Menschen zugeschnitten sind, die wir unterstützen“, erklärt Agblakou. Auch im Tourismussektor gäbe es Chancen für junge LGBTIQ+--Menschen. „Einige arbeiten als Servicekräfte, Küchenhilfen oder Konditoren in Hotels. Die Hauptmöglichkeiten liegen jedoch im informellen Bereich, besonders im Friseur- und Kosmetiksektor“, so der Aktivist.

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

GALAJorge González: Schwierige Kindheit in KubaFalterLiteraturnobelpreisträgerin Anne Carson: Aus der Zeit gefallen, hoch aktuelltazKurswechsel in Ungarn: Anti-LGBTIQ+-Gesetze gekipptDER STANDARDOrbán-Lager serviert beim Thema LGBT alten Wein aus alten SchläuchenAlle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Nacktbilder als Druckmittel

Was du bei Sextortion tun kannst

Erpressung mit Nacktbildern? Was du jetzt tun kannst, wie du Hilfe bekommst und welche Dienste gegen die unerlaubte Verbreitung helfen.
Andrew Scott im Aids-Drama

Erster Trailer zum Oscar-Kandidaten

Andrew Scott spielt in „Elsinore“ den Schauspieler Ian Charleson, der trotz seiner HIV-Erkrankung als Hamlet gefeiert wurde und 1990 an Aids starb.
Jugendhaft für Grindr-Räuber

Schwule Männer brutal überfallen

Ein 18-Jähriger muss nach brutalen Überfällen auf schwule Grindr-Nutzer in Berlin jetzt sechs Jahre in Jugendhaft.
Queere Schüler besser schützen

Prien fordert Schutz vor Missbrauch

Sexualisierte Gewalt bedroht insbesondere auch queere Schüler. Bundesministerin Karin Prien fordert nun verbindliche Schutzkonzepte an allen Schulen.
Ungarn kippt LGBTIQ+-Verbote

Aus für Anti-Homosexuellen-Gesetz

Ungarns Parlament hebt zentrale LGBTIQ+-Beschränkungen aus der Ära Orban auf. Die Entscheidung folgt auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs.
Schwule Liebe in Avatar-Welt

Schwules Paar begeistert Fans

„Avatar: Seven Havens“ zeigt mit Jae und Datu ein schwules Paar. Die Fans feiern die Liebesszene, während Paramount+ zwei weitere Staffeln bestätigt.
Festnahmen in Indien

Neun Verdächtige nach Mord

Nach dem Mord an dem schwulen Influencer Mad Sandhu in Indien wurden neun Männer festgenommen. Die Polizei vermutet Homophobie und Bandenkriminalität.
Missbrauchsverdacht in Italien

Hausarrest für prominenten Priester

Ein italienischer Priester steht wegen mutmaßlicher sexueller Gewalt gegen einen 20-Jährigen unter Hausarrest. Die Kirche war offenbar vorgewarnt.
Brutaler Angriff in Frankreich

Homophobe Gewalt erschüttert Paris

Nach dem Pariser Pride wurde ein LGBTIQ+-Aktivist brutal zusammengeschlagen. Menschenrechtsorganisationen fordern besseren Schutz vor Hassgewalt.