Erinnerungen an Westerwelle Partner Mronz spricht zum zehnjährigen Todestag über ihre Liebe
Zehn Jahre nach dem Tod des früheren Außenministers Guido Westerwelle (1961-2016) spricht sein Lebensgefährte Michael Mronz über ihre gemeinsame Zeit, die Liebe und die Erinnerungen, die geblieben sind. Anfang der Woche erschien auch das große TV-Portrait über Westerwelle in der ARD, das auch über die Mediathek abrufbar ist.
Fröhlich, positiv, neugierig
Wenn Mronz gefragt wird, was ihm als Erstes zu Westerwelle einfällt, antwortet er im Interview mit dem Stern: „Sein Lächeln. Fröhlich, positiv, neugierig.“ Die beiden waren 13 Jahre lang ein Paar, von 2003 bis zu Westerwelles Tod am 18. März 2016. Am kommenden Mittwoch jährt sich dieser Todestag zum zehnten Mal. Im Gespräch beschreibt Mronz, wie prägend die gemeinsame Zeit für ihn war.
Bereits vor seiner Erkrankung habe Westerwelle ihm einen Wunsch mit auf den Weg gegeben: „Wenn mir etwas passiert, versprich mir eines – lebe dein Leben und sei glücklich.“ Als Außenminister sei er häufig unterwegs gewesen und habe gewusst, dass ihm etwas zustoßen könnte. Für ihn als rationalen Menschen gehörte es dazu, solche Dinge auszusprechen, erläutert Mronz.
Erwiderte Liebe
In der ARD-Doku wird mehrfach darauf hingewiesen, dass für den FDP-Politiker „erwiderte Liebe“ das wichtigste im Leben gewesen sei – nicht einfach nur Liebe, sondern eben erwiderte Liebe. Darauf bezugnehmend hatte der behandelnde Professor und Facharzt Hallek nach der Diagnose Mronz gesagt: „Herr Mronz, 13 Jahre erwiderte Liebe sind ein Privileg.“ Viele Menschen würden ein Leben lang danach suchen, ohne es jemals zu erleben. Das sei, so Mronz, „ein echter Gamechanger“ gewesen. Ab diesem Moment habe es nicht mehr um das „Warum“ des Endes, sondern um Dankbarkeit für die gemeinsam verbrachte Zeit gegangen.
Die Phase der Krankheit hätten die beiden bewusst offen gelebt. Da die Erkrankung ohnehin öffentlich wurde, entschieden sie, zeitnah und sehr offen damit umzugehen, um Spekulationen zu vermeiden und sich auf die Behandlung konzentrieren zu können. Selbstmitleid habe es nicht gegeben. Westerwelle habe oft gefragt: „Was tue ich dir mit meiner Krankheit an?“
Vorbilder für viele Homosexuelle
Privat sei er stets zugewandt und loyal gewesen – weit entfernt von dem kantigen Bild, das die Öffentlichkeit von ihm hatte. In 13 gemeinsamen Jahren hätten sie kein einziges Mal ernsthaft gestritten. „Diese Missverständnisse, aus denen bei anderen Paaren oft Streit entsteht, gab es bei uns nicht. Weil wir grundsätzlich davon ausgingen, dass der andere es gut meint. Das verändert viel“, sagt Mronz. Dass die Beziehung auch nach außen sichtbar war, zeigt eine Anekdote: Ein junger deutscher Arzt habe ihn einmal in New York angesprochen: „Danke, dass Sie Ihr Leben zu zweit so selbstverständlich gelebt haben. Das hat mir den Mut gegeben, mich vor meinen Eltern zu outen.“
Westerwelle sei es nicht um Aktivismus gegangen, sondern darum, zu zeigen, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft normal sei. „So haben wir es auch als Paar gehalten: Wir sind einfach gemeinsam zu Veranstaltungen gegangen. Jeder konnte sich seinen Teil denken.“ Den Todestag betrachtet Mronz nüchtern: „Der Todestag selbst ist ja nichts Positives.“ Ein spezielles Datum für die Erinnerung brauche er nicht: „Ich denke ohnehin fast jeden Tag an ihn. Das, was Guido und ich hatten, trägt mich bis heute.“