Hasskriminalität in Bayern Innenminister Herrmann bekräftigt Einsatz gegen Hassgewalt
Die Zahl der registrierten Hassdelikte in Bayern ist im Jahr 2025 erneut gestiegen. Nach Angaben des Bayerischen Landeskriminalamst wurden insgesamt 2.084 Straftaten erfasst, ein Zuwachs von drei Prozent gegenüber 2024. Über 70 Prozent der Taten waren politisch rechts motiviert. Besonders häufig handelte es sich um fremdenfeindliche, ausländerfeindliche, und antisemitische Delikte. Die Zahl der erfassten Opfer sank hingegen von 296 auf 231. Im Bereich LGBTIQ+ stieg die offizielle Zahl der Angriffe um rund 2,2 Prozent an.
Angriff auf Werte
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erklärte bei der Vorstellung der Zahlen: „Hasskriminalität ist ein Angriff auf unsere Werte und unser Zusammenleben. Wir lassen keinen Raum für Intoleranz und gehen konsequent gegen jede Form von Hass und Hetze vor.“ Nach seinen Worten richtet sich Hasskriminalität gezielt gegen Menschen etwa aufgrund von Herkunft, Hautfarbe, Religion, sexueller Orientierung oder Geschlecht. „Der Anstieg bei fremdenfeindlichen und ausländerfeindlichen Straftaten bereitet mir große Sorgen. Bei den antisemitischen Straftaten gab es zwar einen Rückgang um sechs Prozent, aber jeder einzelne Vorfall ist einer zu viel.“
Die Zahl der Delikte gegen LGBTIQ+-Menschen stieg leicht von 176 auf 180. Zugleich verwies Herrmann auf eine hohe Dunkelziffer: „Wir müssen von einer hohen Dunkelziffer ausgehen. Nur wenn Betroffene Anzeige erstatten, kann die Polizei helfen und Täter ermitteln.“ Laut Studien (EU-Grundwerteagentur) werden in Deutschland 90 Prozent der Angriffe auf Homosexuelle und queere Menschen nicht angezeigt, realistisch geschätzt kann demnach von etwa 1.800 Fällen im Freistaat ausgegangen werden.
Hass im Internet
Die Aufklärungsquote lag bei rund 64 Prozent. „Jede Anzeige erhöht die Chance, Täter zur Verantwortung zu ziehen“, sagte Herrmann weiter. Die Mehrheit der Tatverdächtigen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit (1.211 von 1.459). Zudem handelt es sich überwiegend um Männer (1.219). Insgesamt 760 Straftaten wurden im Internet begangen. „Trotz einer hohen Aufklärungsquote von über 76 Prozent bleibt Hasskriminalität im Netz ein ernstes Problem.“ Die Zahl junger Tatverdächtiger zwischen 14 und 23 Jahren bleibt mit 284 hoch, was laut Herrmann vor allem mit der starken Verlagerung ins Internet zusammenhängt. „Rechtsextremismus hat in unserer Gesellschaft keinen Platz. Wir müssen uns jeden Tag für Freiheit, Menschenwürde und Gleichberechtigung aktiv einsetzen.“
Der Minister kündigte an, den Anstieg nicht hinzunehmen und Maßnahmen weiter auszubauen. Neben konsequenter Strafverfolgung spiele Prävention eine zentrale Rolle, etwa durch feste Ansprechpartner bei den Polizeipräsidien sowie spezielle Beauftragte zur Bekämpfung von Hasskriminalität beim Landeskriminalamt.
Zusammenarbeit stärken
Der Präsident des Bayerisches Landeskriminalamt, Norbert Radmacher, betonte die Bedeutung enger Zusammenarbeit: „Hasskriminalität greift den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Kern an. Umso wichtiger ist ein abgestimmtes Vorgehen aller Akteure. Der Bayerische Beauftragte gegen Hasskriminalität, insbesondere Antisemitismus, übernimmt hier eine zentrale Koordinierungsfunktion, bringt Polizei, Generalstaatsanwaltschaften und Nichtregierungsorganisationen eng zusammen und sorgt in diesem Netzwerk für ein konsequentes und sensibles Vorgehen. Nur durch diese vernetzte Zusammenarbeit können wir Hass wirksam entgegentreten und das Vertrauen in den Rechtsstaat stärken.“
Auch vor Ort wurden Initiativen ausgebaut. Dazu zählt ein proaktiver Beratungsansatz bei mehreren Polizeipräsidien, bei dem Betroffene mit ihrem Einverständnis an Beratungsstellen vermittelt werden. Zudem wurde 2025 ein spezieller Thementag zur Hasskriminalität in die Ausbildung bei der Bayerischen Polizei aufgenommen. Austauschformate wie „blue meets queer“ sollen den Dialog zwischen Polizei und queeren Organisationen fördern. „In Bayern dulden wir keinen Hass – egal ob Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit oder Fremdenhass. Wir verstärken unseren Einsatz, damit Täter sich in Bayern nicht sicher fühlen können und Betroffene Unterstützung erhalten“, so Herrmann abschließend.