Direkt zum Inhalt
Homosexualität im Senegal

Homosexualität im Senegal Neue hohe Haftstrafen, Schwule werden stigmatisiert

ms - 12.03.2026 - 07:45 Uhr
Loading audio player...

Im Senegal werden künftig homosexuelle Beziehungen tatsächlich deutlich härter bestraft: Wer gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen eingeht, muss mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Bisher lagen die Strafen zwischen ein und fünf Jahren. Der Schritt folgt auf die Festnahme mehrerer prominenter Männer und zeichnete sich bereits in den letzten Wochen ab

„Förderung“ von Homosexualität strafbar 

Das Parlament in Dakar stimmte dem entsprechenden Gesetzesentwurf der Regierung mit 135 Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen zu. Neben längeren Gefängnisstrafen sieht das Gesetz auch höhere Geldbußen vor. Zudem kann künftig die „Förderung“ oder finanzielle Unterstützung solcher Handlungen – beispielsweise durch Organisationen oder Medien – strafrechtlich verfolgt werden. Ein Abgeordneter erklärte vor der Abstimmung: "Homo­sexuelle werden in diesem Land nicht mehr atmen können. Homo­sexuelle werden in diesem Land keine Meinungsfreiheit mehr haben!"

Kritiker warnen, dass dadurch Präventionsprogramme und die Arbeit zivilgesellschaftlicher Organisationen, etwa zur HIV-Bekämpfung bei Risikogruppen, behindert oder ganz eingeschränkt werden könnten. Verbände wie die Association Prudence (AP) befürchten jetzt auch eine neue Welle von Gewalt und Stigmatisierung gegenüber Schwulen und Lesben im Land. Bereits jetzt leben viele von ihnen in „ständiger Angst“. Präsident Bassirou Diomaye Faye muss das Gesetz noch unterzeichnen, seine Bestätigung gilt als gesichert. 

Hetze gegen Homosexuelle 

Homosexualität sind im überwiegend muslimischen Senegal stark stigmatisiert, über 95 Prozent der Einwohner sind Muslime. Umfragen der letzten Jahre zeigten so auch immer wieder auf, dass regelmäßig mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gleichgeschlechtlichen Beziehungen ablehnend gegenüberstehen.

Das Thema rückte zuletzt erneut in den Fokus der Öffentlichkeit, nachdem Anfang Februar Sicherheitskräfte mehrere teils prominente Männer wegen angeblicher homosexueller Kontakte festgenommen hatten. Kurz darauf meldete die Polizei die Aufdeckung eines angeblichen internationalen Kindesmissbrauchs-Netzwerks in Dakar. In Teilen der Bevölkerung und in den sozialen Medien wurden beide Fälle oft miteinander in Verbindung gebracht, dabei besteht bis heute keine nachweisbare Verbindung zu Homosexuellen und dem kriminellen Netzwerk. 

Schwule und Lesben als Sündenböcke

Der Senegal, ein westafrikanischer Küstenstaat mit rund 18 Millionen Einwohnern, gilt als eine der stabilsten Demokratien Afrikas. Präsident Bassirou Diomaye Faye und Premierminister Ousmane Sonko waren vor zwei Jahren mit großer Mehrheit gewählt worden und hatten politische Reformen sowie wirtschaftliche Neuerungen angekündigt. Inzwischen wächst jedoch der Druck auf die Regierung, unter anderem wegen hoher Staatsverschuldung und Studentenprotesten, bei denen ein Student ums Leben kam. Queere Aktivisten gehen daher davon aus, dass Schwule und Lesben wie anderenorts nun auch im Senegal als Sündenböcke aufgebaut und damit von anderweitigen Problemen abgelenkt werden soll. Weltweit sind gleichgeschlechtliche Beziehungen noch immer in rund 65 Ländern strafbar, mehr als die Hälfte davon in Afrika. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Prominente Kritik an US-Agenda

Im Fokus ICE-Jugendhaftzentrum

Über 200 Prominente, darunter Madonna, Billy Porter oder Javier Bardem, fordern die Schließung einer ICE-Haftanstalt für Kinder und Familien in Texas.
HIV in Schottland

Keine neue Infektionen bis 2030?

Schottland ist auf dem Weg, HIV-Übertragungen bis 2030 ganz zu beenden, dazu bedarf es allerdings jetzt mehr Einsatz der Regierung, so Fachverbände.
Schwere Lage in Australien

Queere Menschen in Down Under

Die Lage für queere Menschen in Australien habe sich innerhalb von knapp zehn Jahren verschlechtert, betonte jetzt die Menschenrechtskommission.
Depressionen bei Jugendlichen

Erneute Zunahme der Fallzahlen

Abermals sind die Fälle von Depressionen bei Jugendlichen angestiegen, besonders belastet sind dabei queere Minderjährige.
Anhörung im Fall Uganda

Sitzung im kanadischen Parlament

Homosexuelle aus Uganda haben sich in einer Anhörung an Kanada gewandt und erhoffen sich mehr Schutz für Schwule und Lesben.
Japan prüft Öffnung der Ehe

Beratungen des Obersten Gerichts

Seit Jahren wird in Japan über die Einführung der Ehe für alle gestritten, nun hat sich endlich das Oberste Gericht der Sache angenommen.
Neues Verbot in Frankreich

Jugendliche und Social-Media

Frankreichs Senat stimmte für ein Social-Media-Verbot einiger Plattformen für Jugendliche. Ungewiss ist, ob das Gesetz nicht gegen EU-Recht verstößt.
25 Jahre Ehe für alle

Niederlande feiert Jubiläum

Heute vor 25 Jahre führten die Niederlande als erstes Land weltweit die gleichgeschlechtliche Ehe ein, ein Meilenstein für die Community.
Fataler Rückschlag im Senegal

Neues Hass-Gesetz tritt in Kraft

Internationaler Druck und eine Petition haben nichts gebracht: Senegals Präsident hat das verschräfte Anti-Homosexuellen-Gesetz unterzeichnet.