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Emotionen bei Männern
Foto: iStock / D-Keine
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Emotionen bei Männern Vorurteile über "echte" Männlichkeit fördern Homophobie

ms - 09.02.2026 - 14:30 Uhr
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Eine neue Studie zeigt jetzt auf, wie weit verbreitet das Bild von vermeintlich „starker Männlichkeit“ ohne das Zeigen von Gefühlen und Emotionalität noch immer ist, auch innerhalb der Community. Fast 20 Prozent der Männer gaben in der Befragung an, in den vergangenen zehn Jahren nicht einmal geweint zu haben. Das Meinungsforschungsinstitut YouGov befragte dazu rund 4.000 britische, europäische und amerikanische Erwachsene

Ein Indianer kennt keinen Schmerz?

Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Während so beispielsweise bei den Männern nur 30 Prozent innerhalb des letzten Monats geweint haben, waren es bei den Frauen 71 Prozent. 29 Prozent der Männer gaben an, innerhalb des vergangenen Jahres geweint zu haben, fast 20 Prozent sagten, sie hätten in den vergangenen zehn Jahren nur einmal geweint, weitere 20 Prozent haben innerhalb eines Jahrzehnts gar nicht geweint, getreu dem alten Kinder-Motto: Ein Indianer kennt keinen Schmerz.

Millennial-Männer weinen laut der Umfrage häufiger regelmäßig als andere Altersgruppen. 15 Prozent der Männer im Alter von 25 bis 49 Jahren berichteten, in der Woche vor der Umfrage geweint zu haben, bei den 18- bis 24-Jährigen waren es 13 Prozent. Britische Männer weinen zudem seltener als US-Amerikaner: 16 Prozent gaben an, in der vergangenen Woche geweint zu haben, gegenüber 26 Prozent der Amerikaner. 

Ein ernstes Problem

Experten sehen in der emotionalen Unterdrückung von Männern ein ernstes gesellschaftliches Problem. Laura Voith, Associate Professor für Angewandte Sozialwissenschaften an der Case Western Reserve Universität, erklärt, toxischer Stress – eine übermäßige Aktivierung der emotionalen Stressreaktionen – sei besonders häufig bei Männern, die über Gefühle oder Traumata nicht sprechen.

Eine Studie aus dem Fachjournal Family Process ergab überdies, dass fast ein Drittel der männlichen Täter bei häuslicher Gewalt in Interventionsprogrammen klinische Anzeichen von einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) aufweist. Rue Minar vom Union Street Journal gibt außerdem zu bedenken, dass die Suizidraten bei Männern höher sind als bei Frauen und dass emotionale Unterdrückung ein wesentlicher Faktor sei. Schätzungen zufolge leben allein in Großbritannien mindestens sechs Millionen Männer mit unerkannter Depression.

Emotionale Unterdrückung fördert Homophobie

Dazu kommt: Männer, die ihre Emotionen unterdrücken, neigen in der Folge auch dazu, ihre eigene Homosexualität zu unterdrücken – was schlussendlich vielerorts in Gewalt und übertriebener Abneigung gegenüber offen lebenden Schwulen und Lesben zum Ausdruck kommt. Das Unterbinden von Gefühlen fördert damit massiv die eigene Homophobie – und sorgt bei homosexuellen Männern, die sich ihre Sexualität nicht eingestehen wollen oder können, zudem verstärkt zu Depressionen. 

Dieses Problem werde durch die sogenannte „Alpha“-Kultur in rechten Männerszenen noch einmal verschärft, die emotionale Unterdrückung als Kernbestandteil von Männlichkeit propagieren. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung zeigte zudem Zusammenhänge zwischen sozialer Isolation, Einsamkeit und emotionaler Unterdrückung auf der einen Seite und Radikalisierung sowie Rechtsextremismus auf der anderen Seite auf. Auch Alexander Langenkamp, Professor an der Goethe-Universität Frankfurt, verweist auf die Verbindung zu fremdenfeindlichen, homophoben, transphoben, rassistischen und antifeministischen Einstellungen.

 

Hier gibt es Hilfe

Bei psychischen oder anderweiten emotionalen Problemen sowie auch bei Depressionen oder beispielsweise Angststörungen, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du dich melden kannst. Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. 

Mit Beratung steht dir auch der Coming Out Day Verein via Messenger, E-Mail und Videochat unter www.coming-out-day.de sowie www.comingoutundso.de zur Seite. Weiterhin gibt es von der Telefonseelsorge das Angebot eines Hilfe-Chats. Außerdem gibt es die Möglichkeit einer E-Mail-Beratung. Die Anmeldung erfolgt – ebenfalls anonym und kostenlos – auf der Webseite. Informationen findest du unter: www.telefonseelsorge.de

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