Aktionsplan in Frankfurt Maßnahmenpaket mit 172 Handlungsempfehlungen beschlossen
Die Stadt Frankfurt am Main will Schutz, Sichtbarkeit und Gleichberechtigung für queere Menschen weiter stärken. Die Stadtverordnetenversammlung verabschiedete dazu jetzt den „Frankfurter Aktionsplan: Schutz, Akzeptanz und Vielfalt für LSBTIQA*“. Das Maßnahmenpaket enthält insgesamt 172 Handlungsempfehlungen.
Einsatz gegen Hass
In der Mainmetropole gibt es zwar bereits ein Regenbogenviertel sowie den jährlichen CSD, trotzdem sind auch hier die Fälle von Hasskriminalität gegenüber der Community gerade im öffentlichen Raum deutlich angestiegen. Zuletzt stiegen die Attacken auf LGBTIQ+-Menschen in Hessen binnen eines Jahres um rund 60 Prozent an, zumeist handelte es sich dabei um Beleidigungen, Drohungen, Nötigung und körperliche Gewalt. Bürgermeisterin Nargess Eskandari‑Grünberg (Grüne) betonte zum neuen Projekt: „Der Aktionsplan ist ein Auftrag für die gesamte Verwaltung!“ Alle Dezernate seien deswegen jetzt aufgefordert, die vorgeschlagenen Maßnahmen zu prüfen und möglichst vollständig umzusetzen. Ziel sei es, Schutz, Prävention, Sichtbarkeit und auch Empowerment zu verbessern.
Förderung von mehr Akzeptanz
Ein Teil der vorgesehenen Maßnahmen baut auf bereits bestehenden Initiativen auf. Dazu zählt etwa der Pride Monat im Juni, der künftig mit zusätzlichen Veranstaltungen rund um queeres Leben begleitet werden soll. Diese Angebote sollen nach Möglichkeit verstärkt auch außerhalb der Innenstadt stattfinden, um in den Stadtteilen mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu fördern.
Ein Schwerpunkt liegt zudem auf Bildungsangeboten. Nach Auffassung der Stadt spielt frühe Aufklärung eine wichtige Rolle, um Vorurteile gegenüber Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen oder geschlechtlichen Identitäten zu verhindern. Für die Umsetzung des Aktionsplans ist zunächst die Einrichtung eines Gremiums vorgesehen, das die einzelnen Maßnahmen koordinieren soll. Die beteiligten Dezernate müssen regelmäßig über Fortschritte berichten. Zudem ist geplant, einzelne Projekte wissenschaftlich begleiten zu lassen und regelmäßig zu überprüfen.
Frankfurt als „queere City“
Auch Safer Spaces für queere Menschen sollen weiter ausgebaut werden. Diese Orte sollen künftig stärker in verschiedenen Stadtteilen präsent sein. Ein sichtbares Zeichen der Kampagne war im vergangenen Jahr bereits ein Banner mit der Aufschrift „Frankfurt ist queer“, das erstmals über dem Römerberg hing. Nach Angaben der Stadt kam es daraufhin auch zu Anfeindungen und Kritik. Die Leiterin der städtischen Stabsstelle Antidiskriminierung, Harpreet Cholia, sieht Frankfurt dennoch auf einem klaren Kurs. „Wir sind auf dem Weg zur queeren City“, sagte sie.
Der Aktionsplan sei in einem Koordinierungskreis entstanden, der in 20 Sitzungen unter Beteiligung von Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft insgesamt 172 Empfehlungen erarbeitet habe. Zu den vorgeschlagenen Projekten gehört unter anderem auch die Prüfung eines Regenbogenfamilienzentrums nach dem Vorbild von Berlin. Außerdem wird diskutiert, queere Künstlerinnen und Künstler gezielt zu fördern oder Straßen nach bekannten queeren Persönlichkeiten zu benennen.