Erniedrigende Untersuchungen Doha: trans* Frau nach 17 Stunden am Flughafen abgeschoben
Eine italienische Staatsbürgerin ist am Flughafen von Doha festgenommen, 17 Stunden lang gedemütigt sowie schließlich nach Italien abgeschoben worden – Grund dafür war laut zivilgesellschaftlichen Quellen ihre Identität als trans* Frau. Ihr Fall hat nicht nur Fachkreise alarmiert, sondern rückt auch die Menschenrechtslage in Katar erneut in den Fokus.
Behörden in Doha greifen bei Einreise ein
Nach der Ankunft in Doha wurde G. bei der Passkontrolle von der Polizei aus der Menge herausgeholt. Im Gepäck wurde Estradiol, ein in Italien legal verwendetes Hormon zur geschlechtsangleichenden Behandlung, gefunden. Trotz Vorlage einer ärztlichen Verordnung folgte keine Einreise, sondern eine stundenlange Festhaltung. Während dieser Zeit wurde sie vollständig entkleidet, fotografiert und medizinisch befragt, um ihre Geschlechtsidentität zu überprüfen – Maßnahmen, die laut Menschenrechtsorganisationen als erniedrigend und potenziell menschenrechtswidrig bewertet werden.
Italienische Botschaft informiert, Forderungen werden laut
Der Zwischenfall wurde von der Associazione Libellula publik gemacht, die auch die italienischen Behörden informierte und offiziellen Beistand verlangte. Laut den Aktivistinnen und Aktivisten sei die italienische Botschaft erst durch einen Anruf der Familie in Kenntnis gesetzt worden und habe zunächst zurückhaltend auf das Anliegen reagiert. Bekräftigt wird der Vorwurf, G.s Rechte seien verletzt worden: Nach ihrer Abschiebung zeigten sich selbst italienische Beamte irritiert über das Fehlen einer stichhaltigen Rechtsgrundlage für das Vorgehen der katarischen Behörden. Ein offizielles Statement der Regierung liegt bislang nicht vor.
Rechtliche und diplomatische Rahmenbedingungen sorgen für Bruchlinien
In Katar sind gleichgeschlechtliche Beziehungen sowie öffentliche Abweichungen von traditionellen Geschlechternormen strafbar, was für trans* Personen wie G. reale Risiken birgt – Festnahmen und Schikanen sind dokumentiert. Der Fall ereignete sich kurz nach einem hochrangigen Treffen zwischen Italiens Regierung und dem katarischen Emir, bei dem wirtschaftliche sowie militärische Kooperationsabkommen besiegelt wurden. Menschenrechtsgruppen kritisieren, dass diplomatische und wirtschaftliche Interessen die Rechte verletzlicher Gruppen nicht relativieren dürften.
Politische Konsequenzen
Der Vorfall löst in Italien wie international Diskussionen über den Schutz queerer Reisender, die Pflichten der Diplomatie und den Umgang mit menschenrechtskritischen Staaten aus. Während die Betroffene und zivilgesellschaftliche Gruppen eine politische Antwort fordern, steht die Frage im Raum: Wie viel Gewicht haben Menschenrechte im Spannungsfeld zwischen internationaler Zusammenarbeit und individueller Integrität? Die weitere Reaktion Italiens und Katars bleibt abzuwarten.